Sozialamt sucht unter Hochdruck Ersatz für die 400 Kunden von Alt und Jung Süd-West
Angeschlagener Pflegedienst gibt auf

Bielefeld (WB). Der Versuch, den wirtschaftlich angeschlagenen Pflegedienst Alt und Jung Süd-West zu retten, ist gescheitert. 400 Kunden, die bis Ende Juni von den Mitarbeitern versorgt werden, müssen sich neu orientieren. „Das mischt die Pflegelandschaft gehörig auf, wenn so ein großer Träger wegbricht“, sagt Sozialdezernent Ingo Nürnberger.

Mittwoch, 17.06.2020, 14:12 Uhr aktualisiert: 17.06.2020, 15:00 Uhr
Sozialdezernent Ingo Nürnberger (Mitte), Oliver Klingelberg (BGW) und Gisela Krutwage (Sozialamt) arbeiten daran, Kunden des insolventen Pflegedienstes Alt und Jung Süd-West einen Wechsel zu anderen Trägern zu ermöglichen. Foto: Bernhard Pierel
Sozialdezernent Ingo Nürnberger (Mitte), Oliver Klingelberg (BGW) und Gisela Krutwage (Sozialamt) arbeiten daran, Kunden des insolventen Pflegedienstes Alt und Jung Süd-West einen Wechsel zu anderen Trägern zu ermöglichen. Foto: Bernhard Pierel

Seitdem der Insolvenzverwalter dem Sozialamt der Stadt im Mai mitgeteilt hat, dass im Zuge des Insolvenzverfahrens keine Aussicht besteht, den als Verein organisierten Pflegedienst fortzuführen, sind Nürnberger zufolge viele Gespräche mit anderen Trägern gelaufen, um die künftige Versorgung von 270 Pflegebedürftigen und 130 Menschen mit Behinderung zu sichern.

Der Dezernent machte klar: „Die Stadt kann nur koordinieren und vermitteln, weil sie selbst keinen Pflegedienst betreibt.“ Letztlich entscheiden die Kunden selbst, zu welchem anderen Anbieter sie wechseln möchten. Nürnberger ist sich aber sicher, dass allen ein Angebot gemacht werden kann.

Partner der BGW-Wohnungen bricht weg

Das betrifft unter anderem viele Mieter von BGW-Wohnungen des Bielefelder Modells: Die Wohnungsgesellschaft bietet seit 1996 Wohnungen an, zu denen Mieter nach Bedarf verschiedene Pflege- und Versorgungsleistungen buchen können. Partner war bisher Alt und Jung Süd-West, der quartiersnah aktiv war, dadurch kurze Wege zu den Kunden hatte und in den Quartieren Wohncafés als Anlaufstellen und Treffpunkte betrieben hat.

BGW-Sozialmanager Oliver Klingelberg ist zuversichtlich, dass auch durch neue Träger dieser Service aufrechterhalten werden kann. Für mehrere Quartiere der BGW seien neue Träger als Partner gefunden worden, die im Rahmen des Bielefelder Modells die Arbeit fortsetzen wollen: An Heinrich- und Bleichstraße der Pflegedienst Alt und Jung Nord-Ost, an der Carlmeyerstraße Alt und Jung Nord-Ost sowie die AWO, an der Vennhofallee die AWO, an der Dahlemer Straße Bethel sowie am Hägerweg Mofa Ambulante Pflege und Beratung.

Auf Veränderungen einstellen

Ingo Nürnberger ist überzeugt, dass es zum Wechsel am 1. Juli eine Versorgung geben wird, „sie wird aber vielleicht nicht überall perfekt sein“. Betroffene müssen sich darauf einstellen, dass sie es mit anderem Pflegepersonal zu tun bekommen. Die rund 250 Mitarbeiter von Alt und Jung Süd-West dürften wenig Probleme haben, neue Arbeitgeber zu finden, kämen durch den Wechsel aber nicht immer bei den Menschen zum Einsatz, die sie vorher schon gepflegt hätten.

Gisela Krutwage, Leiterin des Amtes für soziale Leistungen, sagt: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, denn für einige der 400 Kunden müssten noch Gespräche mit potenziellen Trägern geführt werden, die sich in den jeweiligen Quartieren als Pflegedienst anbieten möchten; so etwa in Windflöte und Windelsbleiche oder auch am Tegeler Weg.

Für den ein oder anderen Pflegebedürftigen könnte der Wechsel einen Umzug notwendig machen, weil neue Träger es sich nicht zutrauen, die Pflege in der bisherigen Wohnung fortzuführen. „Aber auch diese Entscheidung treffen die Betroffenen selbst“, sagt Ingo Nürnberger.

Betroffene Kunden sind per Brief über die Lage informiert worden. Fragen werden unter Telefon 0521/513499 beantwortet.

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