Stadt und Aachener Grund erarbeiten bis 2026 neues Konzept für das Areal
Karstadt-Gebäude wird abgerissen

Bielefeld (WB/MiS/St). Das Bielefelder Karstadt-Haus soll nach Auslaufen des Mietvertrages im Jahr 2026 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Eigentümer der Immobilie, die Aachener Grundvermögen, will dazu mit der Stadt Bielefeld ein Quartiersentwicklungskonzept erarbeiten. Denkbar wäre eine Mischung aus Handel, Gastronomie und Wohnen. Dabei kann sich die Aachener Grund auch eine weitere Zusammenarbeit mit Karstadt vorstellen.

Mittwoch, 29.07.2020, 10:42 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 09:02 Uhr
Bis Mitte 2026 läuft der Mietvertrag von Karstadt, dann soll das Gebäude abgerissen werden.
Foto: Bernhard Pierel

Dienstagabend war der neue Mietvertrag zwischen Galeria Karstadt Kaufhof und der Aachener Grund für das Bielefelder Haus von Arndt Geiwitz unterzeichnet worden. Er ist der Generalbevollmächtigte für das Schutzschirmverfahren zur Rettung des Warenhaus-Konzerns. Der Fortbestand der Karstadt-Filiale in Bielefeld ist damit für die kommenden sechs Jahre gesichert. Der neue Vertrag sieht eine deutlich reduzierte Miete vor und läuft bis Ende Juni 2026.

Er ist das Ergebnis längerer Verhandlungen zwischen Karstadt, dem Generalbevollmächtigten, Bielefelds Baudezernent Gregor Moss und der Aachener Grund.

Karstadt soll auch nach 2026 bleiben

Für Spekulationen, wie das Karstadt-Areal nach einer Quartiersneuplanung künftig aussehen könnte, sei es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, erklärte Dr. Frank Wenzel, Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen. „In Abstimmung mit der Stadt Bielefeld werden wir erarbeiten, welche Lösungen in Frage kommen, die der besten Einkaufslage des Grundstücks in Bielefeld gerecht werden und diese auch langfristig sichern können.“ Die geplante Quartiersentwicklung werde einen Abriss der in die Jahre gekommenen bisherigen Karstadt-Immobilie einschließen. Auch Karstadt werde man in die Überlegungen einbeziehen: „Wir würden uns freuen, wenn die Kaufhauskette langfristig mit einer Filiale in Bielefeld vertreten bleibt.“

Um dies zu erreichen, soll ein künftiger Neubau kleinere Handelsflächen beinhalten, denn man gehe nicht davon aus, dass Karstadt in Zukunft noch eine solche Fläche wie derzeit benötige, erläutert Sonja Nees, Leiterin Kommunikation der Aachener Grund. Ob bei einer „Revitalisierung“ des Areals (die Aachener Grundvermögen besitzt weite Teile der Gebäude zwischen Arndt-, Bahnhof-, Friedenstraße und Jahnplatz, darunter auch das Sport-Scheck-haus) auch die angrenzenden Gebäude mit einbezogen werden, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden.

Restaurant schließt

„Le Buffet“, das Restaurant im Karstadt-Gebäude, wird zum 31. Oktober geschlossen. „Aus wirtschaftlichen Gründen,“ wie Ina Dziendziol, Pressesprecherin der Le Buffet Restaurant & Café GmbH, auf Anfrage bestätigt. Vor gut neun Jahren war das Restaurant damals mit 300 Plätzen komplett neu gestaltet, das Angebot verändert worden. Ein Jahr später waren die Restaurants aus der Karstadt AG ausgegliedert worden. Von der Insolvenz des Warenhauskonzerns sind auch die Gastro-Tochterunternehmen betroffen. Aus diesem Grunde sollen bundesweit Standorte geschlossen werden.

...

Neuer Bebauungsplan nötig

Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) begrüßte die gefundene Lösung. Über die Neugestaltung des Quartiers sei schon lange diskutiert worden. „Jetzt ist eine zukunftsweisende Lösung gefunden worden.“ Planungsdezernent Gregor Moss berichtete von konstruktiven Gesprächen, die in den vergangenen Wochen geführt worden seien. Die nun gefundene Lösung habe sich schon seit längerem abgezeichnet. „Wir mussten aber die Unterzeichnung des Mietvertrages abwarten.“ Jetzt sei abzuwarten, welche Vorschläge die Aachener Grund machen werde. Ein neuer Bebauungsplan müsse aufgestellt werden. Über den hätten dann die politischen Gremien zu entscheiden.

Renovierungsarbeiten am bestehenden Karstadt-Gebäude, das über eine Gesamtfläche von 30.000 Quadratmetern verfügt, seien seitens der Aachener Grundvermögen nicht geplant. Dafür ist wie bislang auch vertraglich der Galerie-Karstadt-Kaufhof-Konzern durch einen sogenannten „Triple-Net-Mietvertrag“ zuständig.

Stadt soll auf Branchenmix Einfluss nehmen

Die Zukunft der Karstadt-Immobilie war auch ein Thema beim jüngsten Video-Talk von Ralf Nettelstroth, OB-Kandidat der CDU, am vergangenen Dienstagabend. Gast des Talks war Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes OWL und langjähriger Chef des Bielefelder Karstadt-Hauses. Eine Kombination von Handel und Wohnen kann auch er sich an diesem Standort vorstellen. „Das ist eine 1-A-Lage für den Einzelhandel und für hochwertigen Wohnraum“, so Kunz, der auf ein ähnliches Konzept in der Marktpassage verwies. Für das Warenhaus als Geschäftsmodell sieht der Hauptgeschäftsführer weiterhin eine Zukunft, man müsse jedoch je nach Standort das Sortiment überdenken.

In diesem Zusammenhang bedauerte Kunz die abnehmende Einbindung des Handelsverbandes bei der Neuansiedlung von Geschäften in Bielefeld. „Früher war es so: Wenn ein Geschäft leer war, hat der Vermieter bei uns angerufen und gefragt, welche Branche man anfragen und stärken solle. Das konnten wir sagen,“ so Kunz und weiter: „Heute ruft keiner mehr an.“ Er regt an, eine Liste im Internet zu veröffentlichen, „auf der steht: Wenn Du Dich in Bielefeld ansiedeln willst, bist Du mit der und der Branche herzlich willkommen.“ Auch die Stadt sollte versuchen, mehr auf einen geeigneten Branchenmix Einfluss zu nehmen, um die Attraktivität der Einkaufsstadt zu erhalten.

Kommentare

navajo  schrieb: 29.07.2020 12:39
Es ist eine sehr gute Nachricht für Bielefeld, dass Karstadt bleibt. Es wäre wünschenswert, das Warenhaus auch über 2026 hinaus in der Stadt zu halten. Falls Karstadt dann weniger Platz benötigen sollte, könnten die frei werdenden Flächen zum Beispiel für ein Motel One oder Wohnungen genutzt werden. Auf diese Weise würde die Innenstadt noch lebendiger werden!
1 Kommentare
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7512917?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
„Ein rabenschwarzer Tag für Bielefeld“
Die Bahnhofstraße am Samstagnachmittag: Viele Menschen waren unterwegs, aber deutlich weniger als am „Black Friday“, dem Tag der Schnäppchenjäger.
Nachrichten-Ticker