Fahrspur zeigt zwei Stunden lang, was in Bielefeld möglich wäre
ADFC rollt den roten Radweg aus

Bielefeld (WB). Zumindest zwei Stunden lang stand Radfahrern auf der Elsa-Brändström-Straße in der Bielefelder Innenstadt am Samstag ein Fahrradweg zur Verfügung, der keine Wünsche der Radler offen lassen dürfte: Gut 2,5 Meter breit, leuchtend rot markiert, gewährte er den Fahrradfahrern auf 150 Metern Länge eine eigene, gleichberechtigte Spur.

Montag, 22.06.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 09:10 Uhr
Dieser Radweg ist im Zuge einer Kundgebung des ADFC nur zwei Stunden lang Teil der Elsa-Brändström-Straße. Die Radfahr-Aktivisten hätten dort gerne auf Dauer eine eigene Fahrradspur, um den Weg in die City attraktiver zu machen. Foto: Bernhard Pierel
Dieser Radweg ist im Zuge einer Kundgebung des ADFC nur zwei Stunden lang Teil der Elsa-Brändström-Straße. Die Radfahr-Aktivisten hätten dort gerne auf Dauer eine eigene Fahrradspur, um den Weg in die City attraktiver zu machen. Foto: Bernhard Pierel

„Wir wollen einmal zeigen, was möglich wäre“, sagte Kordula Gützlag vom Vorstand des ADFC Bielefeld. Die Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs hatte den provisorischen Radweg wie einen Teppich ausgerollt. Die rote Bahn war eine Leihgabe der Initiative Radentscheid, die damit bereits in der Vergangenheit Fahrradwege simuliert hat, wo noch keine Radwege sind.

Verkleidete Radfahrer sorgen für Aufmerksamkeit

Rund zehn Aktive des Fahrrad-Clubs und etliche Mitstreiter begleiteten die als Kundgebung angemeldete Aktion, für die die rechte der beiden Fahrspuren zwischen Alfred-Bozi- und Arndtstraße für den motorisierten Verkehr vorübergehend gesperrt und den Radlern zur Verfügung gestellt wurde. Runde um Runde drehten die Aktivisten über Elsa-Bränd­ström-Straße, Arndtstraße, Frieden- und Alfred-Bozi-Straße zurück auf die Elsa-Brändström-Straße, sorgten mit Klingeln und teilweise mit Verkleidungen für Aufmerksamkeit, so etwa Resul Benli als Engel und Stefan Ellebracht, der in mittelalterlicher Rüstung als Pedalritter unterwegs war.

Gleichwohl war die Aktion für den ADFC eine ernste Angelegenheit. Der Ort sei nicht zufällig ausgewählt worden, wie Hans-Ulrich Pohl vom Vorstand sagt. „Der Platz ist an dieser Stelle da.“ Natürlich sorge die am Samstag belebte Straße in der City für größere Aufmerksamkeit. Sie sei aber gerade als Strecke in die Innenstadt für Radfahrer wichtig, müsse besser ausgebaut sein, um mehr Menschen dazu zu bringen, mit dem Rad in die Innenstadt zu fahren statt mit dem Auto. Seine Mitstreiter Thorsten Böhm und Kordula Gützlag machen auch klar, warum der bestehende Radweg an dieser Straße nicht ausreicht: Er sei zu schmal, zu nah an den Bäumen, deren Wurzeln den Fahrbahnbelag bereits angehoben haben. Und er liegt unmittelbar an der Ausfahrt des Karstadt-Parkhauses. Radfahrer seien von einbiegenden Autos schwer zu sehen. „Das ist sehr unsicher“, sagt Böhm.

Anfragen beim Amt für Verkehr für längeren Zeitraum

Die Aktion mit dem temporären Radweg – auch „Popup-Bikelanes“ genannt, die plötzlich und für wenige Stunden auftauchen – soll demonstrieren, wie attraktiv ein ausreichend breiter Radweg für Zweiradfahrer sein könne, und dass er durchaus Platz habe neben dem motorisierten Verkehr. Dass für die Aktion nur zwei Stunden blieben, bedauern die Aktiven des ADFC ein bisschen, wenn sie auf andere Städte schauen. „In Berlin“, sagt Kordula Gützlag, „werden 22 Kilometer Radwege für drei Monate auf diese Weise ausprobiert.“ In Stuttgart sei es ähnlich.

Es gebe aber Anfragen beim Amt für Verkehr, so etwas auch in Bielefeld einmal für einen längeren Zeitraum zu machen. Und am Ende steht für den ADFC freilich die Hoffnung, dass aus dem jeweiligen Provisorium ein dauerhafter Radweg wird, wenn er sich bewährt.

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