Grünen-Chefin diskutiert in der Bielefelder Stadthalle
Wahlkampfauftakt mit Annalena Baerbock

Bielefeld (WB). Für die Bielefelder Grünen war es der Start in die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs, für die Bundesvorsitzende Annalena Baerbock die Rückkehr nach Bielefeld nach dem Bundesparteitag im vergangenen November. Der Besuch der Parteichefin am Freitag in der Stadthalle war aber auch ihr „erster Auftritt vor echten Menschen“ seit dem Corona-Lockdown.

Freitag, 14.08.2020, 21:41 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 08:42 Uhr
Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock war am Freitag eine Stunde lang in der Bielefelder Stadthalle, um mit den Besuchern zu diskutieren. Foto: Bernhard Pierel
Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock war am Freitag eine Stunde lang in der Bielefelder Stadthalle, um mit den Besuchern zu diskutieren. Foto: Bernhard Pierel

Knapp eine Stunde stellten sich Annalena Baerbock und die OB-Kandidatin der Grünen Kerstin Haarmann den Fragen der rund 200 Besucher, bevor Baerbock zur nächsten Veranstaltung nach Gütersloh weiterziehen musste. „Townhall“-Diskussion nannte Kreissprecher und Moderator Dominic Hallau das Format: „Das Publikum diktiert die Themen.“

Grüne wollen Druck machen

Und das Publikum sparte auch nicht mit Kritik: Die Grünen hätten sich zu sehr zurückgenommen, zu wenig Parteipolitik betrieben. „Wir müssen aber unseren Führungsanspruch deutlich machen“, so ein Zuschauer. Annalena Baerbock räumte denn auch den Spagat ein: einerseits aus der Opposition heraus die in der Coronakrise schnell notwendigen Maßnahmen zu unterstützen, andererseits das Profil zu schärfen.

„Wir sollten jetzt noch keinen Bundestagswahlkampf machen“, sagte die Bundesvorsitzende, jetzt nicht schauen, was wir in einem Jahr machen, sondern wo wir jetzt helfen können. „Schüler können nicht warten, das Klima kann nicht warten.“

Aber sie versprach den Besuchern auch Druck zu machen, etwa weil die Regierung zu langsam bei der Digitalisierung der Schulen sei. Priorität müsse haben, Schüler und Lehrer in Kontakt zu bringen, gerade auch mit Blick auf häusliche Quarantäne. Baerbock: „Das Geld gehört in die Schulen, nicht in die Lufthansa.“ Unterstützung bräuchten auch Soloselbstständige oder Pflegekräfte, die von der Regierung nicht ausreichend berücksichtigt würden.

„Attacke kann ich”

Ein klares grünes Profil für Bielefeld betonte Kerstin Haarmann: „Wir haben Themen, zum Beispiel die Verkehrswende, die Gleichberechtigung von Fußgängern und Radfahrern im Verkehr.“ Dafür würden sie oft angegriffen, wenn sie etwa bereit seien, auch mal zwei von vier Fahrspuren für den motorisierten Verkehr zu streichen. „Aber wir sprechen auch die heißen Eisen an. Attacke kann ich“, sagte Haarmann.

Obwohl die Rats-Kandidatur des früheren Sprechers der Milli-Görüs-Moschee in Brackwede Selvet Kocabey auch bei den Grünen umstritten ist, war dies am Freitag nur außerhalb der Stadthalle Thema. Die Jungen Liberalen nutzten Annalena Baerbocks Besuch, um vor der Halle zu protestieren und die Grünen aufzufordern, sich von ihrem Kandidaten zu distanzieren.

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