17-Jähriger tot – Haft für Bielefelderin zur Bewährung ausgesetzt
Gefängnisstrafe für Rentnerin (76)

Lemgo/Bielefeld (WB/ca). Eine 76 Jahre alte Rentnerin aus Bielefeld, die für den Tod eines 17-jährigen Motorradfahrers verantwortlich sein soll, ist vom Amtsgericht Lemgo zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Richterin setzte die Strafe zur Bewährung aus.

Samstag, 11.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 05:01 Uhr
Das Motorrad des 17-Jährigen, der an der Unfallstelle wiederbelebt wurde, dann aber starb. Foto: Hobein
Das Motorrad des 17-Jährigen, der an der Unfallstelle wiederbelebt wurde, dann aber starb. Foto: Hobein

Noch heute erinnern ein Holzkreuz und Blumen an der Unfallstelle an das Geschehen vom 23. Oktober 2019 . Damals war die Bielefelderin mit ihrem Wagen auf der Ostwestfalen-Straße unterwegs und hatte etwa 1,5 Promille Alkohol im Blut. Auf der Höhe von Bad Salzuflen-Lockhausen, wo Tempo 100 erlaubt ist, soll sie ihren Wagen ohne Grund so stark verlangsamt haben, dass zwei folgende Autos ausweichen mussten. Der 17 Jahre alter Motorradfahrer aus Bielefeld schaffte das nicht mehr: Er fuhr auf das Auto auf und wurde so schwer verletzt, das er noch am selben Tag im Evangelischen Klinikum Bethel starb.

Frau fuhr einfach davon

Zeugen gaben an, die Rentnerin sei damals ausgestiegen, habe sich den Schaden an ihrem Wagen und den verletzten Jugendlichen angesehen und sei dann davongefahren. Polizisten stoppten sie etwa 1,6 Kilometer weiter in Höhe der Autobahnauffahrt zur A 2 und nahmen ihr den Führerschein ab.

In der Gerichtsverhandlung am Donnerstag schwieg die Frau zum Unfallgeschehen. Zeugen sagten aus, sie habe am Unfalltag einen verwirrten und apathischen Eindruck gemacht. Das Gericht ging deshalb von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Auch einen möglichen Fahrfehler des 17-Jährigen, der eventuell nicht den erforderlichen Abstand gehalten hatte, musste die Richterin zugunsten der Angeklagten in Erwägung ziehen.

Der Staatsanwalt hatte ein Jahr und fünf Monate Haft gefordert, der Verteidiger nur eine Geldstrafe von 50 Tagesverdiensten. Der Anwalt hatte die Aussagen mehrere Zeugen bezweifelt und gesagt, er sehe den Vorwurf der fahrlässigen Tötung nicht als erwiesen an.

In ihrem sogenannten letzten Wort erklärte die Angeklagte, ihr tue der Unfall leid.

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