Insolvenzverwalter fordert 5,1 Millionen Euro – Sache geht vor Gericht
Middelhoff-Anwalt soll zahlen

Bielefeld (WB). Der „Fall Middelhoff“ geht in eine weitere juristische Runde: Nach der Privatinsolvenz des einstigen Top-Managers Thomas Middelhoff (67) im März 2015 zieht Insolvenzverwalter Thorsten Fuest bei der Suche nach angeblich verschwundenen Millionen nun erneut gegen dessen Anwalt Hartmut Fromm (75) und die Kanzlei Buse, Heberer, Fromm (Hamburg) vor Gericht.

Dienstag, 11.08.2020, 03:16 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 07:05 Uhr
Der ehemalige Top-Manager Thomas Middelhoff (rechts) mit seinem Anwalt Hartmut Fromm bei einem Prozess 2012 am Oberlandesgericht Hamm. Foto: dpa
Der ehemalige Top-Manager Thomas Middelhoff (rechts) mit seinem Anwalt Hartmut Fromm bei einem Prozess 2012 am Oberlandesgericht Hamm. Foto: dpa

Fromm soll 5,1 Millionen Euro zahlen – die Summe soll er beim Verkauf von Middelhoffs Villa in St. Tropez zum Preis von 23 Millionen Euro Gläubigern vorenthalten haben, ist Fuest überzeugt. Verhandlungstermin am Landgericht Bielefeld ist am 26. November, wie Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg am Montag sagte.

Anwalt Fromm hält die Millionen-Forderung für „völligen Quatsch“ und „Unsinn“, wie er dieser Zeitung sagte. „Hier wird eine alte Geschichte hochgekocht.“ Bereits im Frühjahr 2019 hätten die Behörden das Verfahren wegen Konkursbetrug eingestellt, betonte Fromm. Vom Verkauf der Villa habe er „nichts gehabt“. Auch Middelhoff hatte zuletzt bestritten, vor seiner Privatinsolvenz mit Hilfe seines Anwalts Fromm ein Millionenvermögen womöglich illegal verschoben und damit seine Gläubiger benachteiligt zu haben.

Vermögen beiseite geschafft?

Der vom Amtsgericht Bielefeld eingesetzte Insolvenzverwalter Fuest bleibt an dem Fall gleichwohl hartnäckig dran. „Es ist zutreffend, dass die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren eingestellt hat“, erklärte er jetzt. „Dabei hat sie allerdings wesentliche Gesichtspunkte des Sachverhalts unberücksichtigt gelassen. Nicht ohne Grund hat sie sich vorbehalten, das Ermittlungsverfahren wieder aufzunehmen, sofern die Zivilgerichte zu anderen Erkenntnissen kommen. Von Letzterem gehe ich aus“, erklärte Fuest.

Die private Pleite von Thomas Middelhoff, der einst Chef von Bertelsmann und der Karstadt-Mutter Arcandor sowie Manager eines britischen Finanzinvestors war und dabei Millionen verdiente, hat etliche Gläubiger auf den Plan gerufen. Sie vermuten, Middelhoff habe systematisch Vermögen beiseite geschafft. Unstrittig ist offenbar, wie die „Süddeutsche Zeitung“ schon 2018 schrieb, dass in den Jahren vor der Privatinsolvenz immer mehr vom Middelhoff-Vermögen in Gesellschaften floss, die sein Anwalt und persönlicher Intimus Fromm kontrolliert.

Drei Jahre Haft

Insolvenzverwalter Fuest zufolge meldeten Gläubiger Forderungen über 430 Millionen Euro an. Nach Fuests Überzeugung seien aber nur 70 Millionen gerechtfertigt. Ob die Gläubiger jemals diese Summe erhalten, ist zweifelhaft. Bisher hat Fuest 14 Millionen Euro aufgetrieben. Nach Abzug der Kosten kommt er damit auf einen aktuellen Masse-Bestand von zehn bis elf Millionen Euro.

Middelhoff wurde im November 2014 zu drei Jahren Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Noch im gleichen Jahr bestritt er Berichte, wonach er pleite sei oder kurz davor stünde.  Am 31. März 2015 aber folgte dann die Privatinsolvenz . Im November 2017 wurde Middelhoff vorzeitig aus der Haft entlassen. Er gibt sich geläutert, habe im Gefängnis zu Gott zurückgefunden. Er schrieb Bücher und tourte durch TV-Talkshows. Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin gegen Fromm wegen des Verdachts der Untreue. Fromm soll den Kunstmäzen Erich Marx (99) um 38 Millionen Euro erleichtert haben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7529185?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Der „einsame Wolf“ möchte duschen
„Hallo Herford“: Lobo und Hund „Kampfkrümel“ haben ihr Quartier in der Unterführung zum Bahnhof aufgeschlagen. Der gesamte Hausstand des 63-Jährigen passt in einige Tüten. Weil er Arthrose im Endstadium hat, ist der gebürtige Kölner auf den Rollator angewiesen. Seinen echten Namen verrät er nicht. Foto: Moritz Winde
Nachrichten-Ticker