14 von 161 Beschäftigten wurden in Bielefeld nicht angetroffen – 348 Betroffene in Quarantäne
Tönnies-Mitarbeiter haben „Koffer gepackt“

Bielefeld (WB). Seit Samstag versuchen Ordnungs- und Gesundheitsamt intensiv, sich einen Überblick über die Auswirkungen des Corona-Ausbruchs beim Fleischkonzern Tönnies auf die Stadt Bielefeld zu verschaffen. Das ist bislang noch nicht abschließend gelungen, wie Krisenstabsleiter Udo Witthaus deutlich machte. Zudem teilte er mit, dass sich ein Schüler der Marienschule mit dem Virus infiziert hat.

Montag, 22.06.2020, 17:54 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 09:24 Uhr
Christiane Krumbholz und Dr. Udo Witthaus vom Krisenstab berichten übers Corona-Geschehen in Bielefeld. Foto: Bernhard Pierel
Christiane Krumbholz und Dr. Udo Witthaus vom Krisenstab berichten übers Corona-Geschehen in Bielefeld. Foto: Bernhard Pierel

Der Schüler, der nicht in Bielefeld wohnt, hat nach bisherigen Erkenntnisse keinen Bezug zum Geschehen bei Tönnies. Er und die drei Lerngruppen, mit denen er Kontakt hatte, haben sich in Quarantäne begeben. Davon sind rund 40 bis 50 Schüler und Lehrer betroffen. Sie werden Witthaus zufolge auf das Virus getestet.

Übers Wochenende hat sich unterdessen auch die Bielefelder Betroffenheit im Zuge des Corona-Ausbruchs bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück weiter geklärt . Über die Bezirksregierung habe die Stadt Listen mit Mitarbeitern von Tönnies und den Subunternehmen, die im Betrieb arbeiten und in Bielefeld wohnen, erhalten. Nachdem Freitag von 157 Beschäftigten, Sonntag von 168 die Rede war, waren es zuletzt 161 Mitarbeiter, die in Bielefeld wohnen. „Allerdings ist uns eine weitere Liste mit 39 Namen angekündigt worden, sagt Christiane Krumbholz, stellvertretende Ordnungsamtsleiterin.

An 147 Anschriften haben die Teams des Ordnungs- und Gesundheitsamtes bis Montag Menschen angetroffen. An 14 Wohnungen machte auch nach erneutem Besuch niemand die Tür auf. Laut Nachbarn seien die „mit Koffern weggefahren“ oder „im Urlaub“, sagt Krumbholz. Ob sie dadurch gegen Quarantäneauflagen verstoßen, sei nicht ganz klar, erklärt Witthaus. Das hänge vom Einzelfall ab. „Das müssen wir noch aufklären.“ Allen anderen wurden Quarantäneverfügungen ausgehändigt. „Viele warteten schon auf uns, die meisten waren einsichtig“, sagt Krumbholz. Nur einer habe zunächst behauptet, er arbeite gar nicht bei Tönnies.

Weil die Einsatzteams die gesamten Hausgemeinschaften – also auch Kinder, Partner und andere Mitbewohner – erfassen sollten, ist nun klar: 348 Personen aus dem Tönnies-Geschehen sind jetzt in Bielefeld in Quarantäne, dazu könnten noch die 14 bislang nicht erreichten Mitarbeiter sowie die 39 der neuesten Liste mit ihren Mitbewohnern kommen. Elf Kinder aus den Haushalten besuchen Schulen oder Kitas in Bielefeld. Nach bisherigen Erkenntnissen hat sich kein Elternteil dieser Kinder infiziert. Bei den Besuchen wurde dem Ordnungsamt auch klar: „Es gibt keine größeren Sammelunterkünfte, nur eine mit sechs oder sieben Bewohnern, ansonsten wohnten die Betroffenen alleine, maximal zu dritt in einer Wohnung“, so Krumbholz. Die Versorgung erfolge über die Corona-Hilfe, Bekannte oder Tönnies.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7462954?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker