Stillstand bei Tönnies wirkt sich auf Mastbetriebe aus
Es wird enger in den Schweineställen

Bielefeld (WB). Vor acht Tagen hätten bei Rainer Obermann Mastschweine abgeholt und zum Schlachthof von Westfleisch gebracht werden sollen. Eigentlich. Aber der Stillstand im Tönnies-Betrieb in Rheda-Wiedenbrück wirkt sich eben auch auf andere Schlachtbetriebe sowie die Schweinezüchter und -mäster aus.

Montag, 06.07.2020, 06:00 Uhr
Rainer Obermann vor seinen Schweineställen. Der Blick hinein ist nicht möglich, das verbieten die Hygienevorschriften. Auch er wechselt zuvor Kleidung und Schuhe, um einen Eintrag etwa der Afrikanischen Schweinepest zu vermeiden. Foto: Bernhard Pierel
Rainer Obermann vor seinen Schweineställen. Der Blick hinein ist nicht möglich, das verbieten die Hygienevorschriften. Auch er wechselt zuvor Kleidung und Schuhe, um einen Eintrag etwa der Afrikanischen Schweinepest zu vermeiden. Foto: Bernhard Pierel

Noch sei der Druck nicht zu hoch, sagt Obermann – zumal er die Perspektive hat, dass die Schweine in dieser Woche abgeholt werden. Aber allmählich werde es doch eng. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, ergänzt Christian Wulfmeyer, der in Schröttinghausen einen Schweinezucht- und -mastbetrieb hat. Er ist zu seinem Kollegen Obermann im benachbarten Großdornberg gekommen, um die Situation der Landwirte zu schildern.

Keine bäuerliche Romantik

Nacheinander erst den einen, dann den anderen auf seinem Hof zu sprechen, war nicht möglich: Dafür sind die Hygieneregeln auch angesichts der afrikanischen Schweinepest, die bedenklich nahe gekommen ist, zu streng. „Auch ich werde, wenn ich gleich nach Hause komme, erst einmal duschen und die Kleidung wechseln. Selbst wenn ich nicht im Stall war“, stellt Wulfmeyer klar. Mit bäuerlicher Romantik hat Landwirtschaft wenig zu tun, es geht um die Produktion von Lebensmitteln für zig-Millionen.

Bei Wulfmeyer hätten am Freitag Schweine zur Schlachtung abgeholt werden sollen. Noch ist der Stall nicht „verstopft“, sagt der 38-Jährige. Aber allmählich werde der Ausfall des Schlachthofes in Rheda zum Problem. „10.000 Schweine pro Tag werden derzeit nicht geschlachtet“, sagt Obermann.

Zu viel Gewicht bringt Abzug

Das bedeutet zum einen höhere Futterkosten, zum anderen aber auch einen Preisabzug wegen des höheren Gewichtes; denn die Tiere legen mit jedem weiteren Tag unweigerlich zu – zu Anfang der Mast im Schnitt täglich 800 Gramm. Und die Schlachthöfe verlangen von den Mastbetrieben eine bestimmte „Maske“, innerhalb derer das Gewicht der Schlachttiere liegen soll. Zu wenig bringt einen Abzug, zuviel aber auch. Ideal ist ein Schlachtgewicht von etwa 115 Kilo.

„Wenn die Tiere länger bei uns sind, bedeutet das aber darüber hinaus, dass der Platzbedarf in der Bucht steigt“, sagt Wulfmeyer. Gerade wenn es schwülwarm sei und die Tiere dann auch noch enger stünden, tue ihnen das nicht gut. „Auch wenn die Schweine Nutztiere sind, soll es ihnen doch gut gehen.“ Und ein Schwein, erklärt Wulfmeyer, könne nicht richtig schwitzen, sondern nur über seine Rüsselscheibe die Temperatur senken. Wenn alle Stricke reißen, hat sich Wulfmeyer überlegt, werde er eine Scheune räumen und die Tiere dort unterbringen.

Schlicht die Produktion zu stoppen, erklärt er, sei unmöglich. „Wir arbeiten mit Tieren, die können wir nicht einfach abstellen wie eine Maschine.“ Zudem verlange Schweinezucht einen Vorlauf, das heißt die Sauen werden wieder belegt, und nach 115 Tagen werden wieder Ferkel geworfen.

Kein Verständnis für lange Schließung

Obermann hätte auch eigentlich schon wieder junge Schweine mit einem Gewicht von 25 bis 28 Kilo aufgestallt. Aber da er die schlachtreifen Tiere noch nicht abgeben konnte, hat er wiederum beim Ferkelzüchter die jungen Schweine noch nicht abnehmen können. Ohnehin: Flott „rein und raus“ funktioniere nicht: „Der Stall muss vorher gründlich gereinigt werden. Das dauert mindestens zwei Tage.“

Obermann kann nicht nachvollziehen, warum der Schlachtbetrieb bei Tönnies bis zum 17. Juli ruhen muss. „Westfleisch ist nach 14 Tagen wieder hochgefahren worden, anfangs mit zehn Prozent. Zudem war bei Tönnies vorrangig die Zerlegung und nicht der Schlachtbereich von dem Corona-Ausbruch betroffen. Man könnte schlachten und das Fleisch in die jetzt leeren Kühlhäuser bringen.“ Die Tiere der Schweinehalter, die mit Tönnies einen festen Vertrag haben, werden in die Tönnies-Schlachthöfe in Sögel/Emsland und Weißenfels in Sachsen-Anhalt gebracht. Dazu gehören Obermann und Wulfmeyer nicht.

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