Corona-Krise stellt alle Bekleidungshersteller in OWL vor große Herausforderungen
„In 44 Jahren noch nicht erlebt“

Bielefeld/Herford (WB). Während Anbieter von Lebensmitteln, Getränken und Tabak im April ein Umsatzplus von 6,2 Prozent erzielen konnten, sind die Verkäufe von Nicht-Lebensmitteln im gleichen Monat um 14,5 Prozent gesunken. Besonders betroffen sind Bekleidung, Schuhe und Lederwaren. Diese Branchen müssen einen Rückgang um mehr als 70 Prozent verkraften. Eine Folge: Hallhuber, an dem Gerry Weber noch mit zwölf Prozent beteiligt ist, Esprit, Appelrath Cüpper, Karstadt Kaufhof und zuletzt Sinn beantragten bei Gericht Gläubigerschutz.

Mittwoch, 03.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 05:01 Uhr
Von den Folgen der Corona-Krise ist kein OWL-Modeunternehmen unberührt; hier: Bugatti (Herford). Foto: Oliver Schwabe
Von den Folgen der Corona-Krise ist kein OWL-Modeunternehmen unberührt; hier: Bugatti (Herford). Foto: Oliver Schwabe

Die Lage war schon vorher nicht komfortabel. Sinkende Umsätze im stationären Handel quälten renommierte Marken. Der Herrenausstatter Sør Rusche in Oelde beantragte im Februar Insolvenz.

Seidensticker

Beim Bielefelder Hemden- und Blusen-Spezialisten Seidensticker hat der Verlust der Camel-Active-Lizenz schon 2019 zu Umstrukturierungen und Jobabbau geführt. Nun brach der Umsatz im Frühjahr wegen der Corona-Krise in Deutschland erneut ein – um 70 bis 80 Prozent, so Mitgesellschafter Gerd Oliver Seidensticker. Für das Geschäftsjahr 2019/20, das am 30. April zu Ende ging, rechnet er mit einem Rückgang um 20 Prozent. Als eine Reaktion beschloss Seidensticker die Einstellung der Marke Jacques Britt.

Brax

In Herford stoppte Brax am 18. März alle Auslieferungen an den Handel und rechnet fürs Gesamtjahr mit einem deutlichen Minus.

Bugatti

Wolfgang Brinkmann, Mitgesellschafter bei Bugatti, sagt angesichts von geschlossenen Läden und Millionen Kurzarbeitern: „So eine Situation habe ich in 44 Jahren noch nicht erlebt.“ Er geht davon aus, dass die Umsätze auch 2021 noch nicht wieder das Niveau von 2019 erreichen werden.

Ahlers

Ahlers, drittes großes Herforder Bekleidungsunternehmen, nahm im April Umsatz- und Ertragsprognose zurück, ohne sich auf eine neue festzulegen. Die Lage sei noch nicht überschaubar. Ahlers trennte sich schon vorher von einigen Geschäften, zuletzt von Pierre-Cardin- und Pioneer-Damenhosen und von Jupiter-Jacken.

Viele stellen jetzt auch Schutzmasken her

Fast alle regionalen Bekleidungshersteller, zu denen beispielsweise noch Annette Görtz und Marc Aurel (beide Gütersloh) gehören, bestätigen, dass das Online-Geschäft zwar wachse, aber das Minus im stationären Handel bei weitem nicht ausgleichen könne. Die meisten nahmen übrigens Schutzmasken in die Produktion auf – allerdings ohne großen Einfluss auf den Umsatz.

Kommentare

Walter  schrieb: 03.06.2020 12:08
Rennen eh alle nach Kik
Z.B Seidensticker produziert auch in China und Co.
1 Kommentare
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