Netzagentur hält vierte Leitung für notwendig – Trasse durch OWL?
Stromautobahn rückt näher

Bielefeld/Bonn (WB). Eine vierte große Stromautobahn, die vom Norden der Republik Windenergie nach NRW bringen soll und dabei durch OWL führen könnte, wird immer wahrscheinlicher. Die Bundesnetzagentur hat die Notwendigkeit des Kernstücks des Milliardenprojekts im Netzentwicklungsplan 2030 offiziell bestätigt. Nun fehlt noch die Aufnahme in die Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes. Den Entwurf will das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie „zeitnah“ vorlegen.

Montag, 27.07.2020, 03:01 Uhr aktualisiert: 27.07.2020, 09:00 Uhr
Leerrohre liegen in einer Trasse für eine Erdkabel-Stromleitung. Für eine zwischen Wilhelmshaven und Hamm geplante vierte deutsche Stromautobahn umfasst der Suchraum (schraffierte Fläche) für den Trassenkorridor auch Teile von OWL. Foto: dpa/Grafik: Patrick Sönel
Leerrohre liegen in einer Trasse für eine Erdkabel-Stromleitung. Für eine zwischen Wilhelmshaven und Hamm geplante vierte deutsche Stromautobahn umfasst der Suchraum (schraffierte Fläche) für den Trassenkorridor auch Teile von OWL. Foto: dpa/Grafik: Patrick Sönel

Geplant ist eine Gleichstrom-Höchstspannungsleitung zwischen der niedersächsischen Küstenstadt Wilhelmshaven und Hamm-Uentrop im nördlichen Ruhrgebiet. Die beiden zuständigen Übertragungsnetzbetreiber Amprion und Tennet rechnen für die etwa 267 Kilometer lange Leitung, die im Wesentlichen als Erdkabel gebaut werden soll, mit Kosten von 1,6 Milliarden Euro. Der Suchraum für den Trassenkorridor umfasst dabei auch den westlichen Teil von OWL mit den Kreisen Minden-Lübbecke, Gütersloh, Paderborn und der Stadt Bielefeld.

Das Vorhaben wird von der Bundesnetzagentur als wirksam eingestuft, um bei weiter wachsenden Windstrommengen schwer belastete Wechselstromnetze vom Norden in die Mitte zu entlasten. Die mittlere Auslastung der geplanten Stromautobahn liegt den Berechnungen zufolge bei mehr als 64 Prozent. In Hamm-Uentrop betreibt RWE bislang ein Steinkohlekraftwerk. Der 2014 in Betrieb genommene Block soll gemäß den Plänen zum Kohleausstieg spätestens 2038 abgeschaltet werden.

Aufnahme in Bundesbedarfsplangesetz entscheidend

Ursprünglich hatten die Übertragungsnetzbetreiber zwei weitere Teilabschnitte beantragt. Der erste sollte über 127 Kilometer von Heide in Schleswig-Holstein bis Wilhelmshaven führen – vor allem als Seekabel. Die Kosten waren mit 762 Millionen Euro veranschlagt worden. Dieses Vorhaben ist von der Bundesnetzagentur aber abgelehnt worden. Sie bestätigte stattdessen eine Leitung von Heide bis Marl-Polsum. Der Suchraum für diese Trasse streift auch den Nordwesten von OWL.

Zudem wurde die nach Süden geplante Verlängerung als Teilabschnitt von Hamm bis Altbach bei Stuttgart von der Behörde zurückgewiesen. Hierzu gebe es andere Alternativen wie die Verstärkung oder den Neubau bestehender Wechselstromleitungen.

Ein Amprion-Sprecher erklärte, dass nun die Aufnahme der Projekte in das Bundesbedarfsplangesetz entscheidend sei für weitere Schritte. Mit Aufnahme in das Gesetz wird die energie­wirt­schaft­liche Notwendigkeit und der vor­dringliche Bedarf der Vorhaben zur Gewährleistung eines sicheren und zuverlässigen Netzbetriebs festgestellt. Für diese Projekte gelten wegen des damit konstatierten „überragenden öffentlichen Interesses“ vereinfachte und beschleunigte Genehmigungsverfahren.

Leitungen bis 2030 fertigstellen

Sobald die Projekte Teil des Bundesbedarfsplangesetzes werden, will Amprion die Planung konkretisieren. Dann würden unter Beachtung der Verträglichkeit mehrere Trassenkorridore mit je einem Kilometer Breite vorgeschlagen. Abschließend würde dann im bevorzugten Korridor der genaue Trassenverlauf im Planfeststellungsverfahren festgelegt. Ziel sei es, die Leitungen bis 2030 fertigzustellen, heißt es

Bislang sind neben weiteren 62 Vorhaben die drei auch als Stromautobahnen titulierten Großprojekte gesetzlich als notwendig eingestuft worden: Südlink von Hamburg bis Stuttgart, Korridor A (Teilprojekte A-Nord und Ultranet) von Emden über das Rheinland bis Philippsburg sowie Südostlink von Sachsen-Anhalt nach Bayern. Die Projekte befinden sich alle noch in der Planungsphase, zum Teil haben vorbereitende Arbeiten begonnen. Die drei Stromautobahnen sollen möglichst zwischen 2024 und 2026 in Betrieb gehen. Die Kosten des Netzausbaus zahlen am Ende die Verbraucher über die Stromrechnung.

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