Emily Giesbrecht und Julius Schröder aus Bielefeld gehen auf Europa-Tour
Urlaub auf sechs Quadratmetern im umgebauten Camping-Van

Bielefeld (WB). Ein paar Kleinigkeiten sind noch zu erledigen, dann begeben sich Emily Giesbrecht und Julius Schröder auf große Fahrt. Das junge Paar aus Bielefeld, beide 20 Jahre, hat einen 14 Jahre alten Bulli eigenständig in einen Camper-Van umgebaut. Mitte August geht es in dem Mobilheim auf Rädern dann auf Europa-Tour; trotz Corona.

Samstag, 01.08.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 14:20 Uhr
Letzte Vorbereitungen: Die 20-jährige Emily Giesbrecht bringt Gardinen an den Fenstern des Campers an. Foto: Bernhard Pierel
Letzte Vorbereitungen: Die 20-jährige Emily Giesbrecht bringt Gardinen an den Fenstern des Campers an. Foto: Bernhard Pierel

„Damit erfüllen wir uns beide einen Traum“, sagt das reiselustige Pärchen, das seit vier Jahren zusammen ist, bislang aber noch nicht zusammen wohnt. „Der Camper ist sozusagen unser erstes gemeinsames Eigenheim“, schmunzelt Julius Schröder. Wie auch seine Freundin hat der 20-Jährige in diesem Sommer eine Ausbildung abgeschlossen; er zum Zimmermann, sie zur Medienkauffrau im Verlagshaus des WESTFALEN-BLATTes. „Bevor wir dann richtig ins Berufsleben starten, wollen wir noch eine große Reise machen und etwas von der Welt sehen“, erzählt Emily.

1,93 Meter groß

Und so reifte die Idee. Im Juli 2019 kauften die Bielefelder einen Renault Master, Baujahr 2006, Dieselmotor, 130 PS, knapp 100.000 Kilometer auf dem Tacho. Kostenpunkt: 5000 Euro. Und dann gingen die Umbauarbeiten auch schon los. „Emily ist die Ideengeberin. Ich versuche dann, das Gewünschte umzusetzen“, plaudert Julius aus dem Nähkästchen. Seine handwerkliche Begabung als Zimmerer kommt ihm dabei natürlich zu Gute. Vinylboden verlegen, Dach- und Seitenfenster einbauen, ein Bett und eine Sitzecke konstruieren, eine Küchenzeile mit Kochmöglichkeit entwerfen, eine Solarplatte auf das Dach montieren. Und das alles entsprechend isolieren und die richtige Elektrik installieren: Da sind Zeit, Nerven und Geschick gefordert, mittlerweile ist aber fast alles fertig. Nur ein paar Kabel müssen noch verlegt und neue Reifen aufgezogen werden. „Die Schiebekonstruktion fürs Bett ist auch noch nicht ganz fertig“, erklärt Julius. Kein ganz unwichtiger Aspekt, denn er ist 1,93 Meter groß und da zählt jeder Zentimeter. Erst recht, wenn  man nur sechs Quadratmeter „Wohnfläche“ zur Verfügung hat.

Etwa 2000 Euro sind in die Umbaumaßnahmen, die unter Mithilfe von Freunden und Familie komplett in Eigenregie durchgeführt worden sind, gesteckt worden. „Ich habe einen Kostenplan erstellt“, betont Emily Giesbrecht. Und an den will sich das dynamische Paar auch halten. Demnach stehen für den zweimonatigen Road-Trip durch Europa etwa 6000 Euro zur Verfügung – für beide zusammen. „Wir haben lange auf die Reise hin gespart. Zum Glück ist Campen ja nicht so teuer. Wir wollen uns in dem umgebauten Van auch möglichst viel selbst versorgen und nicht in Saus und Braus leben“, sagt Emily.

Traum in Gefahr

Die Reiseroute durch Deutschland, Österreich und Italien steht seit längerer Zeit. Doch dann kam Corona, Landesgrenzen wurden dicht gemacht und der Traum geriet in Gefahr. „Zuerst dachten wir, dass unsere Reise wohl ins Wasser fallen muss, doch dann kehrte die Hoffnung zurück.“ Und nun soll es am 15. August losgehen. „Wir haben lange überlegt und werden die aktuelle Coronalage natürlich immer im Auge behalten, aber so, wie wir reisen, sind wir zum Glück nur einem geringen Gesundheitsrisiko ausgesetzt“, erklären die beiden, die natürlich ausreichend Schutzmasken mit an Bord haben werden. Um nicht ausschließlich auf den Camping-Van angewiesen zu sein, kommen noch zwei Fahrräder auf den Heckträger. „So bleiben wir aktiv.“

Die ersten Reiseziele liegen in Bayern – Walchensee, Chiemsee oder Königsee stehen auf der Route. „Wir wollen möglichst viel sehen und das Leben genießen.“ Weiter geht’s über Österreich mit Zielen wie Salzburg, Wien, Innsbruck oder Achensee bis nach Italien, wo der Schwerpunkt der Reise liegen soll. Gardasee, Verona, Mailand, Lago Maggiore, Genua, Florenz, Rom, Neapel: Die Italien-Liste ist lang. „Mal sehen, wohin uns die Reise führen wird. Das Schöne ist, dass wir total ungebunden sind. Wir sind selbst gespannt, wie uns das Camping-Leben gefallen wird“, sagt Emily Giesbrecht.

Reiseblog

Und wenn es dem jungen Paar aus Bielefeld gefallen sollte, dann könnten demnächst noch weitere Touren in dem umgebauten Camper auf der Agenda stehen. „Frankreich, Portugal oder Spanien würden wir auch noch gerne sehen.“ Das hat aber Zeit bis nach Corona. Aktuell wächst bei den beiden 20-Jährigen von Tag zu Tag die Vorfreude auf das, was vor ihnen liegt. Und da Emily Giesbrecht gerne schreibt und fotografiert, wird sie die Daheimgebliebenen über einen Reiseblog auf dem Laufenden halten. Dafür wurde sogar ein eigenes Logo entworfen. Der Blog ist abrufbar unter: ouradvanture.de .

Für Emily Giesbrecht und Julius Schröder geht ein Traum in Erfüllung. Das junge Paar aus Bielefeld begibt sich im umgebauten Camping-Bulli für zwei Monate auf große Fahrt. Ein Traumfänger darf dabei natürlich nicht fehlen.

Für Emily Giesbrecht und Julius Schröder geht ein Traum in Erfüllung. Das junge Paar aus Bielefeld begibt sich im umgebauten Camping-Bulli für zwei Monate auf große Fahrt. Ein Traumfänger darf dabei natürlich nicht fehlen. Foto: Bernhard Pierel

Julius Schröder (20) verpasst der Schiebe-Konstruktion für das Bett den Feinschliff. Alles ist in Eigenregie umgebaut worden.

Julius Schröder (20) verpasst der Schiebe-Konstruktion für das Bett den Feinschliff. Alles ist in Eigenregie umgebaut worden. Foto: Bernhard Pierel

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