Nach fast sechs Jahrzehnten in der Bahnhofstraße steht Karstadt vor dem Aus
Bielefelds letztes Warenhaus muss schließen

Bielefeld (WB/MiS). Seit 1964 war Karstadt die wohl wichtigste Einkaufsadresse in der Bielefelder Bahnhofstraße. Jetzt kommt das Aus. Das Warenhaus ist eines von zwölf Häusern des Konzerns in NRW, die geschlossen werden sollen. Betroffen sind in Bielefeld bis zu 200 Beschäftigte.

Samstag, 20.06.2020, 07:04 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 07:10 Uhr
Das Bielefelder Karstadt-Haus ist bald Geschichte. Der Komplex wurde 1964 errichtet. Foto: Bernhard Pierel
Das Bielefelder Karstadt-Haus ist bald Geschichte. Der Komplex wurde 1964 errichtet. Foto: Bernhard Pierel

Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) sagte in einer ersten Stellungnahme, die Schließung sei ein schwerer Verlust für den Bielefelder Einzelhandelsstandort. Dies sei umso bedauerlicher, als sich das Haus an einer 1a-Lage befinde. Die Bahnhofstraße sei eine der deutschlandweit erfolgreichsten Einkaufsstraßen.

Er habe bereits Kontakt zum Betriebsrat und stehe für ein Gespräch zur Verfügung. Allerdings: „Die Einflussmöglichkeiten der Kommune sind beschränkt.“ Weil die Karstadt-Filialschließungen bundesweit Wellen schlügen, werde sich auch der Städtetag damit beschäftigen. Für den Standort an der Bahnhofstraße wünscht sich Clausen erneut eine Einzelhandelsnutzung.

Frage nach Übernahme

„Schockierend“ nannte auch Henner Zimmat, Vorsitzender der Altstadt-Kaufleute, die Nachricht von der Karstadt-Schließung. „Das wird eine Riesen-Lücke, vor allem in bester Lage.“ Damit fehle ein „Allrounder“, obwohl man fragen müsse, ob sich Multifunktionshäuser vielleicht überlebt hätten. „Es fragt sich, wer ein Objekt dieser Größe übernehmen will...“ Zumal, so Zimmat, es großen Renovierungsbedarf gebe.

Der bauliche Zustand der Karstadt-Immobilie könnte auch einer der Gründe sein, weshalb die Unternehmensführung das Haus nun nicht weiterführen will. Eigentümer der Immobilie ist die Aachener Grund, eine Fondsgesellschaft, an der mehrere katholische Bistümer beteiligt sind. Der aktuelle Mietvertrag soll noch bis 2024 laufen.

Einziges verbliebenes Warenhaus

Am Freitagnachmittag war das Warenhaus wegen einer einberufenen Mitarbeiterversammlung bereits geschlossen. Spekuliert worden war über die Zukunft des Bielefelder Karstadt-Hauses schon seit längerem. Nach der Schließung des Kaufhof, der dem Einkaufszentrum Loom weichen musste, war Karstadt das einzige verbliebene Warenhaus in Bielefeld.

Wenn Karstadt geschlossen werde, müsse dies nach Ansicht der Bielefelder FDP ein Weckruf für die kommunale Wirtschaftspolitik sein. Es sei eine bittere Ironie, dass am Donnerstag die Paprika-Koalition im Rat den Jahnplatzumbau gegen den erklärten Widerstand des Handels beschlossen habe und keine 24 Stunden später die Schließung des Traditionskaufhauses verkündet werde, so FDP-Chef Jan Maik Schlifter.

Kommentare

heiner  schrieb: 20.06.2020 14:17
alter Beißreflex
Scheint mir bei dem Politiker der FDP der alte Beißreflex zu sein. Gleich drei Parkhäuser in jeweils nur rund 100m Entfernung vom Karstadtgebäude konnten den Abstieg/ Untergang des Hauses (wie auch schon Kaufhof Galeria) nicht verhindern. Es liegt somit ganz offensichtlich nicht an der mangelnden Erreichbarkeit des Hauses!
Ursachen sind hohe Mieten, Modernisierungsrückstand, Personalkosten, falsche Geschäftsstrategien. Der Wettbewerb insbesondere durch den Online-Handel ist extrem stark und verdrängt somit die Kaufhäuser und lokalen Einzelhändler. Das müsste einem Wirtschaftsliberalen doch einleuchten und aus dem Herzen sprechen, oder?
1 Kommentare
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