Sozialdezernent übt Kritik – OB-Kandidaten befürchten Ärztemangel in Bielefeld
Gesundheitsämter schlecht ausgestattet

Bielefeld (WB/ots). „Dass das unglücklich war, ist klar. Er hat sich von Fans für Fotos reinziehen lassen, das wirkt alles ungeschickt.“ Sozialdezernent Ingo Nürnberger hat sich in der Sendung „Wir wählen Gesundheit – Kommunalwahlen in NRW“ des Senders „health tv“ am Sonntag noch einmal zu dem Verhalten von Oberbürgermeister Pit Clausen während der Aufstiegsfeierlichkeiten des DSC Arminia Bielefeld geäußert. Nürnberger, der auch Leiter des Corona-Krisenstabes ist, betonte aber weiter, dass das Verhalten von Clausen „für den Krisenstab kein großes Thema war“.

Montag, 13.07.2020, 05:38 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 05:40 Uhr
Gerade die Corona-Pandemie habe die schlechte Ausstattung der Gesundheitsämter offengelegt, so die Kritik des Sozialdezernenten. Foto: dpa
Gerade die Corona-Pandemie habe die schlechte Ausstattung der Gesundheitsämter offengelegt, so die Kritik des Sozialdezernenten. Foto: dpa

Der Sozialdezernent bemängelte in der Sendung mit Blick auf die Corona-Pandemie besonders die Ausstattung der Gesundheitsämter. „Wir müssen uns definitiv im Gesundheitsamt besser aufstellen. Das gilt für das Bielefelder Gesundheitsamt, das gilt in ganz Deutschland. Die Gesundheitsämter sind für solche Situationen nicht gerüstet gewesen. Wir brauchen mehr Personal, mehr medizinisches und medizinisch geschultes Personal“, bekannte Nürnberger, stellvertretender Vorsitzender der Bielefelder SPD.

Gäste der Talkrunde, in der es um gesundheitspolitische Zukunftsfragen geht, waren neben dem Sozialdezernenten die OB-Kandidaten Ralf Nettelstroth (CDU) und Kerstin Haarmann (Grüne). Auch Nettelstroth bemängelte die behördliche Vorgehensweise, nachdem im Mai zahlreiche Bielefelder CDU-Politiker unter Quarantäne gestellt worden waren: „Was mich verwundert hat war, dass der eigentliche Bescheid erst einen Tag vor Ende der Quarantäne kam. Da stand dann drin, dass ich eigentlich hätte Fieber messen müssen und viele andere Dinge. Deshalb war unsere Fraktion der Auffassung, dass wir da besser werden müssen.“ Gerade im digitalen Zeitalter sollten mögliche Betroffene schneller und umfassender informiert werden.

Weiteres Thema der Sendung war der Ärztemangel, der auch in Bielefeld zu spüren sei. Sorge bereitet Nettelstroth, „dass in den nächsten fünf bis acht Jahren nochmal 100 Ärzte ausscheiden werden. Die Frage ist: Werden sie Nachfolger finden? Wir haben jetzt schon Bereiche in einigen Stadtteilen, wo wir keine ausreichende Versorgung mehr haben.“ Eine ausreichende Dichte an Praxen vor Ort müsse sichergestellt werden. Hier hofft der CDU-Kandidat auf einen „Klebe-Effekt“ durch die neu gegründete medizinische Fakultät der Universität Bielefeld: „Menschen, die hier studieren, bleiben kleben, denn Bielefeld hat viel zu bieten.“ Ergänzend müsse man über Wirtschaftsförderung Ärzte anwerben.

Kerstin Haarmann sieht schnelleren Handlungsbedarf: „Wir können nicht warten, bis die medizinische Fakultät in zehn Jahren ausreichend Hausärzte ausgebildet hat, die gerne in der Region bleiben.“ Eine bessere Lösung sei zum Beispiel, dass die Stadt bürge, wenn lange Laufzeiten von Mietverträgen Mediziner von der Gründung einer eigenen Praxis abhielten. Nürnberger hingegen skizzierte das Konzept medizinischer Versorgungszentren als eine von mehreren möglichen Lösungsmaßnahmen: „Das ist ja eine Struktur mit festen Arbeitszeiten, mit normalen Urlaubszeiten, die manche Niedergelassenen so nicht machen können.“

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