Kunsthalle Bielefeld geht von Wiedereröffnung mit Sonderausstellung am 5. Mai aus
„Alles in allem“ eine Entdeckung

Bielefeld (WB). Eigentlich sollte diese Ausstellung bereits seit dem 4. April zu sehen sein. Zur Eröffnung kam es Corona-bedingt nicht , jetzt aber setzt die Kunsthalle Bielefeld fest darauf, ab Dienstag, 5. Mai, wieder öffnen zu dürfen. „Alles in allem“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung mit Werken von Antonius Höckelmann (1937-2000).

Donnerstag, 30.04.2020, 05:22 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 06:12 Uhr
Antonius Höckelmanns Bild „Judith und Holofernes“ offeriert Gegenständlichkeit, eingebunden in Farbwirbel. Gleich daneben hängt dasselbe Motiv als Holz-Relief. Foto: Bernhard Pierel
Antonius Höckelmanns Bild „Judith und Holofernes“ offeriert Gegenständlichkeit, eingebunden in Farbwirbel. Gleich daneben hängt dasselbe Motiv als Holz-Relief. Foto: Bernhard Pierel

Dass die Schau bislang „ungesehen“ ist, scheint zu Höckelmann, geboren in Oelde, irgendwie zu passen. Denn der Künstler habe zwar stets mit Galeristen zusammen gearbeitet, seine erste Einzelausstellung 1966 gehabt, der Kulturbetrieb, die „Inszenierung“ als Künstler, sei Höckelmann, vertreten auf der Documenta 6 und 7, jedoch immer fremd geblieben, sagt Dr. Henrike Mund, Kuratorin der Ausstellung.

Höckelmann ließ sich zunächst zum Holzbildhauer ausbilden, studierte anschließend an der Hochschule für bildende Künste in Berlin – zu seinen Kommilitonen gehörte unter anderem Georg Baselitz –, habe aber immer auch in Teilzeit bei der Post arbeiten müssen, um seinen Lebensunterhalt finanzieren zu können, so Henrike Mund.

Früheste Arbeiten stammen aus der Studienzeit

Der Titel der Schau „Alles in allem“ beziehe sich darauf, dass der Künstler seine Hauptthemen – den Pferdesport, Anleihen aus der Antike, Geschlechterkampf, Menschen, durchaus auch karikierend – in Zeichnung und Skulptur, mit unterschiedlichen Formensprachen abgehandelt habe.

Die frühesten Arbeiten stammen aus seiner Studienzeit, sind mit „Naturtempel“ (1959) betitelt. Höckelmann habe bei seinen Arbeiten auf „Urformen aus dem natürlichen Umfeld“ gesetzt. Seine Skulpturen wirkten wie Knäuel, wie Knorpel, wie Gebilde, die sich noch entfalten müssen, um die der Betrachter herum gehen müsse, um deren Energie zu erahnen, erläutert Henrike Mund.

Eine hängende Skulptur stellt eine Madonna dar, an der Höckelmann von 1983 bis 1985 mit Alu-Folie, Gaze und Leinen gearbeitet habe. Aus Alu-Folie habe auch eines seiner Hauptwerke bestanden. Das brachte Antonius Höckelmann an der Decke einer Kölner Kneipe an. Laut Henrike Mund „bei laufendem Betrieb“. Dieses Werk sei mit der Kneipe abgerissen worden, das zeige erneut, dass sich Höckelmann nicht verkauft, sich niemandem angedient habe.

Pferdesport findet sich in Tuschezeichnungen wieder

Das Bild „Judith und Holofernes“ offeriert Gegenständlichkeit, eingebunden in Farbwirbel. Gleich daneben dasselbe Motiv als Holz-Relief. Das dominierende Werk der Ausstellung trägt den Titel „Pergamon“, lässt in monumentalem Format inmitten der Farbwirbel und Übermalungen Pferd, Sulky-Fahrer, Zuschauer mehr erahnen als erkennen. Anregung zu dieser Mischung aus Abstraktion und Gegenständlichkeit war das Pergamon-Vries in Berlin mit der Schlacht der Giganten.

Kuratorin der Sonderausstellung ist Dr. Henrike Mund. Sie steht vor Tuschezeichnungen zum Thema „Pferdesport“.

Kuratorin der Sonderausstellung ist Dr. Henrike Mund. Sie steht vor Tuschezeichnungen zum Thema „Pferdesport“. Foto: Bernhard Pierel

Dem Pferdesport widmete Höckelmann auch eine Reihe von Tuschezeichnungen und auch eines seiner letzten großformatigen Bilder (1997/98) auf einer nicht gespannten Leinwand: Darauf zu sehen sind Pferd und Jockey – wie mit Farbe gesprayt. Die Kuratorin: „Höckelmann ging sowohl in seiner Formensprache wie in der Technik mit der Zeit.“ Wuchernde Pflanzen, Frauen-Akte, Vögel ziehen sich durch sein Werk – meist sind die Motive erst auf den zweiten, den dritten Blick zu erkennen. Jeweils immer unübersehbar: die Signatur des Künstlers.

Ausstellung soll am 2. August enden

Antonius Höckelmann hielt aber auch die Menschen seiner Umgebung fest. Es gibt von ihm eine Reihe von Selbstporträts – immer im Profil, meist verschmitzt schauend, spontane Skizzen mit Titeln wie „Nasenbohrer“ oder „Eisleckerin“. Außerdem zu sehen: sein damals fünfjähriger Sohn Sebastian, der leidenschaftlich gern von einem Stuhl herunter sprang, die Nachbarin von unten, die ob des Lärms mit dem Besenstiel gegen die Decke klopft und der aus diesem Konflikt mündende Gerichtsprozess („Probehopsen“).

Antonius Höckelmann und seine Kunst sind Entdeckungen; einen kleinen Vorgeschmack gab es bereits mit einer seiner Skulpturen in der zuletzt in der Kunsthalle gezeigten Ausstellung „L’homme qui marche“: eine Skulptur „Ohne Titel“, auch jetzt präsentiert.

Die Ausstellung, eine Kooperation mit dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck, soll laut Plan am 2. August enden.

Es gibt einen Katalog (Verlag Walther König, 29,80 Euro), der über die Kunsthalle Bielefeld bestellt werden kann – und voraussichtlich ab 5. Mai im Museumsshop zum Verkauf steht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7390073?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Als Udo Lindenberg in Bielefeld Auftrittsverbot bekam
Auf dem Album „Sister King Kong“ veröffentlichte Udo Lindenberg ein Jahr nach dem ausgesprochenen Auftrittsverbot den Song „Rätselhaftes Bielefeld“, „seine“ Reaktion auf den Vorfall.
Nachrichten-Ticker