Feuer in Bielefelder Farb- und Chemiefirma gerade noch rechtzeitig entdeckt
Nachbar verhindert Brandkatastrophe

Bielefeld (WB/hz). Hermann Sötebier (79) ist der Held des Tages in Bielefeld. Der Rentner verhindert am Sonntagmittag eine Brandkatastrophe in einer Farb- und Chemiefirma im Stadtteil Jöllenbeck. Sötebier hört das Piepen der Brandmeldeanlage und alarmiert sofort die Feuerwehr. Nur deswegen kommt es nicht zum Großbrand im Bielefelder Norden.

Sonntag, 02.08.2020, 15:56 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 17:08 Uhr
In dieser Farb- und Chemiefirma im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck brach am Sonntagmittag ein Feuer aus. 50 Brandbekämpfer waren im Einsatz. Foto: Jens Heinze
In dieser Farb- und Chemiefirma im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck brach am Sonntagmittag ein Feuer aus. 50 Brandbekämpfer waren im Einsatz. Foto: Jens Heinze

„Davor habe ich mein Leben lang Angst gehabt“, sagt Hermann Sötebier und zeigt auf eine auf dem Hof stehende halb verbrannte Holzpalette. Darauf stehen ein großes, angesengtes blaues Fass mit Lack- und Verdünnungsresten und mehrere kleinere Behälter.

Hermann Sötebier

Hermann Sötebier Foto: Privat

Sötebier, bis vor zehn Inhaber der gleichnamigen Farb- und Chemiefirma im kleinen Industriegebiet Tiesloh nahe der Beckendorfstraße am Ortsausgang Jöllenbeck und nach wie vor Besitzer der ganzen Immobilie, hat am Sonntagmittag einen Großbrand mit womöglich weitreichenden Folgen für Menschen und Umwelt verhindert. Gegen 12.40 Uhr hören der 79-Jährige und seine Familie im Wohnhaus neben der Produktions- und Lagerhalle den schrillen Piepalarm der Brandmeldeanlage. Der Rentner rennt den kurzen Fußweg zum zweigeschossigen, grünen Bau und sieht nach. Da ist das Innere des Gebäudes bereits stark verqualmt. „Ich bin keinen Schritt weiter gegangen“, sagt der Jöllenbecker Rentner. Sofort alarmiert er über Notruf 112 die Feuerwehr.

Die ist nach wenigen Minuten vor Ort und beginnt mit den Löscharbeiten. Wegen der besonderen Brisanz, die von einer Farb- und Chemiefirma ausgeht, rücken um die 50 Brandbekämpfer von der Berufsfeuerwehr und den freiwilligen Löschabteilungen Jöllenbeck und Theesen mit 15 Fahrzeugen an. Sogar mit dem alten Lastwagen des Jöllenbecker Feuerwehr-Verpflegungszuges, dem „blaue Bomber“, kommen Feuerwehrleute vorgefahren.

Wie Bielefelds stellvertretender Feuerwehrchef Thomas Brüggemeier (er hat den Einsatz geleitet) später berichtet, gehen zwei Angriffstrupps unter schwerem Atemschutz in der Halle gegen das Feuer vor. Das ist letztlich mit Wasser aus einem C-Rohr schnell gelöscht. Gerade noch rechtzeitig, wie sich heraus stellt. Eine Holzpalette unter einem 200 Liter-Fass mit Lack- und Verdünnungsresten ist bereits halb verbrannt.

Diese Palette wird mit einer anderen, auf der ebenfalls mehrere große und kleinere Behälter mit brisantem Inhalt stehen, mit Hilfe eines Gabelstaplers aus dem Brandgebäude auf den Hof geholt. Ein Feuerwehrmann kontrolliert mit einer Wärmebildkamera immer wieder, ob sich die bereits stark erhitzten Chemikalien in den Behältern wieder abkühlen. Schließlich gibt es Entwarnung – Explosionsgefahr besteht nicht mehr.

Zwei Paletten mit Chemikalienbehältern sind nach dem Brand aus der Halle auf den Hof gebracht worden.

Zwei Paletten mit Chemikalienbehältern sind nach dem Brand aus der Halle auf den Hof gebracht worden. Foto: Christian Müller

„Wenn das hier alles hoch gegangen wäre, hätten wir ein ganz anderes Feuer gehabt“, mag sich Vize-Wehrchef Brüggemeier gar nicht vorstellen, was ohne den beherzten Einsatz des Nachbarn und Immobilieneigners Hermann Sötebier alles hätte passieren können. Wie brisant die Lage bereits war, zeigen die Nachlöscharbeiten. Drei große Belüfter müssen die Feuerwehrleute einsetzen, um den massiven Rauch und Qualm aus der Produktions- und Lagerhalle durch die weit geöffneten Türen ins Freie zu drücken.

Eckhard Meyer, Inhaber der Farb- und Chemiefirma am Tiesloh, kommt kurz nach Ende der Löscharbeiten auf den Hof seiner Firma gehetzt. Mit Feuerwehrleuten geht es später zur Schadenbegutachtung in die Halle. „Alles in allem haben wir richtig Glück gehabt“, meint Meyer, als er wieder ins Freie kommt.

Nach knapp zwei Stunden ist für die Feuerwehr der Einsatz am frühen Sonntagnachmittag gegen 14.30 Uhr beendet. Brandermittler der Kripo übernehmen am Tiesloh. Denn die Frage, warum in einer abgeschlossenen Halle einer Farb- und Chemiefirma eine Holzpalette in Brand geraten kann, ist vorerst ungeklärt.

 

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