Di., 19.05.2020

260 von 370 Mitarbeitern betroffen – Maßnahme entlastet den Etat um rund 600.000 Euro pro Monat Theater Bielefeld führt erstmals Kurzarbeit ein

Oberbürgermeister Pit Clausen (links) und Intendant Michael Heicks haben sich mit den Beschäftigtenvertretungen des Theaters Bielefeld über Kurzarbeit verständigt.

Oberbürgermeister Pit Clausen (links) und Intendant Michael Heicks haben sich mit den Beschäftigtenvertretungen des Theaters Bielefeld über Kurzarbeit verständigt. Foto: Bernhard Pierel

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Erstmals in der Geschichte des Theaters Bielefeld sind dessen Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. Die Maßnahme gilt zunächst vom 26. Mai bis einschließlich 30. Juni. „Wir nutzen dieses Instrument nicht mit Begeisterung. Aber es entlastet uns finanziell“, teilte Pit Clausen am Montag mit. Bielefelds Oberbürgermeister bedankte sich ausdrücklich für die Bereitschaft der Betriebsleitung, des Personalrats und der Beschäftigtenvertretung, diesen Weg mitzugehen.

Betroffen sind 260 der 370 Beschäftigten in unterschiedlicher Intensität. „Wir haben jeden Bereich einzeln betrachtet. Die wenigsten Mitarbeiter sind von 100 Prozent Kurzarbeit betroffen“, versichert Bielefelds Intendant Michael Heicks. Die meisten Beschäftigten werden einen Entgeltausfall von 50 bis 30 Prozent hinnehmen müssen. Andere wiederum, die vollständig ihre Arbeitsleistung erbringen, sind nicht betroffen.

Urlaub bleibt unangetastet

Wie berichtet, erlaubt die am 11. Mai in Kraft getretene neue Coronaschutz-Verordnung den Theatern in NRW, den Probenbetrieb wieder aufzunehmen. „Das gilt allerdings nicht für die atmungsaktiven Fächer wie Gesang und Blasinstrumente. Hier dürfen Proben in Gruppen nicht durchgeführt werden“, fasst Kulturdezernent Udo Witthaus noch einmal die Lage zusammen. Betroffen sind der Chor und das philharmonische Orchester. Der restliche Probenbetrieb ist nur eingeschränkt möglich. So müssen zwischen Schauspielern Mindestabstände von 1,5 Metern, bei Gesangssolisten sechs Meter Abstand eingehalten werden.

Die Maßnahme, so Verwaltungsdirektorin Ilona Hannemann, entlastet den Theateretat mit etwa 600.000 Euro pro vollen Monat. Der sechswöchige Urlaub der Theatermitarbeiter bleibt indes unangetastet. Ob die Kurzarbeit mit Beginn der neuen Spielzeit wieder aufgenommen wird, hängt von der Gesamtsituation der Corona-Pandemie ab, die weiterhin dynamisch ist.

Suche nach alternativen Formaten

„Wir sind erst einmal froh, dass es uns mit den drei verschiedenen Tarifpartnern gelungen ist, über diesen Weg einen Ausgleich zu finden“, sagt Michael Heicks. Der Intendant geht indes nicht davon aus, dass nach der Sommerpause ein normaler Spielbetrieb wieder aufgenommen werden könne. Derzeit würden in Abstimmung mit dem Ordnungs- und Gesundheitsamt und unter entsprechenden Hygiene- und Infektionsschutzstandards alternative Formate und Projekte entwickelt.

Berücksichtigt werden müsse nicht nur der Infektionsschutz für die Mitarbeiter – als erstes Theater in NRW, so Heicks, habe das Theater Bielefeld ein Konzept zur Umsetzung eines SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards entwickelt, das mittlerweile auch von anderen Theatern übernommen würde – sondern auch für die Sicherheit der Besucher müsse gesorgt werden. Angedacht ist, die Zuschauerzahl im Saal zu dritteln. „Wenn das kommt, haben Abonnenten einen Vorteil“, sagt Heicks.

Theaterkasse wieder geöffnet

Die Theater- und Konzertkasse ist von diesem Dienstag an wieder geöffnet: am Dienstag, Mittwoch und Samstag jeweils von 11 bis 13 Uhr sowie am Donnerstag und Freitag von 15 bis 17 Uhr. Die Bühnen und Orchester bitten jedoch darum, weiterhin per Telefon (0521/51-5454) oder per Email (info@theater-bielefeld.de) mit der Theater- und Konzertkasse in Kontakt zu treten.

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