In Folge sechs geht es um Handcreme, Sport, Kurzarbeit und Rentenansprüche
Corona: Leser fragen, Experten antworten

Bielefeld (WB). Stärkt Joggen meine Lunge im Hinblick auf Corona? Wie wirkt sich die Kurzarbeit auf meine Rente aus, wenn ich jetzt weniger verdiene? Wie berechnet sich bei Kurzarbeit der Urlaub? Hier kommt die sechste Folge von „Leser fragen, Experten antworten”.

Montag, 04.05.2020, 03:02 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 06:50 Uhr
Wer joggt oder einen anderen Ausdauersport betreibt, kommt laut Uniklinik Minden besser durch eine Corona-Infektion. Foto: dpa
Wer joggt oder einen anderen Ausdauersport betreibt, kommt laut Uniklinik Minden besser durch eine Corona-Infektion. Foto: dpa

„Mein Mann und ich sind Anfang 60. Wir joggen zweimal in der Woche fast eine Stunde lang gemächlich im Wald. Wir haben keine Vorerkrankungen und hätten gerne gewusst, ob man mit diesem Ausdauersport die Lunge für den Fall stärkt, dass man das Virus bekommen sollte.”

Dr. Ryszard Turkiewicz, Direktor der Klinik für Pneumologie am Uniklinikum Minden: „Es gibt in diesem Sinne keine direkte Stärkung der Lunge durch körperliches Training. Trotzdem ist insbesondere Ausdauersport extrem wichtig für Ihre Gesundheit. Sollte es bei Ihnen zu einer Infektion mit dem Coronavirus kommen, ist die Wahrscheinlichkeit eines leichten Verlaufs sehr viel größer als bei jemanden, der nicht trainiert.

Wir wissen, dass Begleiterkrankungen eine große Rolle bei schweren Verläufen einer Corona-Infektion spielen. Vor allem der Zuckerkrankheit, dem Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen kommen besondere Rollen zu. Durch Ausdauersport reduzieren Sie das Risiko, an einer dieser Erkrankungen zu leiden. Nicht zuletzt sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus beim Joggen, weil die meisten Infektionen in geschlossenen Räumen stattfinden.”

„Ich bin 50 Jahre alt und zahle seit ich 17 war in die Rentenkasse ein. Jetzt bin ich für sechs Monate in 60 Prozent Kurzarbeit, und der Arbeitgeber stockt das Kurzarbeitergeld nicht auf. Meine Fragen: Sinkt damit auch der Beitrag für die Rentenversicherung? Kann man sagen, wie viel das voraussichtlich am Ende bei meiner Rente ausmacht?”

Marcus Kloppenborg, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Westfalen in Münster: „Wer in Kurzarbeit geht, bleibt gesetzlich rentenversichert. Auf die spätere Rente wirkt sich die Kurzarbeit nur begrenzt aus.

Hier ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie verdienen ohne Kurzarbeit monatlich 3400 Euro brutto. Das entspricht in etwa dem aktuellen Durchschnitt aller Rentenversicherten. Während der heute häufigen Variante Kurzarbeit „Null“, bei der Sie überhaupt nicht arbeiten, werden Ihre Rentenbeiträge auf der Basis von 80 Prozent dieses regulären Arbeitsentgelts vom Arbeitgeber gezahlt. Also wird ein Verdienst von 2720 Euro für die Rentenbeiträge zugrundegelegt. Diese Aufstockung ist gesetzlich vorgeschrieben und muss auch nicht beantragt werden. Sechs Monate Kurzarbeit ergeben auf Basis dieses fiktiven Gehalts aktuell ein Rentenplus von monatlich 13,30 Euro. Ohne Kurzarbeit würde sich im gleichen Zeitraum ein Rentenplus von 16,63 Euro ergeben. Das halbe Jahr Kurzarbeit würde für Sie also einen niedrigeren Rentenanspruch von 3,33 Euro pro Monat bedeuten. Arbeiten Sie während der Kurzarbeit reduziert weiter, fällt diese Einbuße noch geringer aus. Eine zusätzliche Aufstockung dieser Beiträge durch Sie ist nicht möglich.

Weitere Informationen bekommen Sie auch auf www.deutsche-rentenversicherung.de oder bei unseren Experten am Servicetelefon unter 0800 1000 4800.”

„Wir sind vier Personen und haben für September eine Reise nach Italien gebucht. Flug und Hotel getrennt voneinander, das Hotel in Bari über Booking.com. Bei Booking.com heißt es, dass man bis spätestens 14 Tage vor Reiseantritt kostenlos stornieren kann. Können wir davon ausgehen, dass das richtig ist, oder ist diese Regelung nicht mehr gültig wegen Corona?”

Rechtsanwältin Katrin Wesseler aus Bad Salzuflen: „Die Stornierungsregelungen bei Booking.com sind nach wie vor gültig. Es ist davon auszugehen, dass Booking.com auf der unter der Buchungsnummer abrufbaren Seite Änderungen bekanntgeben wird. Für einen eventuellen Streitfall sollten Sie sich die aktuellen Stornierungsbedingungen zu Ihrer Reise ausdrucken oder anderweitig sichern, zum Beispiel, indem Sie einen Screenshot machen.”

„Bekomme ich meinen Verdienstausfall ersetzt, wenn ich unsere Kinder betreuen muss, weil die Kita geschlossen ist und wir niemanden sonst in erreichbarer Nähe für die Kinder haben?”

Rechtsanwältin Hülya Dalkilic aus Herford: „Für Fälle wie Ihren wurde Ende März das Infektionsschutzgesetz erweitert. Jetzt wird berufstätigen Eltern der Verdienstausfall ersetzt, wenn sie wegen der Kita- oder Schulschließung keine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit organisieren können. Das gilt aber nur für Kinder unter zwölf Jahren.

Der Verdienst wird in Höhe von 67 Prozent ersetzt. Der Anspruch ist auf 2016 Euro im Monat begrenzt und besteht bis zu sechs Wochen. Der Arbeitgeber tritt in Vorleistung und zahlt den Ersatz an den Arbeitnehmer. Er beantragt dann den Ersatz von der zuständigen Behörde. Das ist bei uns der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster.

Einen Anspruch haben Sie allerdings nicht, wenn Sie in Kurzarbeit sind oder im Homeoffice arbeiten.”

„Ich spiele in der Landesliga und mache fast jeden Tag einen Acht-Kilometer-Lauf. Ich hoffe, dass das meine Lunge für den Fall stärkt, dass ich mich infizieren sollte. Was mich interessieren würde: Spielt es in diesem Zusammenhang für meine Lunge eine Rolle, ob ich aerob oder anaerob trainiere?”

Dr. Ryszard Turkiewicz, Direktor der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Minden: „Eine strikte Trennung ist in der Regel ohnehin schwierig. Wichtiger aber als die Frage aerobes Training (geringere Anstrengung, längere Dauer der Bewegung) oder anaerobes (hohe Anstrengung, kürzere Dauer) ist die Bewegung als solche. Dafür sollte man sich ausreichend Zeit nehmen. Von der Weltgesundheitsorganisation werden mindestens 150 Minuten moderate Bewegung oder 75 Minuten intensive Bewegung in der Woche empfohlen. Von der Europäischen Lungen-Stiftung werden 30 Minuten Bewegung an fünf Tagen in der Woche empfohlen.”

„Für Ende Mai hatten wir eine Reise nach Kroatien gebucht und 325 Euro angezahlt. Jetzt verlangt der Veranstalter den Rest von 2065 Euro, obwohl Auslandsreisen für dieses Jahr von Experten als aussichtslos angesehen werden. Wie sollen wir uns verhalten?”

Rechtsanwältin Katrin Wesseler: „Da das Auswärtige Amt eine Reisewarnung bis Mitte Juni ausgesprochen hat und Ihre Reise in diesen Zeitraum fällt und Kroatien zudem eine generelle Einreisesperre verhängt hat, müssen Sie den Restbetrag nicht zahlen und haben auch einen Anspruch darauf, dass die Anzahlung erstattet wird. Die Restzahlung, die von Ihnen verlangt wird, sollten Sie im Zweifel zurückhalten.”

„Ich arbeite als Buchhalterin in einem Büro mit mehreren Kolleginnen. Unser Chef denkt darüber nach, jede von uns alle zwei Wochen auf Corona untersuchen zu lassen, auch ohne Symptome. Ist das erlaubt?”

Prof. Friedrich Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Paderborn: „Die Corona-Krise treibt zum Teil seltsame Blüten. Das Ergebnis vorab: Der Arbeitgeber kann das nicht von Ihnen verlangen. Zwar gibt es Berufe, zum Beispiel Pilot, bei denen der Arbeitgeber regelmäßige gesundheitliche Untersuchungen ohne konkreten Grund anordnen darf. Corona reicht aber nicht aus, um gegenüber einer Büroangestellten ohne Symptome eine solche Untersuchung vorzuschreiben. Das gilt ganz unabhängig davon, dass Sie ja ohne Symptome auch erst einmal einen Test erhalten müssten und sich weiter die Frage stellt, wer das bezahlt. Die Anordnung Ihres Chefs wäre nicht verhältnismäßig, wenn man die von ihm verfolgten Ziele gegen das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer abwägt. Und hinzu kommt: Die Maßnahme ist nicht einmal geeignet. Denn natürlich kann man sich auch innerhalb der jeweiligen Untersuchungszeiträume infizieren, so dass die vom Arbeitgeber angeordnete Untersuchung nur einen sehr beschränkten Nutzen aufweisen würde.”

„Ich werde wegen Kurzarbeit voraussichtlich für sechs Monate nur zwei Tage statt fünf Tage in der Woche arbeiten. Mein Urlaubsanspruch beträgt normalerweise 30 Tage im Jahr. Jetzt höre ich von allen Seiten unterschiedliche Aussagen darüber, ob ich 2020 die vollen 30 Tage habe oder nur einen gekürzten Urlaub. Was ist richtig?“

Prof. Friedrich Meyer: „Die unterschiedlichen Aussagen überraschen mich nicht, weil es bisher von den Arbeitsgerichten keine endgültige Festlegung gibt. Bei Krankheit wird der Urlaub nicht gekürzt. Befindet sich dagegen jemand über einen bestimmten Zeitraum des Jahres in einem Teilzeitarbeitsverhältnis, wird der Urlaub für die jeweiligen Monate des Jahres gesondert ermittelt und dann addiert. Es gibt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs von 2012, wonach die Situation, dass ein Vollzeitarbeitnehmer sich in Kurzarbeit befindet, so zu behandeln ist, als ob in dieser Zeit ein Teilzeitarbeitsverhältnis besteht. Dieser Ansatz scheint auch nachvollziehbar, weil tatsächlich nur teilweise gearbeitet wird. Für die sechs Monate ohne Kurzarbeit würden dann 15 Tage Ihrer 30 Tage angesetzt. Für die sechs Monate der Kurzarbeit zwei Fünftel davon, also sechs Tage statt der eigentlichen 15 Tage. Das wären insgesamt 21 Urlaubstage für das Jahr 2020, auf die Sie sich einstellen müssten.”

„Darf ich mich draußen mit drei Freunden treffen, wenn wir jeweils zwei Zweier-Gruppen bilden und den erforderlichen Abstand einhalten? Oder Ist das strafbar?”

Rechtsanwältin Hülya Dalkilic aus Herford: „Im Zweifelsfall werden die Behörden prüfen, ob es sich um ein zufälliges Treffen handelt oder ob es eine gemeinsame Zusammenkunft mit gemeinsamem Zweck war. Wenn es als Zusammenkunft, Ansammlung oder Aufenthalt im öffentlichen Raum gewertet wird, drohen Geld- oder Haftstrafe, denn mehr als zwei Leute dürfen sich im Moment ja nicht öffentlich treffen. Das gilt natürlich nicht für die bekannten Ausnahmen: Verwandte in gerader Linie, Geschwister, Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner und in häuslicher Gemeinschaft lebende Personen.”

„Hallo, wir haben auch eine Frage an die Expertenrunde, deren Antworten wir immer neugierig lesen. Wir haben eine kleine Ferienwohnung auf einer ostfriesischen Insel. Wir lassen sie über ein Vermietungsbüro an Feriengäste vermieten. Das Büro erhält dafür eine Provision. Auch in diesem Jahr war die Wohnung in den Osterferien eigentlich an Feriengäste vermietet. Müssen wir die Provision an die Vermietungsagentur bezahlen, obwohl die Gäste nicht anreisen durften und kein Geld eingenommen wurde?”

Rechtsanwältin Katrin Wesseler aus Bad Salzuflen: „Da die Anreise der Gäste der Ferienwohnung wegen des offiziellen Reiseverbots und nicht aus anderen, individuellen Gründen unmöglich war, muss die Provision nicht bezahlt werden.”

„Mein Mann und ich desinfizieren uns wegen Corona seit Wochen jedesmal die Hände, wenn wir aus der Stadt kommen. Aber wir merken, dass das nicht gut für unsere Haut ist. Was sollen wir machen?”

Prof. Dr. Isaak Effendy, Chefarzt der Hautklinik am Klinikum Bielefeld: „Wichtig ist erst einmal zu wissen, wie man eine hygienische Händedesinfektion korrekt machen sollte, nämlich drei Milliliter Desinfektionsmittel 30 Sekunden in die trockenen Hände einreiben.Durch häufiges Desinfizieren kann die obere Hautschicht, die Epidermis, so geschädigt werden, dass sie ihre Schutzfunktion nicht mehr aufrecht erhalten kann. Die Haut verliert Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit, sie wird trocken und rissig, und später droht gar ein Hautekzem. Und sie wird, weil sie porös wird, anfällig für Krankheiten.

Neuerdings gibt es aber Desinfektionsmittel mit hautpflegenden Zusatzsubstanzen. Außerdem sollten Sie Ihre Hände mehrmals täglich eincremen. Von Melkfett rate ich ab, das kann eine Kontaktallergie verursachen. Sheabutter ist schon besser, aber sehr fett und deshalb eher im Winter geeignet. Wenn ich hier Produkte nennen darf: Bepanthol-Handbalsam oder Cerave-Handcreme sind meine Favoriten. Aber es gibt natürlich auch noch andere gute Cremes.”

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