Schornsteinfeger um Ralf Heibrok aus Schloß Holte-Stukenbrock überreichen 225.379 Euro für krebskranke Kinder
„Zum Glück bewegt sich unser Herz“

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Das Jahr 2020 ist auch für die Glücksbringer ein besonderes. Zur 15. Glückstour der Schornsteinfeger konnten sie wegen der Corona-Pandemie nicht mit dem Fahrrad starten. Die 1247 Kilometer haben die Glückstourer um Bezirksschornsteinfeger Ralf Heibrok virtuell zurückgelegt und dabei 34 Projekten und Einrichtungen, die sich um krebskranke Kinder kümmern, insgesamt 225.379 Euro überreicht. Ein neuer Rekord!

Donnerstag, 02.07.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 07:42 Uhr
Die Schornsteinfeger und Glückstourer Frank Dieckmann (links) und Ralf Heibrok in ihrem Materiallager im Öko-Tech-Park Windelsbleiche mit dem Rekordscheck. Foto: Monika Schönfeld
Die Schornsteinfeger und Glückstourer Frank Dieckmann (links) und Ralf Heibrok in ihrem Materiallager im Öko-Tech-Park Windelsbleiche mit dem Rekordscheck. Foto: Monika Schönfeld
Ralf Heibrok und Frank Dieckmann (von links): Im gesponserten Bulli spiegelt sich der Turm des Öko-Tech-Parks Windelsbleiche.

Ralf Heibrok und Frank Dieckmann (von links): Im gesponserten Bulli spiegelt sich der Turm des Öko-Tech-Parks Windelsbleiche. Foto: Monika Schönfeld

Der Paderborner Pop-Art-Künstler Herman, der die Glückstour seit ihrer Gründung unterstützt, hat das Jahresbild für die Glückstour im Format 20 mal 20 Zentimeter gestaltet, um an das Jahr 2020 zu erinnern. Das Motto der Tour der Schornsteinfeger lautet dieses Jahr „Zum Glück bewegt sich unser Herz“. 100 Bilder gibt es, sie sind nummeriert. Das erste von 100 bekommt Jasper (6) aus Lübeck, das zweite geht an Lia (12) aus Paderborn.

Erste Anprobe: Das Lasten-E-Bike wird auf Lias Rollstuhl angepasst, damit Mutter Angela ihre Tochter sicher transportieren kann. Ralf Heibrok, Vorsitzender des Glückstour-Vereins, und Jannik Schukowski, Konstrukteur der Firma Hebie.

Erste Anprobe: Das Lasten-E-Bike wird auf Lias Rollstuhl angepasst, damit Mutter Angela ihre Tochter sicher transportieren kann. Ralf Heibrok, Vorsitzender des Glückstour-Vereins, und Jannik Schukowski, Konstrukteur der Firma Hebie. Foto: Glücktour

Ralf Heibrok und die Glückstourer – es sind immer zwischen 30 und 50 Radfahrer, die sich aufs Rennrad schwingen, um Geld für die Kinder zu erradeln – wären eigentlich in acht Tagen im Juni von Erfurt nach Lübeck gefahren und hätten an 34 Stationen Halt gemacht, um die Schecks zu überreichen. „Wir brüsten uns damit, dass die Spenden zu 100 Prozent weitergegeben werden. Da wird nichts abgezogen für irgendwelche Verwaltungskosten“, sagt Ralf Heibrok, der schon manchem Skeptiker Einblick in die Kontoauszüge gewährt hat. „Ein Unternehmer, der das nicht glauben wollte, war sprachlos und hat danach für die Kinder gespendet – eine richtig große Spende.“ Denn das, was nicht direkt den Kindern zugute kommet – Flyer, Ersatzlaufräder, Reifen – werden über die Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder finanziert oder Sponsoren übernehmen die Kosten.

Jasper (6) aus Lübeck trägt mit Stolz das Trikot der Glückstour 2020.

Jasper (6) aus Lübeck trägt mit Stolz das Trikot der Glückstour 2020. Foto: Glückstour

„Im März zeichnete sich ab, dass wir nicht fahren können“, erzählt Ralf Heibrok. In Zoom-Konferenzen mit Mitgliedern und Firmen, die Partner der Glückstour sind, wurde beschlossen, trotzdem etwas zu tun. „In den Institutionen, in den Kinderkliniken und in den Projekten findet während der Pandemie ja auch nichts mehr statt. Da darf immer nur ein Besucher rein.“ Der Beschluss stand schnell: Die Projekte, die mit Geld bedacht werden, und die Geldgeber stellen sich in kleinen Filmen vor, die sie selbst machen. „Das ist ein großer Erfolg. 27 Institutionen und zwei Krebs-Forschungseinrichtungen haben sich bereits vorgestellt. Auf Instagram, Youtube und Facebook zeigen wir sieben Filme in der Länge von 90 Sekunden pro Tag. Unsere Mediengruppe hat damit schon mehrere zehntausend Follower erreicht.“ Prominente aus dem Radrennsport unterstützen die Tour.

„Viele von uns sind durch Corona noch mal zusammen gewachsen“, sagt Ralf Heibrok. Auch Firmen, die zurzeit in Kurzarbeit sind, lassen es sich nehmen, als Markenbotschafter zu spenden und helfen das ganze Jahr über. „Es fällt den betroffenen Familien ja schwer sich zu outen. Haben sie sich dann durchgerungen, um Hilfe zu bitten und du kriegst keine – das wäre schlimm für unsere Gesellschaft.“ Die Glückstour hat den guten Ruf der uneigennützigen Hilfe. „Wir stehen alle mit unserem persönlichen Einsatz dahinter“, sagt Heibrok. „Wer bei einer Scheckübergabe mal die Tränen und Emotionen gesehen hat, bekommt für seinen Einsatz so viel zurück. Da merkst du, was im Leben wichtig ist.“

Übrigens: Das Startgeld von 500 Euro pro Fahrer für Hotels und Verpflegung zahlen die Radler trotzdem – sie spenden ihren Beitrag für die Kinder.

Lia

Lia (12) aus Paderborn haben die Glückstourer kennengelernt, als ihre Mutter Angela mit einer Aktion aufgefallen ist. Sie hat Plätzchen gebacken und verkauft, weil sie ein Lasten-E-Bike kaufen wollte. Ein Lasten-E-Bike, das einen Rollstuhl mit einer Zwölfjährigen transportieren kann...

Ihre Tochter Lia leidet an einer seltenen Muskelkrankheit, die ihr eine Lebenserwartung von 20 Jahren prognostiziert. Damit sie gerade im Rollstuhl sitzen kann, sind ihr zwei Stangen in den Rücken implantiert worden. Ihre Füße werden operiert, damit sie wieder gerade sind. „Die Mutter arbeitet in einem Altenheim und kann nicht schlafen, weil sie Lia alle zwei Stunden nachts im Bett drehen muss“, berichtet Ralf Heibrok. Er holt Mutter und Tochter mit dem gesponserten Glückstour-Bulli ab, weil das alte Auto von Angela verreckt ist. Der Glückstour-Verein hat ein gebrauchtes Lasten-E-Bike für 4500 Euro gekauft und lässt es bei der Firma Hebie in Bielefeld umrüsten, einem Hersteller von Fahrradzubehör und Markenbotschafter der Glückstour. „Wir waren zwei Mal bei der Anprobe.“ Schön sei, dass Lia nie den Mut verliere und weiß, was ihre Familie für sie tut. Als sie berichtet, dass Mama „verrückter“ als Papa sei und oft vor dem Fernseher einschlafe, weil sie so viel für sie tue, habe Hebie-Geschäftsführer Dirk Niermann geschluckt.

Jasper

Jasper (6) aus Lübeck ist einer der „Lieblinge“ der Glückstourer. Er bekommt nicht nur Hermans Jahresbild mit der Nummer 1, sondern trägt auch voller Stolz das Trikot der diesjährigen Glückstour. Es ist schwarz wie die Schornsteinfeger-Montur mit goldenen Knöpfen, Schultereisen und Besen. Das Trikot gibt es im Glückstour-Webshop in allen Größen. Dort kann jeder einkaufen. 25 Prozent des Erlöses gehen wieder an die krebskranken Kinder.

Jasper hat einen Gehirntumor und gilt als austherapiert. Die Schornsteinfeger finanzieren ein Medikament, das von den deutschen Krankenkassen nicht anerkannt und deshalb auch nicht bezahlt wird. Seine Mutter Astrid (26) ist allein erziehend und mit der Situation oft überfordert. Die Schornsteinfeger begleiten den kleinen Jungen, der gerade nördlich von Bad Oeynhausen in der Klinik Bad Oexen, einer Fachklinik für onkologische Rehabilitation und Anschlussrehabilitation, eine Therapie macht. „Über unsere Vermittlung baut ein Nachbar ihm ein Holzhäuschen, sein Glückshaus. Über Whats­App bekomme ich von der Mutter Nachrichten, wie es Jasper geht“, erzählt Ralf Heibrok.

 

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