Angeklagter gesteht vor Gericht, Nachbarin wegen blinkender Lichter erwürgt zu haben
Mordmotiv Weihnachtsbeleuchtung

Bielefeld (WB). Wegen des Vorwurfs des Mordes an seiner Nachbarin Christina F. (34) steht ein Bielefelder seit Dienstag vor einem Schwurgericht des Landgerichtes. Zum Prozessauftakt brach der 59-Jährige vor den Richtern der 10. Großen Strafkammer erstmals seit der Tat am Abend des 4. Advent 2019 sein Schweigen.

Mittwoch, 17.06.2020, 06:54 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 08:08 Uhr
In diesem großen Wohnblock an der Bremer Straße 5c im Norden der Innenstadt wurde die Leiche der erwürgten Mieterin einen Tag vor Heiligabend 2019 gefunden. Im Bild der sogenannte „Mordbulli“ der Kripo-Spurensicherung. Foto: Christian Müller/Archiv
In diesem großen Wohnblock an der Bremer Straße 5c im Norden der Innenstadt wurde die Leiche der erwürgten Mieterin einen Tag vor Heiligabend 2019 gefunden. Im Bild der sogenannte „Mordbulli“ der Kripo-Spurensicherung. Foto: Christian Müller/Archiv

Als Motiv für die Bluttat in einem großen Mehrfamilienhaus an der Bremer Straße gab der psychisch kranke Mann an, dass ihn die grell blinkende Weihnachtsbeleuchtung seiner Nachbarin gestört habe. Weil die 34-Jährige die Lichterkette, die „penetrant und außergewöhnlich provokant“ von ihrem Wohnzimmer in sein angrenzendes Erkerfenster geleuchtet haben soll, nicht abschalten wollte, habe die Frau sterben müssen. „Ich habe mich dadurch provoziert gefühlt. Ich bin kein aggressiver Mensch. Aber an diesem Abend war das Maß voll“, sagte der im Bielefelder Gefängnis in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte.

Angeklagter berichtet emotionslos

Mehr als eine Stunde lang erzählte der ehemalige Medizinstudent und Bhagwan-Jünger ausführlich in teils gestelzt wirkenden Sätzen, warum er am 22. Dezember vergangenen Jahres die zierliche Supermarkt-Verkäuferin Christina F. erst brutal zusammen schlug und dann auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer erwürgte.

Ein Wort des Bedauerns für den Mord an der Griechin oder eine Entschuldigung an den Bruder (32) des Opfers, der als Nebenkläger mit seinem Anwalt Jan-Christian Hochmann dem Angeklagten direkt gegenüber saß, gab es nicht. Erschreckend emotionslos berichtete der 59-Jährige, wie es zu dem Mord an der 34-Jährigen, mit der er etwa sechs Jahre lang Tür an Tür gelebt hatte, gekommen war.

Der Angeklagte betritt mit Atemschutzmaske den Gerichtssaal. Links sein Verteidiger Torsten Giesecke.

Der Angeklagte betritt mit Atemschutzmaske den Gerichtssaal. Links sein Verteidiger Torsten Giesecke. Foto: Bernhard Pierel

Christina F. trage selbst die Schuld für ihren ebenso schmerzhaften wie qualvollen Tod, lautete die Kernaussage des Geständnisses des Bielefelders. „Ich habe sie immer freundlich gegrüßt und sie merken lassen, dass ich ihr zugewandt war“, sagte der Angeklagte über sein Verhältnis zur direkten Nachbarin. Diese habe ihm gegenüber jedoch eine „etwas aggressive Grundstimmung“ an den Tag gelegt. Auch soll aus der Wohnung der Frau „immer ein abfälliges Lachen“ gekommen sein, dass der Mann auf sich bezog.

Opfer Christina F. habe zudem zu laut Musik gehört und sich eine Fußmatte mit der Aufschrift „Oh nein, nicht du schon wieder“ vor ihre Wohnung gelegt. Diese Aufschrift habe ihm gegolten, meinte der 59-Jährige. Schließlich habe sich Christina F. ohne Zustimmung der Hausverwaltung und der Nachbarn einen kleinen Hund geholt, der ständig laut gebellt habe.

Nachbarn riefen Polizei

Das Tier machte in der Tatnacht mit seinem Gebell in der Wohnung der Ermordeten auf das Geschehene aufmerksam. Nachbarn riefen schließlich die Polizei, während der Angeklagte direkt nebenan war. „Ich habe mich auf mein Gästebett in meinem Wohnzimmer gelegt und eine ruhige Nacht in meiner Wohnung verbracht“, sagte der 59-Jährige, wie für ihn die Mordnacht endete.

Zweimal soll sich der Mann am Abend des 22. Dezember mit seiner Nachbarin über die Weihnachtsbeleuchtung gestritten haben. Als nach der ersten Ausein­andersetzung zwischen 20 und 21 Uhr die Lichterkette immer noch brannte, folgte gegen 23.20 Uhr der zweite Streit mit tödlichem Ende.

Christina F. wurde nur 34 Jahre alt.

Christina F. wurde nur 34 Jahre alt. Foto: privat

„Ich habe sie in die Wohnung gedrängt, ich habe mich vergessen und sie gewürgt“, schilderte der Bielefelder den Mord. Der Angeklagte gestand, eine Jacke, ein Paar Schuhe, einen Ohrring und den Wohnungsschlüssel des Opfers mitgenommen zu haben. Diese Sachen stellten Polizisten bei der Festnahme am ersten Weihnachtstag beim Mann sicher.

Mutter und Bruder der Getöteten treten beim Prozess als Nebenkläger auf. „Sie fordern 15.000 Euro Schmerzensgeld“, sagte Opferanwalt Jan-Christian Hochmann. Dem Bruder (32) standen die Tränen in den Augen, als im Gerichtssaal Polizeifotos von seiner ermordeten Schwester mit zerschlagenem, blutverschmierten Gesicht gezeigt wurden.

Opferanwalt Hochmann und der Bruder der Toten.

Opferanwalt Hochmann und der Bruder der Toten.

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