Bielefeld: Corona-Massentests des Kita- und Schulpersonals – Rathausöffnung – Digitalisierung ++ mit Kommentar
Mammutaufgaben in Zeiten von Corona

Bielefeld (WB). Rathausöffnung ab 3. August, Massentests für die Mitarbeiter der Schulen und Kitas nächste und übernächste Woche und die Umsetzung des Digitalpakts Schule bis Mitte August: Es sind Mammutaufgaben, die in Zeiten von Corona in den nächsten Tagen und Wochen anstehen. Ob sie gelingen, wird von der Disziplin der Menschen, aber auch von der Leistungsfähigkeit aller Beteiligten abhängen.

Freitag, 31.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 10:08 Uhr
Das Rathaus und alle Verwaltungsstellen öffnen für den Publikumsverkehr wieder ab 3. August. Dort ist eine vorherige Terminvereinbarung nicht mehr Pflicht. In der Bürgerberatung beraten Frank Heienbrock und die dortigen Mitarbeiter weiter nur mit vorheriger Terminvereinbarung. Foto: Bernhard Pierel
Das Rathaus und alle Verwaltungsstellen öffnen für den Publikumsverkehr wieder ab 3. August. Dort ist eine vorherige Terminvereinbarung nicht mehr Pflicht. In der Bürgerberatung beraten Frank Heienbrock und die dortigen Mitarbeiter weiter nur mit vorheriger Terminvereinbarung. Foto: Bernhard Pierel

Rathaus-Öffnung

Das Rathaus und die Verwaltungsstellen öffnen wieder ab Montag, 3. August, für den Publikumsverkehr – bewusst noch in den Sommerferien. Die vorherige Terminvereinbarung ist nicht mehr nötig, aber erwünscht. So sollen lange Wartezeiten gar nicht erst entstehen. Die „Aha“-Regel (Abstand, Hygiene und Alltagsmaske) gilt wie bisher. Vermieden werden sollen zu viele Menschen in zum Teil zu engen Gängen und Wartebereichen. Große Familien oder andere Gruppen sollen nicht in der Behörde erscheinen, wenn es nicht erforderlich ist. Die „Einbahnstraßenregelung“ bleibt; ebenfalls das Eintragen mit Namen, Adresse und Telefon in Listen.

Der Oberbürgermeister bezeichnet die Öffnung als ein Abwägen der Ansteckungsgefahr auf der einen und dem Anspruch, ein offenes Rathaus zu sein, auf der anderen Seite. „Der gesamte Betrieb wird quasi wieder hochgefahren“, sagt Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger. Städtische Mitarbeiter kontrollieren die Einhaltung der Regeln. Wenn es drinnen zu eng werden sollte, werden die Besucher gebeten, draußen zu warten oder in extra dafür geschaffene Bereiche auszuweichen.

Corona-Massentests

Im Hinblick auf den Regelbetrieb in Schulen und Kitas ab Montag, 17. August, beginnen in der kommenden Woche die ersten Corona-Massentests. Zunächst können sich etwa 4000 Kita-Mitarbeiter/innen in der Woche vom 3. bis 9. August testen lassen. Die etwa 5000 Mitarbeiter in den Schulen sind eine Woche später an der Reihe. Die Tests laufen auf freiwilliger Basis – zunächst bis Anfang Oktober. Sie werden von den jeweiligen Hausärzten gemacht und von den Krankenkassen übernommen.

„Alleine diese Massentests sind eine riesengroße Herausforderung – für die Kitas, für die Schulen, Ärzte, Labore und nicht zuletzt für das Gesundheitsamt“, sagt Ingo Nürnberger. Zumal sie nicht einmalig durchgeführt werden. Die Beschäftigten der Kitas und Schulen können sich alle 14 Tage freiwillig überprüfen lassen. Laut Nürnberger seien viele Fragen ungeklärt, die Ärzte zum Teil überfordert oder überlastet. Er und auch der Oberbürgermeister kritisieren das Land NRW dafür, dass sehr vieles ungeordnet laufe und so ein Massentest nicht mal eben nebenbei zu stemmen sei.

Dazu hatte Jasmin Wahl-Schwentker (FDP) zuletzt folgendes gesagt: „Ich kann es nicht mehr hören, dass Sie verärgert oder nicht zuständig sind. Kümmern Sie sich einfach darum.“ Angeblich soll eine Konferenz mit Ärzte-Vertretern und auch der Kassenärztlichen Vereinigung zumindest vor Ort für mehr Klarheit gesorgt haben. Nürnberger verweist bereits auf den Herbst, wenn mancher Schnupfen von Kindern zum Chaos führen könnte. „In der Erkältungszeit brauchen wir Geduld, starke Nerven und Besonnenheit.“ Nach wie vor gilt: Bei Krankheitssymptomen welcher Art auch immer müssen die Kinder zu Hause bleiben. Das sei schon vor Corona richtig gewesen, meint Nürnberger.

Kfz-Zulassungsstelle

In der Kfz-Zulassungsstelle herrscht nach dem Coronafall plus der drei weiteren Infizierten und der damit verbundenen Quarantäne für fast 40 Mitarbeiter weiter der Ausnahmezustand. Ingo Nürnberger spricht zwar von sehr geringen Wartezeiten trotz des sehr kleinen Teams. Aber Termine sind online derzeit nicht zu bekommen (Stand Donnerstag, 15 Uhr) – weder für die Zulassung eines neuen Fahrzeugs noch für eine Umschreibung oder etwa ein Saisonkennzeichen. Die zunächst bis zum 4. August verordnete Quarantäne für die Mitarbeiter könnte sich laut Nürnberger aufgrund der weiteren positiven Tests und damit verbunden der Inkubationszeit noch verlängern. Ein schnelles Ende der dort ohnehin schon schwierigen Situation sei nicht in Sicht.

Pandemie-Abteilung

Im Hinblick auf Herbst und Winter sowie die Sorge um eine zweite Welle möchte die Stadt – wie kurz berichtet – eine Pandemie-Abteilung einrichten. Dafür werden knapp 40 neue Mitarbeiter befristet eingestellt, die bei den Mammutaufgaben der Corona-Krise helfen sollen. Darunter Studenten, aber auch medizinische Fachangestellte, Ärzte und Hygieneexperten. Nur mit eigenem Personal sei die Situation nicht zu stemmen, sagt der Oberbürgermeister. Schon deshalb nicht, weil der Betrieb im Rathaus wieder öffnet und auch alle Mitarbeiter in Kitas und Schulen in ihren dortigen Arbeitsbereichen gebraucht würden.

Digitalisierung an Schulen

In Bielefeld zügig umgesetzt werden muss auch der sogenannte Digitalpakt Schule. Die Pandemie hat den Bedarf nach leistungsfähigen Infrastrukturen in den Schulen und nach digitalen Bildungsinhalten überdeutlich gemacht. Bielefeld kann 3,5 Millionen Euro Fördermittel des Bundes in Anspruch nehmen, muss aber die Umsetzungserwartung bis zum 12. August erfüllt haben. Diese sieht die Anschaffung von 7000 digitalen Endgeräten vor mit dem Ziel, sie einsetzen zu können, wenn der Regelbetrieb an Schulen gestartet wird.

Der Oberbürgermeister und sein Sozialdezernent kritisieren in diesem Zusammenhang die schwarz-gelbe Landesregierung. Es würden unkonkrete Verordnungen erlassen, die dann vor Ort umgesetzt werden sollen, obwohl es noch eine ganze Menge offener Fragen und Klärungsbedarf gibt. Nürnberger: „Das ist nicht einfach damit getan, dass wir 7000 Geräte irgendwo kaufen, sondern dieser Prozess müsste viel strukturierter und nicht so schnell ablaufen.“ Clausen sagt: „Dieses Projekt bietet sich nicht zur Profilierung einer Landesregierung an.“

 

Kommentar

Die Pandemie zeigt überdeutlich: Wer flexibel ist, sich schnell auf neue Situationen einstellen kann und nicht zu sehr an alten Gewohnheiten hängt, wird die Krise am besten meistern können. Das betrifft das Arbeits- und Privatleben, das gilt für Behörden, Firmen und Unternehmen gleichermaßen. Die Stadt leistet in Zeiten von Corona grundsätzlich gute Arbeit, von Ausnahmen einmal abgesehen. Die Krise zeigt aber auch, dass im Bereich der Digitalisierung bei der Stadt, vor allem in der Kfz-Zulassungsstelle und an Schulen noch sehr viel Luft nach oben ist. André Best

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