Seidensticker gibt seine gut 50 Jahre alte Premiummarke aus ökonomischen Gründen auf
Aus für das Jacques-Britt-Hemd

Bielefeld (WB). Der Bielefelder Hemdenspezialist Seidensticker bekommt die Folgen der Corona-Pandemie heftig zu spüren. „In Deutschland ist unser Umsatz um 70 bis 80 Prozent eingebrochen“, sagte Mitgesellschafter Gerd Oliver Seidensticker (54) jetzt dem „Handelsblatt.“ Für das Gesamtjahr 2019/2020 (bis 30. A­p­ril) geht er von einem Umsatzminus von 20 Prozent aus. Gerd Oliver Seidensticker spricht von der „ernstesten Situation“ in der 100-jährigen Firmengeschichte.

Donnerstag, 21.05.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 21.05.2020, 08:07 Uhr
Gerd Oliver (links) und Frank Seidensticker konzentrieren sich weiterhin auf die strategische Führung sowie den Ausbau der Geschäftsbereiche Marke und Private Label – also Handelsmarken. Foto: Oliver Schwabe
Gerd Oliver (links) und Frank Seidensticker konzentrieren sich weiterhin auf die strategische Führung sowie den Ausbau der Geschäftsbereiche Marke und Private Label – also Handelsmarken. Foto: Oliver Schwabe

Um Kosten zu sparen, hat sich das Traditionsunternehmen nun dazu entschlossen, seine Premium-Hemdenmarke Jacques Britt mit Ablauf der Saison Herbst/Winter 2020 einzustellen. „Die Aufträge der aktuellen Herbst/Winter-Saison werden noch ausgeliefert“, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Jacques-Britt-Hemden kosten im Handel zum Teil um die 100 Euro.

Umsatzanteil von fünf Prozent am Gesamtumsatz

„Die Kosten-/Erlösstruktur stand in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr“, heißt es zur Begründung. „Wir bedauern diesen Schritt zutiefst und er ist uns keineswegs leicht gefallen“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Frank Seidensticker. Jacques Britt ist seit 1969 eine eigene Marke der Seidensticker-Gruppe. „Zuletzt haben die Auswirkungen rund um das Coronavirus das Aufrechterhalten der Wirtschaftlichkeit jedoch strategisch betrachtet unmöglich gemacht“, begründet Frank Seidensticker die Aufgabe des Geschäftsbereichs.

Der Umsatzanteil von Jacques Britt lag bei etwa fünf Prozent vom Gesamtumsatz der Gruppe, der wiederum im Geschäftsjahr 2018/19 laut Bundesanzeiger bei 178,6 Millionen Euro lag. Im gleichen Geschäftsjahr musste Seidensticker beim Ergebnis auch einen Verlust von 6,8 Millionen Euro verkraften.

Wichtige Geschäftsbereich stärken

Die Entscheidung, Jacques Britt aufzugeben, sei auch vor dem Hintergrund getroffen worden, dass das Bielefelder Unternehmen weiterhin die Stärkung der wichtigen Geschäftsbereiche in den Fokus nimmt – die Kernmarke Seidensticker sowie das Handelsmarken-Geschäft (Private Label) etwa für Kaufhäuser.

Gerd Oliver Seidensticker und Frank Seidensticker konzentrieren sich weiterhin auf die strategische Führung, betonte das Unternehmen am Mittwoch. Die operative Leitung der Gruppe (2400 Mitarbeiter) liege seit Anfang des Jahres bei Dr. Silvia Bentzinger, Dr. Marc Barrantes und Dr. Horst Gersmeyer.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7417987?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Vermisster Mountainbiker wohlbehalten wieder aufgetaucht
Die Suche nach dem Mann wurde am Mittwoch abgebrochen. Foto:
Nachrichten-Ticker