Schizophrener Bielefelder (59) tötet 34-Jährige wegen blinkender Weihnachtsbeleuchtung
Frau erwürgt: Täter muss in Psychiatrie

Bielefeld (WB/hz). Der 59-jährige Bielefelder, der am 4. Advent vergangenen Jahres seine Nachbarin (34) wegen ihrer blinkenden Weihnachtsbeleuchtung erwürgt hat, ist vom Schwurgericht in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.

Dienstag, 30.06.2020, 18:35 Uhr aktualisiert: 30.06.2020, 18:38 Uhr
Der Angeklagte wurde noch am Montag aus der U-Haft in die Psychiatrie gebracht. Links sein Verteidiger Torsten Giesecke. Foto: Bernhard Pierel
Der Angeklagte wurde noch am Montag aus der U-Haft in die Psychiatrie gebracht. Links sein Verteidiger Torsten Giesecke.

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung am Montagvormittag im Landgericht wurde der Mann aus der Untersuchungshaft im Bielefelder Gefängnis zum Maßregelvollzug ins LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt verlegt. Der Angeklagte hatte gleich am ersten Prozesstag Mitte Juni die Tat gestanden.

Opfer Christina F.

Opfer Christina F. Foto: privat

„Eine Unterbringung ist unbeschränkt“, sagte Vorsitzender Richter Christoph Meiring, dass der Bielefelder gegebenenfalls sein ganzes restliches Leben in einer geschlossenen Fachklinik verbringen könnte. „ Das Schlimme beim Angeklagten ist seine fehlende Krankheitseinsicht “, fügte der Richter hinzu. Die Gesellschaft müsse vor dem Mann geschützt werden, „weil gleiche Taten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind“.

Als „tragischer Vorfall, der uns alle betroffen gemacht hat“ kommentierte Meiring für das Schwurgericht die Tat vom 22. Dezember in einem großen Mehrfamilienhaus an der Bremer Straße. „Als Außenstehender ist man wegen der Sinnlosigkeit der Tat und wegen des banalen Auslösers sprachlos“, sagte der Vorsitzende Richter. Er drückte den Angehörigen der Getöteten sein „herzliches Beileid“ aus. „Ihr Verlust und der ihrer Mutter ist unwiderruflich“, sagte Meiring zum Bruder des Opfers, der beim Prozess als Nebenkläger auftrat.

In wenigen Sätzen skizzierte der Jurist nochmals den Werdegang des Angeklagten. Der heute 59-Jährige, ein ehemaliger Medizinstudent und Bhagwan-Jünger, erkrankte vor etwa 35 Jahren an paranoider Schizophrenie. Im Jahr 2018 beendete der Bielefelder eigenmächtig seine Therapiesitzungen, setzte seine Psychopharmaka ab und zog sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück.

Der 59-Jährige fokussierte sich in seinem Wahn immer mehr auf die direkte Nachbarin, das spätere Opfer. Der kleine Hund der 34-Jährigen bellte nach Meinung des Angeklagten zu laut, zudem war nach seiner Ansicht Tierhaltung im Mietshaus verboten. Das angeblich höhnische Gelächter, dass aus der Wohnung der Frau gedrungen sein soll, sowie den Spruch „Oh nein, nicht Du schon wieder“ auf ihrer Fußmatte im Hausflur bezog der psychisch Kranke auf sich. Als dann zur Weihnachtszeit 2019 eine neue Lichterkette aus der Wohnung der Frau in sein direkt angrenzendes Erkerfenster leuchtete, verlor der Bielefelder jede Kontrolle über sich. Am späten Abend des 4. Advent drang er in die Wohnung der Nachbarin ein, schlug ihr unter anderem brutal ins Gesicht und erwürgte die zierliche Frau in ihrem Wohnzimmer.

Zwei Gutachter hatten den Angeklagten wegen seiner psychischen Erkrankung als schuldunfähig angesehen und ihn als steuerungsunfähig eingestuft. Das Gericht schloss sich dem an. „Wegen der Tat, die sie begangen haben, sind sie nicht zur Verantwortung zu ziehen“, sagte der Vorsitzende Richter zum Bielefelder.

Die Anträge der Mutter und des Bruders der erwürgten 34-Jährigen auf insgesamt 15.000 Euro Hinterbliebenengeld musste das Gericht als „rechtlich unbegründet“ ablehnen. Ein als schuldunfähig eingestufter Angeklagter kann nicht zur Kasse gebeten werden.

 

 

 

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