Ordnungsamt sucht bisher 121 Adressen auf, dort wurden aber nur 94 Personen angetroffen
168 Tönnies-Beschäftigte wohnen in Bielefeld

Bielefeld (WB). In welchem Umfang die Stadt Bielefeld vom Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück betroffen ist, zeichnet sich immer deutlicher ab. Dem Gesundheitsamt liegt inzwischen eine Liste mit den Namen und Adressen von 168 Menschen vor , die direkt bei Tönnies beschäftigt sind oder für ein Subunternehmen im Tönnies-Werk arbeiten und in Bielefeld wohnen. Am Samstag waren zunächst 157 Adressen vermeldet worden.

Sonntag, 21.06.2020, 18:51 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 08:30 Uhr
Beim Fleischproduzenten Tönnies gehen die Reihentestungen weiter. Foto: dpa
Beim Fleischproduzenten Tönnies gehen die Reihentestungen weiter. Foto: dpa

Nach Abstimmung mit Krisenstabsleiter Dr. Udo Witthaus waren am Samstagnachmittag 18 Zweierteams aus Ordnungs- und Gesundheitsamt im Einsatz. Wie Stadtsprecher Daniel Steinmeier sagt, sollten sie die 168 Tönnies-Beschäftigten aufsuchen, um sie auf die weiteren Maßnahmen und Verhaltensweisen hinzuweisen.

Quarantäne wird überwacht

Bis Sonntagabend sind 121 Adressen aufgesucht, aber nur 94 Personen angetroffen worden – trotz der Quarantäneanordnung. Entsprechend der Allgemeinverfügung des Kreises Gütersloh müssen auch die in Bielefeld lebenden Tönnies-Mitarbeiter in Quarantäne, ebenso deren Haushaltsangehörige. Die Verwaltung will dazu am Montag eine Allgemeinverfügung für das Stadtgebiet veröffentlichen.

„Aber bereits ab Samstag wird die Einhaltung der Quarantäne überwacht“, sagt Steinmeier. Dabei stand die Polizei zur Amtshilfe bereit, auch um bei der Aushändigung von Quarantäneanordnungen zu unterstützen. Angefordert wurde sie von der städtischen Behörde aber nur in einem Fall am Sonntag, als Betroffene in Oldentrup aufgesucht wurden. „Da bestand wohl der Bedarf, dass die Polizei eingreift“, wie Polizeisprecherin Sonja Rehmert dem WESTFALEN-BLATT sagt. Die Situation habe im Gespräch mit den Bewohnern aber gelöst werden können.

Unklar bleibt weiter, wie groß die Zahl der von der Quarantäne tatsächlich Betroffenen ist. Denn die Teams des Ordnungsamtes sollen beim Besuch der Tönnies-Mitarbeiter auch erfragen, wie viele Angehörige im jeweiligen Haushalt leben. Außerdem wollen sie wissen, ob es gesundheitliche Beschwerden gibt, die Versorgung mit Lebensmitteln gesichert ist und Kita- oder Schulkinder im Haushalt leben. Bereits am Donnerstag hatte die Stadt alle Kinder von Tönnies-Mitarbeitern, die in Bielefeld eine Schule oder einen Kindergarten besuchen, bis auf weiteres nach Hause geschickt.

Keine Sammelunterkünfte

Klar scheint nach Erkenntnissen der Stadt zu sein, dass es keine besonders prekären Wohnsituationen von Mitarbeitern des Schlachtbetriebs in Bielefeld gibt. Daniel Steinmeier: „Größere Sammelunterkünfte gibt es hier nicht.“

Aktuell sind in Bielefeld 24 Menschen mit dem Coronavirus infiziert , neun davon mit einem Bezug zu Tönnies.

Die Situation bei Tönnies dürfte sich in den kommenden Tagen drastisch auf die Quarantäne-Statistik der Stadt Bielefeld auswirken: Dort sind aktuell 89 Quarantäne-Fälle erfasst. Die müssten dann wohl um die 168 Beschäftigten des Fleischkonzerns plus ihre Haushaltsangehörigen ergänzt werden.

 

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