Ein Kommentar zu Zweiflern und Ignoranten, Masken- und Abstandsverweigerern
Die rote Ampel in Corona-Zeiten

Die Zahl der Infizierten nimmt zu, aber leider auch die der Masken- und Abstandsverweigerer. Auch in Bielefeld gibt es mittlerweile Zweifler und Ignoranten. Jüngstes Beispiel ist eine Handgreiflichkeit in einem Linienbus. Ein Bielefelder hatte einen Jugendlichen an seine Maskenpflicht erinnert – und bekam einen Schlag ins Gesicht.

Samstag, 08.08.2020, 05:55 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 18:46 Uhr
Der Kampf gegen das Virus ist auch ein Kampf gegen Zweifler und Ignoranten. Foto: Jörn Hannemann
Der Kampf gegen das Virus ist auch ein Kampf gegen Zweifler und Ignoranten. Foto: Jörn Hannemann

Die Ohrfeige ist ein Einzelfall und sollte nicht überbewertet werden. Aber ein nachlassendes Gefahrenbewusstsein im Zusammenhang mit dem Virus ist auch in Bielefeld wahrzunehmen. Als die Maskenpflicht an Schulen angekündigt wurde, sprachen Betroffene von einer „Qual“ und riefen zum Widerstand auf. In einer Whatsapp-Gruppe sollen Eltern gebeten worden sein, sich in Unterschriftenlisten gegen die Maskenpflicht an Schulen einzutragen.  Wenn dann noch der Sprecher der Bielefelder Kinderärzte indirekt zum Boykott der Tests für Urlaubsrückkehrer aufruft, ist die Grenze überschritten.

Die Ärzte mögen ja Recht haben, dass ein Test aufgrund der Inkubationszeit keine endgültige Gewissheit garantiert, ob ein Mensch infiziert ist oder nicht. Aber sich den Regeln widersetzen zu wollen, weil man die Tests für sinnlos, übertrieben und unzumutbar hält, zeugt nicht gerade von einem vorbildlichen, mitmenschlichen Verhalten. Im Rathaus ist diese Haltung nicht gerade auf Freude gestoßen. Auch wenn die Kritik einiger Kinderärzte nicht unberechtigt ist: Aber wenn jeder seine eigenen Regeln aufzustellen versucht, dann wird die Bewältigung der Krise auf lange Sicht nicht gelingen. Wer das „Rot“ einer Ampel nicht richtig findet, fährt ja auch nicht einfach weiter. Meinungsfreiheit sollte nicht mit Handlungsfreiheit verwechselt werden. An die Regeln sollten sich alle halten, auch wenn es schwer fällt, mit Aufwand verbunden ist oder es auch Gegenargumente gibt.

Das gilt auch für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Zuletzt hatte sich ein Bielefelder gegen einen Test gewehrt. Die Folge war eine Strafe im dreistelligen Euro-Bereich. Höhere Geldbußen drohen Eltern völlig zu Recht, die ihre Kinder nach einer solchen Reise in die Kita oder Schule schicken, ohne zuvor einen Test gemacht zu haben oder in Quarantäne gewesen zu sein.

Die Zahl der Infektionen ist in Bielefeld vergleichsweise niedrig. Zum Glück müssen aktuell nur ganz wenige Menschen in Krankenhäusern behandelt oder beatmet werden. Aber es ist bereits das passiert, was nicht hätte passieren sollen. Die Zahl der Infektionen steigt weiter kontinuierlich. Bis einschließlich Samstag sind diese Woche 29 neue Coronafälle dazugekommen. Zwar gibt es auch Wiedergenesene. Aber eigentlich war vor Beginn der kalten Jahreszeit eine bessere Bilanz erhofft worden.

Denn im Herbst und Winter drohen höhere Infektionszahlen. Und auch Schulklassen und Kitagruppen werden schließen müssen – mehr als es bislang der Fall war. Das ist die Realität.

Einen neuen Lockdown will niemand. Deshalb müssen wir uns schützen und die Kritiker vom richtigen Weg überzeugen.

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