Sparda-Bank wirft Betriebsrat Ausspionieren vor – Verdi protestiert
Kündigung nach Telefonkonferenz

Bielefeld (WB/peb). Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wirft der Sparda-Bank Hannover vor, gezielt gegen aktive Gewerkschafter vorzugehen. Konkret soll einem Betriebsratsmitglied aus der Niederlassung in Bielefeld „aus nichtigem Grund“ gekündigt worden sein.

Samstag, 13.06.2020, 13:00 Uhr
Laut Verdi soll dem Bank-Mitarbeiter „aus nichtigem Grund“ gekündigt worden sein. Foto: dpa
Laut Verdi soll dem Bank-Mitarbeiter „aus nichtigem Grund“ gekündigt worden sein. Foto: dpa

„Wir fordern den Vorstand der Sparda-Bank auf, dies zurückzunehmen“, erklärt der für Finanzdienstleistungen zuständige Landesfachbereichsleiter von Verdi Jörg Reinbrecht.

Die Vorwürfe drehen sich um eine „normale telefonische Besprechung“, an der der Mitarbeiter aus Bielefeld, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates ist, gemeinsam mit anderen Beschäftigten und laut Verdi „offen erkennbar“ teilgenommen habe. Der Vorwurf der Geschäftsleitung, der Mitarbeiter habe nicht ordnungsgemäß an der Telefonkonferenz teilgenommen, sich also offenbar nicht erkennbar eingewählt, ist für Jörg Reinbrecht „eine Nichtigkeit“.

Für den Bank-Vorstand dagegen handelt es sich um das heimliche Ausspionieren von Mitarbeitern und Führungskräften. „Auch in Zukunft werden wir das nicht tolerieren, unabhängig davon, wer das unternimmt“, heißt es in einer Stellungnahme der Bank auf Anfrage dieser Zeitung. Und: „Wir befinden uns gerade in einer juristischen Auseinandersetzung in Verbindung mit einem Betriebsratsmitglied, da wir einen schwerwiegenden Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte unserer Mitarbeiter festgestellt haben.“

Der Vorgang beschäftigt das Arbeitsgericht

Der Vorgang beschäftigt auch das Arbeitsgericht, weil der Betriebsrat der Aufforderung der Bank, der Kündigung zuzustimmen, nicht nachgekommen war.

Der zuständige Verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen spricht von einem gezielten Vorgehen der Sparda-Bank, um „aktive Gewerkschafter loszuwerden“. Einem zweiten Verdi-Aktiven, der kein Mitglied des Betriebsrates war, sei ebenfalls gekündigt, das Verfahren mit einem für ihn positiven Vergleich beendet worden.

„Die Vorwürfe der Sparda-Bank sind völlig absurd“, sagt Verdi-Fachbereichsleiter Jörg Reinbrecht. In den vergangenen Wochen habe es von den Betriebsräten und der Gewerkschaft Versuche der Vermittlung gegeben. Die seien aber „aufgrund der Kompromisslosigkeit des Vorstands alle gescheitert“. Reibrecht fordert den Bank-Vorstand auf, „die von der Belegschaft gewählten Verdi-Betriebsräte zu akzeptieren und zu einer vernünftigen Zusammenarbeit zurückzukehren“.

Die Niederlassung an der Bahnhofstraße gehört zur genossenschaftlichen Sparda-Bank Hannover mit Geschäftsstellen vor allem in Niedersachsen und Bremen. 2016 hatte die Bank die zweite Bielefelder Filiale an der Brackweder Hauptstraße zu einem Automaten-Standort zurückgebaut.

Kommentare

Dietmar Rottmann  schrieb: 13.06.2020 16:48
Weniger Service für mehr Geld
In Brackwede gibt es schon länger gar kein Serviceangebot der Sparda. Nun müssen alle Kunden die das Onlineangebot nicht nutzen (wollen) zur einzigen Stelle mit Personal der Sparda in Bielefeld, nämlich in die Bahnhofstraße. Außerdem ist das Konto nicht mehr kostenfrei.
Es ist wenig erstaunlich wenn ein Grund gesucht wird um einen menschlichen Kostenfaktor loszuwerden. Insbesondere wenn der Mitarbeiter im Betriebsrat tätig und nicht uneingeschränkt im Publikumskontakt einsetzbar ist.
Für eine Genossenschaft unwürdiges Verhalten.
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