Kathi Heeren dreht in der Corona-Krise Lehrvideos für ihre Schüler
Lehrerin als Filmemacherin

Bielefeld (WB). Am Beginn der Corona-Krise hat Kathi Heeren (37) vor der gleichen Herausforderung gestanden wie alle Lehrerinnen und Lehrer. Mehr noch: Bei ihrer Klasse 3 der Grundschule Brock in Bielefeld konnte sie nicht einmal davon ausgehen, dass ihre Schülerinnen und Schüler zu Hause überhaupt Zugang zu einem PC und zu einem Drucker haben.

Donnerstag, 16.07.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2020, 16:04 Uhr
Grundschul-Lehrerin Kathi Heeren vor dem Eisenbahn-Viadukt in Bielefeld-Schildesche Foto: Jörg Heeren
Grundschul-Lehrerin Kathi Heeren vor dem Eisenbahn-Viadukt in Bielefeld-Schildesche Foto: Jörg Heeren

Auf der anderen Seite: Zugang zu Smartphones haben fast alle. Und die meisten kennen auch Youtube. Einige, so hat Heeren beim Unterricht erfahren, haben sogar in diesen jungen Jahren schon einen Berufswunsch: Youtuber werden. Warum das nicht mal mindestens für den Sachkundeunterricht nutzen? Auf dem Lehrplan stand „Bielefeld und seine Geschichte“. Exkursionen waren geplant und schon weitgehend vorbereitet – aber nun unter Corona-Bedingungen ausgeschlossen.

Blick auf den Jahnplatz im Zentrum Bielefelds; das frühere Gebäude der Commerzbank (zweites von rechts) ist im Krieg zerstört worden.

Blick auf den Jahnplatz im Zentrum Bielefelds; das frühere Gebäude der Commerzbank (zweites von rechts) ist im Krieg zerstört worden. Foto: 3D-Grafik von Eberhard Sandmüller

„Wenn man die Strecke der früheren Kleinbahn in Bielefeld schon nicht wie geplant mit der Klasse gemeinsam vor Ort erkunden kann, dann vielleicht mit Hilfe eines Videos?“ überlegte Kathi Heeren. Dabei kam ihr zugute, dass sie nach dem Studium, statt gleich in den Lehrberuf einzusteigen, erst einmal im Journalismus gearbeitet hatte – beim Westfalen-Blatt. Zudem ist Jörg Heeren (40), ihr Mann, in der Kommunikationsstelle der Universität Bielefeld beschäftigt. Beide hatten auch schon Videos für Kinder gemacht, Tiervideos allerdings, zum Beispiel über Maikäfer, Frösche, Feuerwanzen. Bei einem geschichtlichen Thema hat ein Video als Lehrmittel den zusätzlichen Vorteil, dass sich an den geeigneten Stellen historische Fotos integrieren lassen.

So auch bei der jüngsten Produktion, einer Zeitreise durch das Bielefeld der vergangenen 100 Jahre. Und so beginnt es: Kathi Heeren, die Lehrerin, steht im Jahr 2020 auf der Herforder Straße und – schnipp – verändert sich der Hintergrund und zeigt die gleiche Umgebung etwa um das Jahr 1920. In etwas Entfernung sieht man die Kleinbahn die Straße überqueren. Nächster Stopp: Jahnplatz, dann Kesselbrink und so weiter. „Bei alten Fotos hätte ich ohne Beschreibung manchmal Mühe gehabt zu erkennen, an welchem Ort sie aufgenommen wurden“, berichtet Heeren.

Als die Kleinbahn noch regelmäßig die Herforder Straße in Bielefeld querte...

Als die Kleinbahn noch regelmäßig die Herforder Straße in Bielefeld querte... Foto: 3D-Grafik von Eberhard Sandmüller

Enorm gewonnen haben die lokalhistorischen Schulvideos durch Kontakte des filmenden Bielefelder Ehepaars mit dem Herforder Eberhard Sandmüller. Der 72-jährige hat mit großem Aufwand und über viele Jahre alte Straßenbahn-Strecken in OWL am Computer mit Hilfe historischer Fotos rekonstruiert – und zwar dreidimensional einschließlich Gebäuden, Menschen und Fahrzeugen. So entsteht ein sehr realistisch anmutender Eindruck, wie es damals gewesen ist. Neben Herford, dem Kreis Paderborn und Minden gibt es Sandmüllers Computer-Simulationen auch für Bielefeld.

Und die ganze Familie machte mit

Während Kathi Heeren die Themen vorbereitete und durch das Video führt, übernahm Jörg die filmischen Arbeiten. Begleitet wurden sie auch vor Ort von ihren beiden Kindern, drei und fünf, die das Ganze sehr spannend fanden. Von den Telefonaten mit den Kindern sowie Reaktionen auf Youtube und Facebook weiß das Paar, dass die Videos nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe, sondern auch bei Erwachsenen sehr gut ankommen. Einige fragen schon, trotz Ferienzeit: „Und was kommt als nächstes?“ „Vielleicht etwas zu Heepen“, orakelt Kathi. Der Stadtteil im Osten Bielefelds ist älter als die eigentliche Stadt selbst.

https://kurzelinks.de/bvlq

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