Umsatzrückgang durch Coronakrise von durchschnittlich 53 Prozent – Kurzarbeit hilfreich
Einige Handwerke „voll erwischt“

Bielefeld (WB). „Der Konjunkturcrash hat einige Handwerke voll erwischt“, bilanziert Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer mit Rückblick auf die vergangenen Monate, in der die Coronavirus-Pandemie das bestimmende Thema war und ein wochenlanger Lockdown zu verkraften war. Dennoch: Er blickt vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Es darf eben keine Verschärfung der Situation geben.

Donnerstag, 13.08.2020, 05:00 Uhr
Jürgen Sautmann, Frank Wulfmeyer und Martin Lang (von links) ziehen eine Bilanz der vergangenen Monate, die durch die Pandemie geprägt waren. Entscheidend sei, betonen sie, dass die Wirtschaft insgesamt wieder anspringe. Foto: Kreishandwerkschaft/Müller
Jürgen Sautmann, Frank Wulfmeyer und Martin Lang (von links) ziehen eine Bilanz der vergangenen Monate, die durch die Pandemie geprägt waren. Entscheidend sei, betonen sie, dass die Wirtschaft insgesamt wieder anspringe. Foto: Kreishandwerkschaft/Müller

„Ich weiß noch genau: Es war ein Freitag Mitte März, ich war zur Montage in einem Neubau, als es erste Meldungen von Schulschließungen gab und eine erste Ahnung. Aber was wirklich auf uns zukommen würde...“ Das konnten weder Wulfmeyer noch sein frisch gewählter Stellvertreter Martin Lang oder Jürgen Sautmann als Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft nach einem guten bis sehr guten ersten Quartal vorhersehen.

Entscheidend: der Kundenkontakt

„Im Durchschnitt des Gesamthandwerks waren rund 77 Prozent der Betriebe von unterschiedlich starken Umsatzrückgängen betroffen“, sagt Sautmann. Der durchschnittliche Umsatzrückgang lag bei 53 Prozent. Tatsächlich schwanken die Zahlen stark von Handwerk zu Handwerk. „Betriebe mit weniger Kundenkontakt konnten recht gut weiterarbeiten“, sagt Wulfmeyer. Dazu zählt etwa das Bau- und Ausbauhandwerk.

Wer allerdings viel Kundenkontakt oder Laufkundschaft hat, litt stärker: ob es sich um den Kfz-Handel, die Gebäudereiniger, Gesundheitshandwerke – vom Orthopädie- bis zum Zahntechniker – oder auch um Bäckereien und Fleischereien handelte, denen so mancher Catering-Auftrag wegbrach. Völlig ausgebremst wurde für Wochen das Friseurhandwerk. „Und ein nicht erfolgter Haarschnitt kann eben nicht nachgeholt werden“, sagt Wulfmeyer.

Bislang keine Konkurse

Sautmann schätzt, dass etwa 70 Prozent der 1300 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt um die 20.000 Mitarbeitern und 2300 Auszubildenden Kurzarbeit angemeldet haben. „Das Handwerk ist recht personalintensiv, da hat die Kurzarbeit vieles abgefedert.“ Erfreulich sei zudem gewesen, dass Rat und Verwaltung der Stadt Bielefeld Steuern und Gebühren gestundet und damit für Erleichterungen gesorgt hätten.

„Bis heute verzeichnen wir keine Konkurse, und auch die Entlassung von Mitarbeitern aus wirtschaftlichen Gründen ist kein größeres Thema“, sagt Martin Lang. Mittlerweile habe sich die Auftragssituation wieder etwas normalisiert, aber noch nicht wieder den alten Stand von Februar/März erreicht.

Froh über mehr „freie Vergaben“

Entscheidend ist für das Handwerk, dass die Wirtschaft wieder anspringt und die Kaufkraft der Kunden erhalten bleibt. Im Bauhandwerk etwa, sagt Lang, seien große Projekte mit Vorlaufzeit geplant und würden auch durchgeführt. Die Wartezeiten sind mithin nicht wirklich kürzer geworden, wenngleich er erwartet, dass mancher private Häuslebauer oder Immobilienbesitzer mit Neubau, Anbau oder Renovierung erst einmal abwarten werde. „Auf ein neues Dach wartet man also weiter neun Wochen, was aber planbar ist; wenn nur ein Dachflächenfenster ausgetauscht werden muss, klappt das binnen Wochenfrist.“

Erfahrungsgemäß, so Sautmann, sei das Handwerk in Krisenzeiten als Letztes betroffen, dann aber zumeist deutlich spürbar. Vor diesem Hintergrund begrüßt die Kreishandwerkerschaft die von der Stadt heraufgesetzten Grenzen für „freie Vergaben“ und „beschränkte Ausschreibungen“.

Die Stadt müsse, so Lang, alle Möglichkeiten nutzen, „um anders als in der Vergangenheit das Bielefelder Handwerk noch stärker bei der Vergabe von Aufträgen einzubeziehen“.

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