Reaktion auf Beißattacken – Vorfall mit Jagdhunden geht vor Gericht
Stadt verbietet Meutenjagd

Bielefeld (WB). Die Beißattacken von Jagdhunden bei einer Schleppjagd am 1. September vergangenen Jahres haben weitreichende Folgen. Wegen der Vorfälle im Bielefelder Süden, bei denen eine Frau (41) und zwei Hunde teilweise sehr schwer verletzt worden waren, hat die Stadt Bielefeld die Jagd mit Hundemeuten auf kommunalem Grund untersagt.

Freitag, 19.06.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 06:01 Uhr
Hundemeuten dürfen bei der Jagd in Bielefeld nicht mehr eingesetzt werden. Foto: dpa
Hundemeuten dürfen bei der Jagd in Bielefeld nicht mehr eingesetzt werden. Foto: dpa

Diese Entscheidung sei unbefristet, bestätigte Umweltamtsleiter Martin Wörmann. „Der Oberbürgermeister hat deutlich gemacht, dass er keinen Einsatz von Hundemeuten bei Jagdveranstaltungen möchte.“ Zwei Reit- und Fahrvereine, die ehemals in Bielefeld derartige Jagden mit Reitern und Hunden ausgerichtet hätten, seien informiert.

Zudem haben die Beißattacken vom Spätsommer 2019 ein strafrechtliches Nachspiel vor dem Amtsgericht. Gerichtssprecher Dr. Roland Pohl bestätigte auf Anfrage, dass die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Bielefelder (67) und eine Frau (25) aus Melle erhoben hat.

Sorgfaltspflicht verletzt?

Beim 67-Jährigen handele es sich um den Verantwortlichen der Schleppjagd. Er soll sich der fahrlässigen Körperverletzung an der Bielefelder Hundehalterin Simone F. (41) schuldig gemacht haben, die von einem unkontrolliert herum laufenden Jagdhund in die rechte Wade gebissen worden war. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben. „Ein Teil der Hunde war für die Schleppjagd nicht ausgebildet“, zitiert der Gerichtssprecher aus der Anklage.

Die 25-Jährige, eine sogenannte Meutenführerin, soll sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben. Nach der Beißattacke in Sennestadt soll die Reiterin die blutend neben ihrem lebensgefährlich verletzten Labrador „Joe“ (5) am Boden liegende Simone F. gefragt haben, ob alles in Ordnung sei, der Frau ihre Handynummer hinterlassen haben und einfach weggeritten sein.

Die aus dem Ruder gelaufene Schleppjagd hatte im Spätsommer 2019 in Bielefeld hohe Wellen geschlagen. So soll die Hundemeute bei der Schleppjagd teilweise nicht der gelegten Geruchsspur gefolgt sein, sondern zweimal Spaziergänger beim Gassigehen angegriffen haben. Neben Simone F. und ihrem Tier traf es ein Paar aus Oerlinghausen. Die beiden 25-Jährigen waren mit ihrem Schäferhundmix „Siro“ unterwegs, der zweimal gebissen wurde.

Labrador weiter in Behandlung

Keine Rolle beim am Amtsgericht anstehenden Strafprozess spielen die beiden gebissenen Hunde. Die Vierbeiner gelten rechtlich als Sache, sagte Moritz Kutkuhn, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Der Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung greife daher nicht.

Lars F., Ehemann der gebissenen Simone F. und Herrchen von „Joe“, zeigte sich erleichtert, dass die Beißattacke vor Gericht verhandelt wird. Während seine Frau mittlerweile wieder völlig genesen sei, befinde sich der seinerzeit lebensgefährlich verletzte Labrador weiter in Behandlung. „Weil er immer noch Probleme mit dem Hinterläufen und dem Rücken hat, muss er zur Physiotherapie“, sagte Lars F. Die Behandlung habe bislang knapp 4500 Euro gekostet.

„Die Schleppjagd hätte nach den Bissen sofort abgebrochen werden müssen, die Reiter hätten sich kümmern müssen“, kann Lars F. bis heute nicht verstehen, dass die Jäger und ihre Hundemeute damals einfach weitergezogen sind.

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