Bis dahin senkt Straßen NRW die Höchstgeschwindigkeit auf Bielefelds Stadtautobahn auf Tempo 80
Neuer Asphalt soll Lärm auf dem OWD mindern

Bielefeld (WB). Eine verminderte Geschwindigkeit ist aus Sicht des Landes weiterhin keine Lösung, um das Lärmproblem am Ostwestfalendamm in den Griff zu bekommen. Der Landesbetrieb Straßen NRW setzt statt dessen auf Flüsterasphalt.

Dienstag, 30.06.2020, 07:00 Uhr
Tempo 80 soll auf dem OWD nun auch bis zur Abfahrt Quelle gelten – zumindest bis neuer Asphalt eingebaut wird. Foto: Thomas F. Starke
Tempo 80 soll auf dem OWD nun auch bis zur Abfahrt Quelle gelten – zumindest bis neuer Asphalt eingebaut wird. Foto: Thomas F. Starke

Gleichwohl will Straßen NRW in Kürze auf seinem Teilstück des OWD Tempo-100- durch Tempo-80-Schilder ersetzen – allerdings nur vorübergehend und nur auf einem kleinen Abschnitt. Zwischen der Brücke Haller Weg und der Abfahrt Quelle soll die Geschwindigkeit auf 800 Metern in beiden Richtungen „zeitnah“ abgesenkt werden, bis die Fahrbahndecke in diesem Bereich im kommenden Jahr erneuert wird. Dann wird lärmmindernder Asphalt eingebaut. Danach, sagt Sven Johanning, Sprecher von Straßen NRW, ist vorgesehen, das Tempo tagsüber wieder auf 100 zurückzusetzen (nachts gilt schon jetzt Tempo 80).

Der Landesbetrieb reagiert damit auf ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Minden, in dem Anlieger einen unzureichenden Lärmschutz beklagt hatten . Das Gericht stellte unter anderem fest, dass für die Berechnung des Lärms nicht erst Laster ab 3,5 Tonnen, sondern auch Sprinter ab 2,8 Tonnen als Lkw gewertet werden müssen. Damit wären mehr Lastwagen – Hauptverursacher des Lärms – auf dem OWD unterwegs, als bislang angenommen.

Den Lärm neu berechnet

Weil Stadt und Landesbetrieb die Lärmwerte neu berechnen mussten, hätten sie auch erörtert, welche Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden könnten, um den Lärm dort zu mindern, wo Richtwerte jetzt überschritten würden. „Wir sind die Berechnungen noch einmal durchgegangen, und Straßen NRW hat die Notwendigkeit erkannt, etwas gegen den Lärm unternehmen zu müssen“, sagt Olaf Lewald, Leiter des städtischen Amtes für Verkehr.

Bislang hat sich der Landesbetrieb den Maßnahmen widersetzt. Im Herbst 2019 hatte die Stadt auf ihrem Teil des OWD zwischen Johannistal und Tunnel aus Lärmschutzgründen bereits die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auch tagsüber auf 80 Stundenkilometer gedrosselt und das auch für den Abschnitt in Baulast des Landes zwischen Johannistal und A33 angeordnet. Straßen NRW sah diese Maßnahme als unverhältnismäßig an und setzte die Festsetzung nicht um. Und wird sie wohl auch in Zukunft nicht umsetzen: „Wir gehen davon aus, dass der neue Asphalt ausreicht, um dem Lärmschutz Rechnung zu tragen“, sagt Sven Johanning dem WESTFALEN-BLATT.

Selbst die auf städtischem Gebiet eingeführte Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern reichte Anliegern indes nicht aus; sie klagten vor dem Verwaltungsgericht auf ausreichenden Lärmschutz. Das Urteil im April gab den Anwohnern Recht, ließ aber offen, ob Tempo 80 genüge oder der Verkehr auf der Stadtautobahn noch langsamer werden müsse. Das Gericht stellte lediglich fest, dass die Stadt unzureichend begründet hatte, warum sie auf weiterreichende Lärmschutzmaßnahmen verzichtet hat.

Stadt hält Tempo 80 für angemessen

Die Stadt muss nach dem Urteil nun neu entscheiden, ob sie weitere Lärmschutzmaßnahmen am OWD vornimmt, möglicherweise das Tempo weiter absenkt. Eine Entscheidung dazu gibt es noch nicht, wie Olaf Lewald sagt. „Das ist noch in der Bearbeitung“, wohl noch bis nach den Sommerferien. Auch nach der Neuberechnung des Verkehrslärms ist Olaf Lewald aber überzeugt, „dass Tempo 80 angemessen ist“.

Die drei Kläger hatten, stellvertretend für eine ganze Bürgerinitiative, keine konkreten Maßnahmen zum Lärmschutz eingefordert, sondern insgesamt eine Verbesserung der Lärmsituation verlangt. Dazu könnte eine Geschwindigkeitsabsenkung gehören, aber auch Maßnahmen wie eine Tempoüberwachung oder der Einbau von Flüsterasphalt.

Auf dem Abschnitt in Zuständigkeit von Straßen NRW zwischen Brücke und Abfahrt Quelle soll der Flüsterasphalt 2021 kommen. Der werde, sagt Johanning, dann die Grenzwerte zum Lärmschutz sowohl für die Tages- als auch für Nachtzeiten einhalten – und das auch bei Berücksichtigung der Kleintransporter ab 2,8 Tonnen. Die Fahrbahnen sollen dann nacheinander erneuert werden, um eine Sperrung des OWD zu verhindern. Denn die Stadtautobahn ist dann wichtige Ausweichroute, wenn gleichzeitig der Jahnplatz umgebaut wird.

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