Initiative zur Rettung der Tangokultur auf dem Rathausplatz
Weltkulturerbe droht das Aus

Bielefeld (WB). Die Tangoszene stellt einen nicht unbedeutenden Teil der Kulturlandschaft von Deutschland dar. Auch in Bielefeld gibt es seit 25 Jahren eine sehr lebendige Tangogemeinschaft. Nun droht den Tangoschaffenden und -schulen durch Corona das Aus. Denn der Tanz, der offiziell eine Sportart ist, erfordert eine körperliche Nähe, die mit Mindestabständen nicht vereinbar ist.

Donnerstag, 04.06.2020, 10:00 Uhr
Oberbürgermeister Pit Clausen verfolgte am Mittwoch eine Aktion auf dem Rathausplatz. Die Tangoszene machte auf die prekäre Lage von Tangolehrern und -veranstaltern aufmerksam und überreichte eine Petition. Foto: Thomas F. Starke
Oberbürgermeister Pit Clausen verfolgte am Mittwoch eine Aktion auf dem Rathausplatz. Die Tangoszene machte auf die prekäre Lage von Tangolehrern und -veranstaltern aufmerksam und überreichte eine Petition. Foto: Thomas F. Starke

Zur symbolträchtigen Uhrzeit „Fünf vor Zwölf“ hat die Bielefelder Tangoszene am Mittwoch auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht und ein Petitionspapier an Oberbürgermeister Pit Clausen übergeben. Zeitgleich fanden im gesamten Bundesgebiet ähnliche Aktionen statt.

Sich auf Milongas treffen und in den Armen liegen zu schöner Musik – all das geht seit Wochen nicht mehr, und niemand weiß, wie lange dieser Zustand noch anhält. Tangolehrer, Veranstalter und Künstler bangen um ihre Existenz. Olaf Herzog, Bielefelder Herausgeber der bundesweit erscheinenden Zeitschrift „Tangodanza“, brechen die Werbeeinnahmen weg.

Auch aus diesem Grund hat „Tangodanza“ in Kooperation mit dem Berliner Online-Magazin Tango-argentino-online und dem Tango Community Netzwerk eine Initiative zur Rettung der Tangokultur angeschoben. Die damit verbundene Petition wurde während der Kundgebung auf dem Rathausplatz von Redaktionsmitglied Christine Grunert und Herausgeber Olaf Herzog vorgestellt.

„Der Tango Argentino“, so Christine Grunert, „zählt seit 2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe.“ In Uruguay und Argentinien entstanden, ist Tango Argentino seit einigen Jahrzehnten zunehmend auch in Deutschland für viele Menschen eine kulturelle Heimat. Grunert: „All jene, die zum Leben dieses immateriellen Kulturerbes beitragen, stehen finanziell am Abgrund. In den vergangenen Wochen haben Tangotänzerinnen und -tänzer aus ganz Deutschland und auch aus anderen Ländern Geld gespendet, um zum Fortbestand der Tango-Orte beizutragen und Tangoschaffende persönlich zu unterstützen: ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit in und mit der Tangokultur. Und doch werden Spenden und Nothilfen nicht ausreichen, um diese Kultur über die kommenden Monate des Stillstands am Leben zu erhalten und allen zu helfen, die Hilfe benötigen.“

Somit appelliert die Initiative an die politisch Verantwortlichen, dafür zu sorgen, dass die Menschen, die vom Tango leben, weitere finanzielle Unterstützung und bessere soziale und kulturpolitische Rahmenbedingungen erhalten – etwa in Form von Soforthilfe über den 31. Mai hinaus. Gefordert wird darüber hinaus, dass Soloselbstständige und kleine Gewerbetreibende ihre Lebenshaltungskosten als Betriebsausgabe verbuchen dürfen. Zu den weiteren Forderungen gehört auch, Tangoschaffende in der Künstlersozialkasse abzusichern, Spenden von der Steuer zu befreien sowie eine Entschädigung der Tangokulturschaffenden bei Tätigkeitsverboten.

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