Seitdem sind 35 Mitarbeiter der Kfz-Zulassungsstelle in Quarantäne, darunter auch der Ordnungsamtsleiter
Corona-Fall in der Kfz-Zulassungsstelle: Bielefelderin hat sich vor dem Geburtstag infiziert

Bielefeld (WB). Eine Mitarbeiterin der Kfz-Zulassungsstelle ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sie hat sich offenbar kurz vor ihrem Geburstag infiziert. Knapp 35 ihrer Kollegen, die nicht nur in Bielefeld, sondern in ganz OWL wohnen, befinden sich bereits in Quarantäne. Sie sind am Montag bei sich zu Hause getestet worden. Mit Ergebnissen wird am Dienstag gerechnet. Auch der Bielefelder Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann muss vorsorglich in die häusliche Isolation. Er hatte an einer Konferenz in der Kfz-Zulassungsstelle teilgenommen.

Dienstag, 28.07.2020, 07:04 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 12:08 Uhr
Knapp 35 Mitarbeiter mussten in Quarantäne geschickt werden. Eine Mitarbeiterin war zuvor positiv getestet worden. Sie hat sich vor ihrem Geburtstag infiziert. Foto: Bernhard Pierel
Knapp 35 Mitarbeiter mussten in Quarantäne geschickt werden. Eine Mitarbeiterin war zuvor positiv getestet worden. Sie hat sich vor ihrem Geburtstag infiziert. Foto: Bernhard Pierel

Die Frau aus Bielefeld hat sich offenbar bei ihrem Vater angesteckt. Der erfuhr am Donnerstag von seinem positiven Testergebnis. Die Frau ließ daraufhin ebenfalls einen Test machen. Einen Tag später hatte auch sie die ärztliche Bestätigung: coronapositiv.

Kuchen für die Kollegen

Der Fall ist brisant, weil die Frau am Dienstag zuvor an einer dreistündigen Konferenz in der Kfz-Zulassungsstelle teilgenommen hatte – gemeinsam mit knapp 35 Kolleginnen und Kollegen. Zu der Zeit konnte sie noch nicht wissen, dass sie infiziert ist. Von der Infektion ihres Vaters hatte sie ebenfalls noch keine Kenntnis. Die Bielefelderin, deren Alter die Stadt aus Datenschutzgründen nicht mitgeteilt hat, hatte offenbar bis dahin keinerlei Symptome. Ihr ging es gut, denn sie hatte den Kollegen anlässlich ihres Geburtstags an diesem Tag noch Kuchen spendiert.

Bei der Konferenz anwesend waren auch Ordnungsamtsleiter Friedhelm Feldmann sowie ein Personalrats-Mitarbeiter und jemand aus der Stadtverwaltung, der die internen Abläufe in der Zulassungsstelle prüft. Die Besprechung dauerte drei Stunden. Es sollen Abstände eingehalten worden sein. Die Teilnehmer sollen Mund-Nasenschutz getragen haben. Einige saßen hinter einer Spuckschutzscheibe. Die Lüftungsanlage im Foyer sei unzureichend, weil sie die zum Teil warme Luft von draußen in die Räume pustet, sagte Sozialdezernent Ingo Nürnberger.

Kein Termin abgesagt

Oberbürgermeister Pit Clausen hat am Samstag von dem Fall erfahren. Am Sonntag tagte dann erstmals der Corona-Krisenstab. Ebenfalls am Sonntag wurde die Zulassungsstelle von acht Leuten vier Stunden lang gereinigt und zusätzlich desinfiziert. Nur so war es möglich, überhaupt am Montag wiederzueröffnen. Fünf ehemalige Mitarbeiter der Zulassungsstelle wurden aufgrund der Ausnahmesituation versetzt, um den Notbetrieb vor Ort sicher zu stellen. Laut Pit Clausen habe sich die Wartezeit gestern im Schnitt nur um etwa 20 Minuten erhöht. Kein Termin sei abgesagt worden. Bis Mitte der Woche soll dort wieder so gearbeitet werden, wie es zuletzt der Fall war. Kunden und Autohändler hatten festgestellt, dass die Situation sich nach den zuvor zum Teil katastrophalen Zuständen etwas verbessert habe.

Die Mitarbeiter, darunter der Geschäftsbereichsleiter Jens Middeldorf, und die Leiterin der Zulassungsstelle, Claudia Stabenow, müssen bis 4. August im Homeoffice arbeiten. Sie werden mit der nötigen Technik ausgestattet. Die Taschen der Kfz-Händler, in denen sich die Zulassungspapiere ihrer Kunden befinden, werden mit Boten zu ihnen nach Hause gebracht.

Pandemie-Abteilung

Ob sich auch Menschen angesteckt haben könnten, die zuletzt in der Zulassungsstelle waren, ist unklar. 70 Zulassungen sind hier täglich erfolgt. Die Aufenthaltsdauer: etwa 20 Minuten pro Kunde.

Der OB kündigte an, einen neuen Standort für die Zulassungsstelle suchen zu wollen. Ebenso möchte die Stadt im Hinblick auf den Herbst 20 Mitarbeiter einstellen, darunter medizinische Fachangestellte, Ärzte und Hygieneexperten. Ziel ist es, eine Abteilung zu bilden, die sich ausschließlich um die Pandemie in Bielefeld kümmern soll.

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