18-Jähriger soll bei missglücktem Raubüberfall in Bielefeld 17-Jährigen umgebracht haben
Mordanklage nach tödlichem Messerstich

Bielefeld (WB). Drei Monate nach der Bluttat an der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg – ein Bielefelder (17) wurde am 30. April in Baumheide bei einem Raubversuch erstochen – hat der ermittelnde Staatsanwalt Veit Walter Mordanklage gegen einen 18-Jährigen erhoben. Der Angeklagte, ein polizeibekannter Intensivtäter aus Baumheide, soll sich des Mordes aus Habgier schuldig gemacht haben. Er war erst fünf Wochen vor der Tat aus der U-Haft entlassen worden.

Samstag, 01.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 13:10 Uhr
Am Tatort unter der Überführung der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg erinnert eine Gedenkstätte an das Opfer. Der 17-Jährige starb vier Tage vor seinem Geburtstag. Foto: Starke
Am Tatort unter der Überführung der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg erinnert eine Gedenkstätte an das Opfer. Der 17-Jährige starb vier Tage vor seinem Geburtstag. Foto: Starke

Von Anfang November an soll dem jungen Mann vor einem Jugend-Schwurgericht (3. Große Strafkammer) der Prozess gemacht werden, sagte Gerichtssprecher Phil Gabler. Der Angeklagte – ihm wird in einem weiteren Strafverfahren die Vergewaltigung einer Minderjährigen vorgeworfen – gilt juristisch als Heranwachsender. Sollte der 18-Jährige gemäß seines Alters nach Jugendrecht wegen Mordes verurteilt werden, sind bis zu zehn Jahre Haft möglich. Nach dem allgemeinen Strafrecht können bis zu 15 Jahre Haft verhängt werden.

Am späten Abend des 30. April ereignete sich vor den Stadtbahngleisen an der Haltestelle Schelpmilser Weg eine Bluttat, die nicht nur zutiefst erschütterte, sondern auch hohe politische Wellen bis in den Düsseldorfer Landtag schlug. Etwa eine Stunde vor Mitternacht sollen der Angeklagte und das Opfer, der 17-jährige Bielefelder, zufällig aufeinander getroffen sein. Beide kannten sich nicht.

Der jüngere Mann wollte der Anklage zufolge nach Hause fahren, als ihn der 18-Jährige plötzlich auf dem Bahnsteig mit einem Messer bedroht und die Herausgabe seines Rucksacks verlangt haben soll. Obwohl der 17-Jährige seinem Gegner körperlich überlegen war, hatte er keine Chance. Nach der Weigerung, seinen Rucksack heraus zu geben, soll der Räuber das Opfer angeschrien haben, ihm die Beute sofort zu übergeben, und dann unvermittelt zugestochen haben. Der 17-Jährige erlitt einen Stich in die Beckenschlagader und verblutete an der Haltestelle trotz des Eingreifens von Ersthelfern innerhalb kurzer Zeit noch vor Eintreffen eines Notarztes, heißt es in der Anklage.

In der Zeit bis zu seiner Festnahme am folgenden Tag soll sich der mutmaßliche Täter versteckt haben. Bevor die Ermittler einer Mordkommission den Mann ergriffen, soll der 18-Jährige die Messerattacke im Bekanntenkreis gestanden haben. Seitdem sitzt er wieder in U-Haft und schweigt.

Der Fall wurde politisch hochbrisant und beschäftigte zweimal den Rechtsausschuss des NRW-Landtages , nachdem diese Zeitung exklusiv berichtet hatte, dass der Angeklagte fünf Wochen vor dem Mord auf Anweisung einer Jugendrichterin aus der U-Haft entlassen worden war. Begründung: Weitere U-Haft sei unverhältnismäßig, weil der junge Mann eine Bewährungsstrafe zu erwarten habe. Hinter Gittern saß der 18-Jährige erstmals von Ende Oktober 2019 bis zum 26. März, weil er an einer anderen Stadtbahnhaltestelle in Baumheide mit einem Nothammer bewaffnet ein weiteres Opfer überfallen und ausgeraubt haben soll.

 

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