Stadt Bielefeld plant zwei Abstrichstellen vorerst in Eigenregie
Neuinfektionen steigen: Corona-Testzentren immer wahrscheinlicher

Bielefeld (WB). Die Stadt hält an ihrem Plan fest. Wenn es akut erforderlich ist, sollen kurzfristig zwei neue Corona-Testzentren im Stadtgebiet eingerichtet werden. Steigen die Infektionszahlen weiter und wird möglicherweise eine größere Anzahl von Testungen aufgrund des Schul- und Kitabeginns oder auch im Zusammenhang mit Reiserückkehrern in den nächsten Tagen und Wochen erforderlich, muss die Stadt schnell reagieren können.

Samstag, 15.08.2020, 05:50 Uhr
Zwei neue Corona-Testzentren können kurzfristig in Bielefeld eingerichtet werden, wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen. Die Stadt plant die Abstrichstellen in Eigenregie. Es gibt weiter keine Einigung zwischen der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung. Foto: dpa
Zwei neue Corona-Testzentren können kurzfristig in Bielefeld eingerichtet werden, wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen. Die Stadt plant die Abstrichstellen in Eigenregie. Es gibt weiter keine Einigung zwischen der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung. Foto: dpa

Zahlen werden steigen

Seit Mittwoch besuchen knapp 56.000 Kinder und Jugendliche wieder die Schule. Am Montag beginnt der Regelbetrieb mit 12.000 Kindern in den Kitas. Trotz Maskenpflicht sowie Hygiene- und Abstandsmaßnahmen: Die Rückkehr in den Regelbetrieb wird zwangsläufig dazu führen, dass die Zahl der Infektionen steigen wird. Davon gehen die Verantwortlichen im Bielefelder Gesundheitsamt jedenfalls aus. „Wir müssen auf so eine Situation vorbereitet sein“, sagt Corona-Krisenstableiter Ingo Nürnberger. Mit „so einer Situation“ meint Nürnberger ein Szenario von Infektionen in Schulen und Kindergärten, das täglich mehrere hundert Abstriche von Kontaktpersonen erforderlich macht.

Zuletzt sind in Herford und Bünde Corona-Testzentren eingerichtet worden, damit bei Bedarf ganz schnell hunderte von Abstrichen täglich gemacht werden können. Denn auch dort sind das Gesundheitsamt und die niedergelassenen Ärzte bereits stark ausgelastet. Bis Ende Oktober laufen zudem noch die Abstriche aller Mitarbeiter der Kitas in Bielefeld, die sich 14-tägig auf freiwilliger Basis testen lassen können. Auch die Mitarbeiter an den Bielefelder Schulen werden aktuell regelmäßig von niedergelassenen Ärzten getestet.

Womit gerechnet wird

In fiktiven Szenarien wird im Bielefelder Gesundheitsamt damit gerechnet, dass in den nächsten Wochen etwa 30 Schulklassen oder Kitagruppen aufgrund von Infektionen betroffen sein könnten. Nimmt man diesen Fall einmal an, sorgt das zwangsläufig für eine Vielzahl an erforderlichen Testungen zahlreicher Kontaktpersonen.

Allerdings sollen die Testzentren in Bielefeld zunächst ohne Mitwirkung von niedergelassenen Ärzten entstehen. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) laufen zwar weitere Gespräche. Aber es gibt immer noch einige ungeklärte Punkte, in denen finanzielle Fragen noch eine Rolle spielen. Die KV möchte eine Abstrichstelle einrichten, die für die Menschen in Bielefeld und Gütersloh zuständig und an einem gut gelegenen Standort an der Ortsgrenze beider Städte erreichbar ist. Außerdem fordert die KV von der Stadt Geld, falls niedergelassene Ärzte dort tätig werden sollen. Die Stadt sieht die Notwendigkeit dieses Modells aber zunächst nicht gegeben, hält manche Forderung nach Zuschüssen der Ärzte zudem für übertrieben. Echten Streit zwischen der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung soll es aber offenbar nicht geben. Eine offene Frage soll jedoch noch sein, wie die niedergelassenen Ärzte in einem Abstrichzentrum – falls erforderlich von einem Tag auf den anderen – tätig werden können, wenn sie gleichzeitig ihre eigenen Patienten versorgen müssen. Die KV denkt hier offenbar an ein System, in dem ein niedergelassener Arzt im Testzentrum möglicherweise wechselweise tätig sein könnte und Unterstützung von Hilfskräften bekommt.

Ohne niedergelassene Ärzte

Solange hier keine Einigung gefunden wurde, plant die Stadt die zwei beabsichtigten Testzentren in Eigenregie. Unterstützung sollen die Mitarbeiter des Gesundheitsamts von Hilfsorganisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) bekommen. Mit dem ASB hat es bereits Vereinbarungen und auch erste Überlegungen in Richtung eines mobilen Abstrichdienstes gegeben. Gespräche laufen ebenfalls bereits mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Zur Einrichtung zweier Corona-Testzentren ist keine größere Logistik erforderlich. Eine Abstrichstelle könnte, wie berichtet, auf dem früheren Gelände der Firma Kahmann & Ellerbrock an der Eckendorfer Straße entstehen. Dort befinden sich Räumlichkeiten in städtischem Besitz. „Um Testungen machen zu können, braucht man nicht viel. Ein paar Stühle, Schreibtische und das Material für die Tests selbst, das ja im Gesundheitsamt vorhanden ist. Außerdem noch Parkplätze“, sagt Nürnberger. Ein weiteres Abstrichzentrum könnte im Süden der Stadt eingerichtet werden.

Schnell reagieren

Die Testzentren können blitzschnell starten, wenn es erforderlich ist. „ Alles hängt davon ab, wie sich die Coronazahlen weiter entwickeln “, sagt Nürnberger.

Auch wenn die Sommerferien vorbei sind: Mitte Oktober beginnen die Herbstferien. Dann kommen weitere Fälle aufgrund von Reiserückkehrern hinzu. Die Zahlen steigen bereits jetzt schon stärker als zuletzt. Somit rücken die Testzentren immer näher.

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