Wirbel um Tötungsdelikt in Bielefeld – Gericht: Haftbefehl musste aufgehoben werden
„Mein Sohn ist kein Mörder“

Bielefeld (WB). Intensivtäter Eduard T. (18) – der Bielefelder soll fünf Wochen nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft am 30. April einen 17-Jährigen erstochen haben – musste auf freien Fuß gesetzt werden. Das behauptet zumindest das Amtsgericht Bielefeld am Mittwoch in einer zweiten Stellungnahme.

Donnerstag, 07.05.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 13:28 Uhr
Freunde haben am Tatort Blumen und Kerzen abgestellt. Foto: Starke
Freunde haben am Tatort Blumen und Kerzen abgestellt. Foto: Starke

Zunächst war die Rede davon gewesen , dass die Richterin die Corona-Krise falsch eingeschätzt haben soll. Die Juristin soll den größten Gerichtssaal irrtümlich als zu klein für die Wahrung der Abstandsregeln gehalten, den für den 3. April geplanten Prozess gegen Eduard T. abgesetzt und den 18-Jährigen aus der U-Haft entlassen haben.

Noch nie der Prozess gemacht

Dem Bielefelder werden zwar zahlreiche Taten vorgeworfen, ihm wurde aber noch nie der Prozess gemacht. Weil der Intensivtäter deshalb in Sachen Vorstrafen eine „weiße Weste“ hat, drohe ihm voraussichtlich nur eine Bewährungsstrafe, gab Amtsgerichtssprecher Roland Pohl die Einschätzung der zuständigen Richterin wieder. Nach knapp fünf Monaten habe die Juristin keine Gründe für die Fortsetzung der U-Haft gesehen, den 18-Jährigen freigelassen und gleichzeitig den Prozess für den 3. April abgesetzt.

In der neuen Stellungnahme des Amtsgerichtes ist die Rede davon, dass Intensivtäter Eduard T. nur wegen eines Raubes angeklagt ist. Nach Recherchen dieser Zeitung hat die Staatsanwaltschaft gegen den 18-Jährigen bislang sechs Anklagen wegen Körperverletzungs- und Verkehrsdelikten, Drogenverstößen und Raubüberfällen erhoben. Die Taten soll der Bielefelder zwischen Juni 2018 und September 2019 begangen haben. Auf Nachfrage räumte Amtsgerichtssprecher Pohl ein, dass es nicht eine, sondern tatsächlich sechs Anklagen gibt.

Lehre im Gefängnis angefangen

Am 26. März wurde der Intensivtäter aus der U-Haft entlassen. „Er kam als anderer Mensch wieder. Im Gefängnis hat er eine Lehre zum Klempner angefangen. Er hat mir versprochen: Mama, ich lasse dich nie wieder alleine“, sagte seine Mutter (39). Dass ihr jüngster Sohn in der Nacht zum vergangenen Freitag an der Stadtbahnhaltestelle vor der Haustür einen Bielefelder (17) bei einem Raubversuch erstochen haben soll, ist ihrer Meinung nach nicht bewiesen. „Mein Sohn ist kein Mörder. Ich kann nicht glauben, dass er es war“, sagte die geschiedene, dreifache Mutter. Eineinhalb Jahre lang habe Eduard beim Vater gelebt und sei völlig verändert wieder gekommen. Ihr sportbegeisterter Sohn habe es nicht leicht gehabt, die Hauptschule nach der 9. Klasse abgebrochen.

Eduard T. beschäftigt inzwischen die gesamte Bielefelder Justiz. Eine weitere Anklage wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen – das Mädchen soll 15 Jahre alt gewesen sein – liegt beim Landgericht. Es sei noch kein Prozesstermin angesetzt, sagte Sprecher Guiskard Eisenberg. „Die Kammer prüft die Anklage.“ Dem Vernehmen nach soll die Beweislage nicht die beste sein.

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