Geschäftsklima-Index der ostwestfälischen Industrie eingebrochen
Krise der Realwirtschaft

Bielefeld (WB). Immer wieder ziehen Präsident Wolf Meier-Scheuven und die Geschäftsführer der IHK eine Parallele zur Finanzkrise. Damals habe es einen tiefen Einbruch in der ostwestfälischen Wirtschaft gegeben. Doch jetzt sackte der sogenannte Geschäftsklimaindex bei der Sonderumfrage in Ostwestfalen noch tiefer. Und vor allem: „2009 haben wir befürchtet, dass die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreift; jetzt ist es das produzierende Gewerbe, das infolge der Corona-Krise auf ein historisches Tief abgesackt ist“, erklärte Meier-Scheuven am Dienstag in Bielefeld bei der Vorstellung der Umfrage.

Mittwoch, 24.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 05:02 Uhr
Der Geschäftsklima-Index ist nach der jüngsten Umfrage in allen Bereichen der ostwestfälischen Wirtschaft auf Talfahrt, am stärksten im verarbeitenden Gewerbe. Grafik: IHK

Konkrete Zahlen, was den Konjunkturverlauf betrifft, liegen der IHK Ostwestfalen nur für die Monate Januar bis April vor. Bis dahin – der Lockdown wegen der Pandemie erfolgte erst Mitte März – erreichten die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe noch 14,3 Milliarden Euro, nur 2,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, erklärte Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. Doch schon wenn man den Monat April allein betrachtet, steigt der Rückgang in der Industrie auf 15,5 Prozent. Auf Bundesebene und in NRW seien die Rückgänge sogar noch größer, erklärte Niehoff.

Überbringer der schlechten Botschaft (von links): IHK-Geschäftsführer Christoph von der Heiden, IHK-Präsident Wolf Meier-Scheuven, IHK-Geschäftsführer Harald Grefe und Thomas Niehoff, Hauptgeschäf

Überbringer der schlechten Botschaft (von links): IHK-Geschäftsführer Christoph von der Heiden, IHK-Präsident Wolf Meier-Scheuven, IHK-Geschäftsführer Harald Grefe und Thomas Niehoff, Hauptgeschäf Foto: Bernhard Pierel

Der einzige Kreis, der in den ersten vier Monaten sogar ein leichtes Plus von 0,7 Prozent erwirtschaftete, war Gütersloh. „Das wird sich nach dem jüngsten Lockdown leider ändern“, befürchtet Niehoff, der zudem negative Einflüsse auf die in Ostwestfalen starke Ernährungsindustrie erwartet. Sie behauptete sich bis heute bis heute besser als vor allem der Maschinenbau und die Hersteller von Investitionsgütern.

Sorgen um den Kreis Gütersloh

Stark nach unten geht auch die Kurve bei den Exporterwartungen. Sieben von zehn Industriebetrieben in der Region befürchteten eine weitere Verschlechterung, sagte Meier-Scheuven.

„Wie immer in einer konjunkturellen Krise“, so Niehoff, gehe auch die Zahl der Ausbildungsverträge zurück. Derzeit liege die Zahl die Zahl der bei der IHK registrierten Neuverträge um 20 Prozent unter Vorjahresniveau. Das liege nicht nur an den Betrieben, sondern auch an den Jugendlichen, die sich im Zweifel über die weitere Entwicklung öfter für ein Studium statt der dualen Ausbildung entschieden. Niehoff begrüßte Pläne der Politik, die Übernahme von Azubis, deren Arbeitgeber wegen Corona insolvent gehe, durch eine andere Firma zu bezuschussen.

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