Grund sind zahlreiche Besucher, die aus dem Kreis Gütersloh ins Bielefelder Freizeitbad kommen
Corona: Bäderbetrieb verschiebt Eröffnung des Ishara

Bielefeld (WB). Die Stadt sieht weiterhin keinen Grund, den Besuch von Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Bielefeld besonders zu regeln – trotz des Pandemie-Geschehens im Zusammenhang mit dem Fleischkonzern Tönnies und des Lockdowns in den beiden Landkreisen. Anders als etwa im Kreis Osnabrück gibt es somit keine Verordnungen, die sie von öffentlichen Einrichtungen ausschließen – trotz der Nähe und vielfältigen Bezüge zum Kreis Gütersloh.

Freitag, 26.06.2020, 07:25 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 09:06 Uhr
Das Ishara sollte am 1. Juli öffnen. Mit Blick auf die unklare Lage im Kreis Gütersloh wird die Eröffnung nun verschoben. Foto: Bernhard Pierel
Das Ishara sollte am 1. Juli öffnen. Mit Blick auf die unklare Lage im Kreis Gütersloh wird die Eröffnung nun verschoben. Foto: Bernhard Pierel

Während der Krisenstab einem „Generalverdacht“ gegenüber den Nachbarn ausdrücklich entgegentritt, sehen andere Institutionen gleichwohl Handlungsbedarf. So sollten Besucher aus dem Kreis Gütersloh zunächst für die Teilnahme an einem Open-Air-Gottesdienst in der Waldkirche an der Waterboer ein Attest über einen negativen Coronatest vorlegen. Das hatte der Evangelische Kirchenkreis Bielefeld am Mittwoch entschieden.

Diese Entscheidung wurde am Donnerstag zurückgenommen, nachdem neueste Zahlen der Corona-Testergebnisse aus dem Nachbarkreis bestätigten, dass sich das Virus nahezu ausnahmslos unter Mitarbeitern des Schlachtbetriebes Tönnies ausgebreitet hat und andere Bevölkerungsteile kaum betroffen sind. Der Kirchenkreis hat zudem den Mitarbeitern, die im Kreis Gütersloh wohnen, empfohlen, im Homeoffice zu arbeiten, soweit das möglich ist.

Kein Freilufttraining

Bereits am Mittwoch hatte der Stadtsportbund den Bielefelder Vereinen empfohlen, an ihre Sportler aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf zu appellieren, auf die Teilnahme am Sportbetrieb zu verzichten. Als einer der ersten Vereine hat der SV Brackwede reagiert. Die Judoka aus dem Kreis Gütersloh dürfen bis zum Monatsende nicht an dem Freilufttraining am Samstag teilnehmen.

Konsequenzen zieht auch die Bielefelder Stadtwerke-Gruppe. Soweit möglich, sollen auch dort Mitarbeiter aus den betroffenen Kreisen – immerhin 251 aus beiden Kreisgebieten – im Homeoffice arbeiten. Unter anderem bei Bus- und Bahnfahrern gehe das schlecht; ihnen würden Corona-Tests auf Unternehmenskosten angeboten, sagt Stadtwerke-Sprecherin Yvonne Liebold.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen infolge des Corona-Ausbruchs im Kreis Gütersloh unternimmt der Bäderbetrieb der Stadtwerke: Die Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH (BBF) verschiebt die Öffnung des Freizeitbades Ishara, da sie die Corona-Entwicklung im Kreis Gütersloh abwarten möchte. Ursprünglich sollten das Familienbad und die Saunawelt am 1. Juli öffnen. Die Mitarbeiter wechseln teilweise ins Freibad Jöllenbeck, das dann jeden Tag geöffnet werden kann statt, wie ursprünglich geplant, nur an Wochenenden.

Mitarbeiter im Homeoffice

Die Besucher des Isha­ra kämen aus der gesamten Region – auch aus dem Kreis Gütersloh. Hans-Werner-Bruns, Geschäftsführer der BBF: „Wir möchten auf Nummer Sicher gehen und abwarten, ob sich das Virus weiter ausbreitet. Nach zwei bis drei Wochen bewerten wir die Situation neu.“ Einfach nur die Gütersloher aus dem Badebetrieb auszusperren, so war zu hören, gehe nicht, weil BBF-Bäder öffentliche Einrichtungen seien. Dafür bräuchte es eine staatliche Verordnung.

Nur schwer könnte man etwa bei Oetker auf die Mitarbeiter aus dem Kreis Gütersloh verzichten. Wo es möglich ist, wird zwar von zu Hause gearbeitet. „Ansonsten arbeiten wir in versetzten Teams, die sich nicht begegnen, sagt Dr. Jörg Schillinger, Sprecher der Dr.-Oetker-Gruppe. Wo das nicht geht, gebe es Abtrennungen und gelte die Abstandsregel. „Und natürlich haben wir Schutzschilde und Mund-Nasen-Schutz. Aber wenn wir die Mitarbeiter aus dem Kreis Gütersloh zu Hause ließen, könnten wir den Betrieb einstellen.“

Als systemrelevanter Lebensmittelversorger liegt Oetker alles daran, die Produktion stabil zu halten. „Wir kontrollieren, mahnen, erinnern immer wieder im Intranet und in Mitarbeiter-Apps“, betont Schillinger. „Die Maßnahmen sind unbequem, haben uns aber gut durch die Krise geführt. Und natürlich wollen auch die Mitarbeiter gesund bleiben.“

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