Anklage gegen zwei Erzieherinnen einer Bielefelder Einrichtung
Kinder in Kita misshandelt?

Bielefeld (WB). Zwei Erzieherinnen (47/50) einer Bielefelder Kita des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind nach Informationen dieser Zeitung von der Staatsanwaltschaft wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt worden. Die 50-Jährige, eine Gruppenleiterin, soll ein zweieinhalb Jahre altes Kleinkind alleine in einen dunklen Flur gesetzt haben. Die 47-jährige, Leiterin der Zwei-Gruppen-Kita mit 30 Kindern, soll das gedeckt haben.

Mittwoch, 01.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 06:44 Uhr
In dieser DRK-Kita im Bielefelder Stadtteil Heepen soll es zu den Misshandlungen an Kindern gekommen sein. Foto: Bernhard Pierel
In dieser DRK-Kita im Bielefelder Stadtteil Heepen soll es zu den Misshandlungen an Kindern gekommen sein. Foto: Bernhard Pierel

Jenny Randow (29), Mutter eines ehemaligen Kita-Kindes, und Michelle Heibrock (18), Ex-Praktikantin der DRK-Kita in den Jahren 2018/2019, erheben weitere Vorwürfe gegen die Gruppenleiterin. Es seien elf Kleinkinder im Alter von knapp einem bis zu drei Jahren misshandelt worden, heißt es von den beiden Zeuginnen. Die Kleinen seien vom Spielen ausgesperrt, geschubst, weinend liegen gelassen, gezerrt, mit nasser Kleidung schlafen geschickt und nicht gewickelt worden.

Musste Zweijähriger auf dem Flur schlafen?

Ein Zweijähriger sei ständig auf den Flur geschickt worden, wo der Junge unter anderem auch habe schlafen müssen, sagt Michelle Heibrock. Teilweise sei dem Kleinen das Essen verweigert worden. „Die Kinder wurden grob behandelt“, fasst die 18-Jährige ihre Erfahrungen aus dem Jahrespraktikum zusammen. Die Kita-Leiterin habe diese Misshandlungen ihrer Kollegin gedeckt.

Eine Zeugin, die das bestätigen könnte, will aus Angst vor dem Deutschen Roten Kreuz zu den Vorwürfen gegen die Gruppenleiterin und die Kita-Leiterin nichts mehr sagen. Unter ehemaligen Mitarbeiterinnen der Kita heißt es, dass „die Zustände unhaltbar waren“. Erzieherinnen, die aufbegehrt hätten, sei „das Wort im Mund umgedreht“ worden.

DRK-Kreisverband Bielefeld bezieht zu den Vorwürfen keine Stellung

Der DRK-Kreisverband Bielefeld, Träger der Kita im Stadtteil Heepen, bezieht zu den Vorwürfen keine Stellung und sagt auch nicht, ob die beiden angeklagten Erzieherinnen noch für das DRK arbeiten. „Stellungnahmen außerhalb der laufenden Verfahren sind der Aufklärung nicht förderlich“, erklärte DRK-Sprecherin Christina-Carolin Rempe.

Eine weitere Erzieherin (55), die beim DRK auf die mutmaßlichen Misshandlungen aufmerksam gemacht haben will, ist nach 13 Jahren fristlos entlassen worden. Die Frau erhielt zwischen Oktober 2019 und Mai dieses Jahres fünf Kündigungen von ihrem Arbeitgeber. Am Dienstag endete ihre Anstellung beim DRK.

Vor dem Arbeitsgericht Bielefeld einigte sich die 55-Jährige auf die Auflösung ihres Arbeitsvertrages zum 30. Juni, 19.000 Euro Abfindung und ein wohlwollendes Arbeitszeugnis. Zudem stimmte die Frau einer „Maulkorbklausel“ zu, wonach sie gegenüber Medien und in sozialen Netzwerken ihre Vorwürfe gegen das Rote Kreuz nicht mehr wiederholen darf.

Parallel zum abgeschlossenen Arbeitsgerichtsverfahren läuft ein Strafantrag der Erzieherin gegen drei DRK-Verantwortliche. Sie hat einen ehemaligen sowie den jetzigen Vorstand und eine leitende Mitarbeiterin für die DRK-Kitas wegen Verleumdung und übler Nachrede angezeigt.

Auf die mutmaßlichen Misshandlungen in der Kita hat auch Jenny Randow (29) aufmerksam gemacht. Nachdem sie den damaligen Vorstand informiert habe, sei ihrer Tochter der Kita-Platz gekündigt worden, sagt die Mutter aus Bielefeld. Ihr sei eine Frist von gut vier Wochen gesetzt worden. Zudem habe sie Hausverbot erhalten und sollte eine „Maulkorbklausel“ unterschreiben.

Gericht macht keine Angaben zum Inhalt der Anklagen

Die Sprecher von Staatsanwaltschaft und Amtsgericht bestätigten die Anklagen gegen die zwei Erzieherinnen, wollten aber zum Inhalt nichts sagen. Die Anklagen seien noch nicht zugestellt.

Dem Vernehmen nach geht es in der Anklage um einen Zweijährigen, der im November 2018 zum Mittagessen in einen dunklen Flur gesetzt worden sein soll. Die Mutter des Kleinen hatte das später bei der Polizei angezeigt.

Kommentare

Lieber nicht da ich unseren Kitaplatz noch brauche  schrieb: 02.07.2020 13:05
Kenne ich auch in unserer DRK Kita...
Ist wohl Gang und Gebe... Unserer Tochter wurde als Erziehungsmethode auch einmal das Mittagessen vorgehalten. Ein paar Wochen später, als sie abgeholt wurde, waren alle Kinder draussen und spielten... Unsere Tochter sass in der Umkleide, ganz verzweifelt, weil es ihre Mudhose und die Stiefel nicht angezogen bekam. Nach Aussage der Erzieherin schon seit einer halben Stunde... Auf die Frage der unterlassenen Anziehhilfe wurde keine Antwort gegeben... Tja, leider sind wir auf den Kitaplatz angewiesen!!!
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