Mit der „Night of Light“ macht die Veranstaltungswirtschaft auf ihre Situation aufmerksam
Notsignal einer Branche

Bielefeld (WB). Ein Hauch von Silvester weht durch die Luft. Allerdings nicht um Mitternacht, sondern genau fünf Minuten vorher zählen die Schaulustigen vor dem Bielefelder Rathaus von zehn hinunter. Am Ende des Countdowns leuchten dann die Fassaden von Rathaus und Stadttheater in roter Farbe als Mahnmal.

Dienstag, 23.06.2020, 10:38 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 14:18 Uhr
Mit der „Night of Light“ machten viele Veranstalter und Spielstätten wie das Stadttheater durch rote Illuminationen auf ihre Notlage aufmerksam. Foto: Kerstin Panhorst
Mit der „Night of Light“ machten viele Veranstalter und Spielstätten wie das Stadttheater durch rote Illuminationen auf ihre Notlage aufmerksam.

„Night of Light“ in Bielefeld

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In der Nacht von Montag auf Dienstag wurden in Bielefeld auch die Stadt- und Oetkerhalle, der Lokschuppen, das Forum und der Siggi sowie viele weitere Kulturstätten und Clubs rot illuminiert. Durch diese Signale soll auf die wirtschaftlichen Probleme einer ganzen Branche aufmerksam gemacht werden.

Die bundesweite „Night of Light“ ist ein flammender Appell und Hilferuf an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft, in ganz Deutschland wurden mehr als 5.220 Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke in über 250 Städten angestrahlt.

Durch die Corona-Pandemie ist dieser komplette Wirtschaftszweig bereits seit Mitte März so gut wie stillgelegt, viele Veranstalter stehen vor dem finanziellen Ruin, es ist fünf vor Zwölf.

Zahlreiche Absagen und Verlegungen

Jegliche Arten von Großveranstaltungen sind momentan aufgrund der COVID-19 Krise untersagt. Es finden kaum Events, Tagungen, Kongresse, Konzerte, Festivals oder Theateraufführungen statt, nur unter umfangreichen, behördlichen Auflagen dürfen inzwischen wieder Veranstaltungen im kleinen Rahmen durchgeführt werden. „Jeder guckt, das er über die Runden kommt. Aber Veranstaltungen mit Personenlimits rechnen sich für die meisten nicht“, sagt Sascha Berg. Der Geschäftsführer der fast4ward GmbH und Betreiber des Bielefelder Lokschuppens musste in den vergangenen Monaten wie seine Branchenkollegen auch eine große Zahl von Konzerten, Tagungen und Shows verlegen oder absagen: „Wir sind in einer Branche, die von guter Planung lebt. Momentan können wir nicht planen und das ist schwierig.“

„Gerade hier in der Region kommt es durch die Infektionen im Zusammenhang mit Tönnies wieder zum Stillstand.“

Sascha Berg

Der Ausfall hat viele Unternehmen in der Veranstaltungsbranche massiv getroffen, vom Messebau über Eventtechnik- und Personaldienstleistungen bis zum Catering. Geschätzt 3 Millionen Beschäftigte sind davon betroffen. Trotz staatlicher Kredit- und Förderprogramme fürchten viele Unternehmen weiter um ihre Existenzgrundlage.

„Wir brauchen Planungssicherheit, wir brauchen klare Regeln, die schnell umgesetzt werden. Bundesweit kann es vielleicht bald wieder weitergehen, aber gerade hier in der Region kommt es derzeit durch die Infektionen im Zusammenhang mit Tönnies bestimmt wieder zum Stillstand“, erzählt Sascha Berg.

Bis zum 31. Oktober ist das Verbot von Großveranstaltungen bereits verlängert worden, was danach kommt und wie es weitergeht ist ungewiss. Mit der Night of Light soll die Öffentlichkeit auf die besonders hart getroffene Branche der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam gemacht und verdeutlicht werden, dass die derzeitigen Hilfeleistungen in Form von Kreditprogrammen nicht ausreichen um auch weiterhin kulturelle Vielfalt gewährleisten zu können.

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