Kommentar zur Bielefelder Aufstiegsfeier und dem Verhalten des Oberbürgermeisters
Erstklassig war das nicht

 

Samstag, 04.07.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 22:30 Uhr
Eine Aufstiegsfeier gerät aus dem Ruder. Warum? Foto: Thomas F. Starke
Eine Aufstiegsfeier gerät aus dem Ruder. Warum? Foto: Thomas F. Starke

Pit Clausen (SPD) muss sich für sein mindestens unglückliches Verhalten anlässlich der Arminia-Aufstiegsfeier nicht entschuldigen. Erst Recht nicht, wenn er dazu vom politischen Gegner aufgefordert wird. Etwas Einsicht und echtes Bedauern des Bielefelder Oberbürgermeisters würden schon ausreichen. Er hätte sich einen anderen Verlauf der Party gewünscht. Ob er damit auch sich selbst gemeint hat, ließ der erste Mann der Stadt offen.

Clausen wird hoffentlich am besten wissen, dass sein Verhalten mehr als ungeschickt war an diesem Tag einer Aufstiegsfeier, die aus dem Ruder lief. Bielefeld hat hier leider kein gutes Bild abgegeben. Nicht die Fans, nicht einige Spieler, nicht der Zeugwart, der als Offizieller des Vereins ebenso mit auf dem Dach des Arminia-Fahrzeugs stand und Clausen auch nicht. Es spricht Bände, dass der Leiter des städtischen Corona-Krisenstabs Dr. Udo Witthaus das Verhalten einiger DSC-Spieler als nicht mal amateurhaft bezeichnet. „Damit würde man den Amateuren Unrecht tun.“ Aber auch Clausen hat sich nicht professionell verhalten. Ebenso übrigens wie Bielefeld-Fans, die vor dem Rathaus einen Autofahrer mit Gütersloher Kennzeichen verbal massiv attackiert haben. Das Video im Internet ist nur noch peinlich und keine gute Werbung für diese Stadt.

Es ist offensichtlich: Der Oberbürgermeister wollte den DSC-Fans die Party nicht verderben. Schon schlimm genug, dass es keine offizielle Feier mit der Mannschaft auf dem Rathausbalkon geben konnte. Da wollte der OB wenige Wochen vor der Kommunalwahl am 13. September nicht noch zusätzlich als Spaßbremse gelten und als Spielverderber hingestellt werden. Und so ließ er eine weitestgehend unkontrollierte Feier zu. Mit hunderten von Menschen, dicht an dicht stehend, laut grölend, mit allen Kontakten und Ansteckungsrisiken, die es in einer solchen Situation nunmal gibt.

Gewiss sind solche Szenen nie ganz zu verhindern. Und ein Großaufgebot der Polizei – wer will das schon? Aber: Mit seiner Ankündigung, die Feier nicht reglementieren zu wollen, auf Bußgelder zu verzichten und mit der Aussage, „die Begeisterung zuzulassen, die sich Fans und Mannschaft so sehr wünschen“, hat er vielen DSC-Anhängern einen Freifahrtschein zum Feiern ausgestellt. Und das trotz eines nach wie vor hochansteckenden Virus, das – siehe Gütersloh – zu ganz bösen Folgen führen kann.

Dass sich Clausen selbst nicht vorbildlich verhielt, macht die Sache nicht besser. Auch wenn ihm rein rechtlich nichts vorzuwerfen sein mag, dann sollte ein OB stets mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist ihm leider nicht gelungen.

Die Gesundheit der Menschen ist wichtiger als Aufstiegsjubel. Die Regeln gelten für alle – auch für Fans und den Fußballsport. Es bleibt zu hoffen, dass die Zahl der Infizierten nicht weiter steigt.

 

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Pit Clausen (l.) im Arm mit einem Fan. Rechts: Hans-Jürgen Laufer.

Pit Clausen (l.) im Arm mit einem Fan. Rechts: Hans-Jürgen Laufer.

 

Pit Clausen (links) und DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer in der Menge.

Pit Clausen (links) und DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer in der Menge.

Kommentare

Jörn Fries  schrieb: 05.07.2020 07:08
Rechtsbeugung`?
Das Verhalten der Offiziellen von DSC Arminia und Stadt, unter ihnen deren höchster Repräsentant, sowie der Spieler und vieler Fans ist nicht zu entschuldigen. Egal, wie lange der Lockdown schon andauerte, man gefährdet nicht sich selbst und andere durch sein törichtes Verhalten. Und da Dummheit bekannterweise nicht vor Strafe schützt, sollte man genauestens prüfen, welche Sanktionen die Ordnungsbehörden im Nachhinein zu erteilen haben. Der "Fall" von OB Pit Clausen wiegt indes noch schwerer. Mit seinen unbedarften Äußerngen im Vorfeld hat er seine eigenen Ordnungsamt-Mitarbeiter in ein Dilemma gebracht: Wie kann das Ordnungsamt der Stadt Bielefeld gegen Verstöße vorgehen, wenn doch der Oberste Bielefelder diese zu erwartenden Verstöße gar nicht sanktionieren wollte? Meines Erachtens sollten Kommunalaufsicht, Polizei und Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Rechtsbeugung prüfen. Allerdings bin ich kein Jurist. Aber ein (politisches und strafrechtliches) Nachspiel sollte es schon geben.
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