Anke Schlägers dritter Roman geht weit über eine Mutter-Tochter-Beziehung hinaus
Zwei Seiten einer Medaille

Bielefeld (WB). Mit Beziehungen, komplizierten zumal, kennt Anke Schläger sich aus. Das hat die Bielefelder Autorin bereits in ihren ersten beiden Romanen „Festtagsgäste“ und „Taktgefühle“ bewiesen. In ihrem jüngst erschienenen Roman „Sonnenplätze“ bildet eine Mutter-Tochter-Beziehung den Erzählrahmen für innerfamiliäre Beziehungsdramen, wobei nach außen die geschliffene Fassade einer gut bürgerlichen, glücklich zusammenstehenden Familie lange aufrecht erhalten bleibt.

Samstag, 23.05.2020, 23:00 Uhr aktualisiert: 28.05.2020, 17:40 Uhr
Anke Schläger legt mit „Sonnenplätze“ ihren dritten Roman vor. Foto: Thomas F. Starke
Anke Schläger legt mit „Sonnenplätze“ ihren dritten Roman vor. Foto: Thomas F. Starke

Doch so richtig gut geht es niemanden in diesem Bunde. Erst recht, seit Familienoberhaupt Heiner so plötzlich gestorben ist.

Geheimnisvolle Briefe

Intern schwelende Konflikte wurden nie richtig thematisiert, zumal der familiengeführte Drogeriebetrieb in Brocke – Pate stand erneut Anke Schlägers ostwestfälische Heimatstadt Bünde – alle Kräfte aufzehrte.

Da entdeckt Mutter Karin im Nachlass ihres Ehemanns die Briefe eines US-Amerikaners, mit dem Heiner offenbar heimlich befreundet war und der eine Ferienanlage auf Sanibel Island in Florida betreibt. Sie beschließt kurzerhand, zusammen mit Tochter Friederike dort Urlaub zu machen.

Einerseits, um dem Geheimnis ihres verstorbenen Mannes auf die Spur zu kommen. Andererseits, um das belastete Verhältnis zu ihrer stark hörgeschädigten Tochter zu kitten. 

Anke Schläger beweist einmal mehr Einfühlungsvermögen, indem sie abwechselnd Mutter und Tochter aus der Ich-Perspektive erzählen lässt und dem Leser somit zwei Seiten einer Medaille präsentiert. Das gleiche gilt für das Für und Wider der im Roman thematisierten Impfproblematik, die hier personenbezogen geführt wird. Eine Mumpsimpfung verursachte bei Karins erster Tochter offenbar starkes Asthma. Aus Angst davor ließ Karin ihre zweite Tochter Friederike nicht mehr gegen Mumps impfen. Die Viruserkrankung führte indes bei Friederike zu einer dauerhaften Hörschädigung – und bei Karin zu tiefen Schuldgefühlen.

Kenntnis- und detailreich

Gar mit dem Tod bezahlte Allison, die Ehefrau des amerikanischen Freundes, ihre Weigerung, sich 1977 gegen die so genannte Russische Grippe impfen zu lassen, da der Impfstoff bei wenigen Geimpften eine tödliche Nervenkrankheit auslöste.

Es sind nicht die einzigen historischen Fakten, die die 53-jährige Autorin geschickt ins fiktionale Geschehen einfließen lässt. So widmet sie sich ausführlich der russischen Militärmission, die bis zum Fall des Eisernen Vorhangs in Bünde ansässig war und vom sowjetischen Geheimdienst zu Spionagezwecken genutzt wurde. Das verleiht dem Roman zwischenzeitlich einen Schuss kriminalistischer Spannung.

Nicht zuletzt weckt Anke Schläger mit ihren kenntnis- und detailreichen Naturbeschreibungen die Liebe zum Urlaubsparadies Sanibel Island am Golf von Mexiko. Und selbstverständlich ist auch wieder einiges an Herzschmerz im Spiel, wenn sich Friederike im Florida-Urlaub unsterblich in Gary verliebt.

„Sonnenplätze“, erschienen bei Books on Demand, ist im Buchhandel und als E-Book erhältlich.

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