Aktion der Bielefelder Kooperation „Die 73a“ hilft Insekten und soll zum Nachmachen ermuntern
Blumen blühen im Kistensommer

Bielefeld (WB). Wie Oasen in einer Steppe aus Asphalt und blütenarmen Grünflächen stehen jetzt blühende Kisten an vielen Stellen in Bielefeld. Sie sollen Insekten in den kommenden Monaten Nahrung geben, wo Nahrung knapp geworden ist.

Montag, 22.06.2020, 18:00 Uhr
Sie schaffen insektenfreundliche Blumeninseln am Altstädter Kirchplatz (von links): Pip Cozens (Art at Work), Kris Rentrop (Café Welcome), Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher, Falk Altheide (Fahrräder bewegen Bielefeld) und Annabelle Mayntz (Art at Work). Foto: Thomas F. Starke
Sie schaffen insektenfreundliche Blumeninseln am Altstädter Kirchplatz (von links): Pip Cozens (Art at Work), Kris Rentrop (Café Welcome), Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher, Falk Altheide (Fahrräder bewegen Bielefeld) und Annabelle Mayntz (Art at Work). Foto: Thomas F. Starke

Nach einer Probephase im vergangenen Jahr startet die Vereinskooperation „Die 73a“ aus der Schillerstraße 73a mit dem Projekt „Kistensommer“ jetzt durch. Unterstützer des Cafés Welcome bauen die Holzkisten aus recyceltem Holz, die Kreativen von „Art at Work“ übernehmen die Gestaltung und Bepflanzung, und die Initiative „Fahrräder bewegen Bielefeld“ (FBB) liefert die Kisten per Lastenfahrrad aus.

2019 hatten die Akteure aus der Schillerstraße die ersten Kisten gebaut und unter anderem das Umweltamt und die Verbraucherzentrale als Paten gewonnen, die die bepflanzten Kisten auf dem Gehsteig den Sommer über vor ihren Gebäuden platzierten.

„Inseln“ in der Stadt

Diese „Inseln“ mitten in der Stadt, sagt Annabelle Mayntz von Art at Work, sollen Fluginsekten bis in den Oktober hinein Nahrung geben. Das ausgezeichnete Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt versteht sich denn auch als Maßnahme gegen das Insektensterben. Weil viele Zierpflanzen in Parks, Gärten und auf Balkonen zwar hübsch aussehen, aufgrund ihrer Züchtung oder Herkunft heimischen Insekten aber keine Pollen oder keinen Nektar bieten, sollen die Kästen einen Ausgleich schaffen. Bienenweide, Klatschmohn, Sonnenblumen, Dill und Kapuzinerkresse etwa haben die Akteure gepflanzt.

Paten übernehmen die Kästen für eine Saison und zahlen dafür 30 Euro, die in das Projekt fließen. 20 Kästen stehen in diesem Jahr zur Verfügung, sagt Annabelle Mayntz. Und weil in diesem Jahr auch die Nicolaikirchengemeinde als Pate das Projekt unterstützt, stehen seit Freitag zwei der Kisten auch auf dem Altstädter Kirchplatz, unweit des Leinweber-Brunnens am Gedenkstein zur Bielefeld-Verschwörung .

Zerbrechliche Schöpfung

Für Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher hat die Initiative Symbol-Charakter: „Die Corona-Krise hat auf allen Ebenen das bisher Gewohnte auf den Kopf gestellt. Menschen werden sich anlässlich der kollektiven gesundheitlichen Bedrohung der Zerbrechlichkeit der Schöpfung und auch der Verantwortung für den Erhalt der Lebensgrundlagen bewusst.“

Für die Initiatoren der „Kooperation 73a“ soll der „Kistensommer“ vor allem auch ein Beispiel für andere sein, im eigenen Garten bei der Bepflanzung auf Insektenfreundlichkeit zu setzen, weil nicht zuletzt auch Kulturpflanzen für die Lebensmittelerzeugung von immenser Bedeutung sind.

In diesem Jahr stehen Kisten unter anderem wieder am Umweltamt, das die Aktion ebenfalls unterstützt, vor dem Rathaus, der Stadtbibliothek, vor verschiedenen Geschäften und vor Privathäusern. Einige Kisten sind noch verfügbar. Sie sollten, sagt Annabelle Mayntz, nicht im Garten, sondern im öffentlichen Raum, etwa auf Bürgersteigen, stehen. Wer eine Saison lang Pate werden möchte, kann unter info@art-at-work.org Kontakt aufnehmen.

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