Corona an Schulen in Bielefeld: 100 Abstriche am Mittwoch – Testzentrum nimmt Betrieb auf
75 Schüler und sieben Lehrer in Quarantäne

Bielefeld (WB). Wie viele Schüler oder andere Kontaktpersonen haben sich möglicherweise noch angesteckt? Das ist die Frage nach Bekanntwerden der drei Coronafälle am Max-Planck-Gymnasium, der Realschule Heepen und am Berufskolleg Bethel. Der Corona-Krisenstab und auch die Schulleiter haben am Wochenende mit Hochdruck daran gearbeitet, Schlimmeres zu verhindern.

Dienstag, 18.08.2020, 06:00 Uhr
Viel Arbeit für den Krisenstab nach drei Infektionen an Schulen: (von links) Sprecher Daniel Steinmeier, Georgia Schönemann, Leiterin Amt für Schule, Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger und Ina-Marei Strate-Schneider, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts. Foto: Pierel
Viel Arbeit für den Krisenstab nach drei Infektionen an Schulen: (von links) Sprecher Daniel Steinmeier, Georgia Schönemann, Leiterin Amt für Schule, Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger und Ina-Marei Strate-Schneider, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts. Foto: Pierel

Krisenmodus

Als Ausnahmesituation sind die drei Infektionen der Schüler – alleine betrachtet – nicht zu bezeichnen. Aber der Krisenstab unter Leitung von Ingo Nürnberger hatte schon kräftig zu tun. Routine sieht anders aus. Auch Georgia Schönemann, Leiterin des Amtes für Schule, und Ina-Marei Strate-Schneider, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, waren persönlich im Einsatz. Unterstützt wurden sie von 30 Mitarbeitern, die am Samstag und Sonntag nach Bekanntwerden der drei Coronafälle stundenlang nur mit der Nachverfolgung möglicher Infektionsketten der betroffenen Schüler beschäftigt waren.

75 Schüler und sieben Lehrer sowie weitere rund 20 Kontaktpersonen der Infizierten befinden sich bereits in Quarantäne. Sie durften am Montag bereits nicht zur Schule erscheinen. Konkret: 40 Schüler und drei Lehrer am Max-Planck-Gymnasium, 30 Schüler und vier Lehrer der Realschule Heepen und etwa fünf Schüler des Berufskollegs Bethel. Alle werden am Mittwoch getestet. Warum nicht sofort? „Wir warten noch etwas ab, damit die Tests auch tatsächlich aussagekräftig sind“, sagt Nürnberger.

Testzentrum

100 Abstriche sind vom Gesundheitsamt angeordnet worden. Wie geplant, nimmt die Stadt kurzfristig ein neues Corona-Testzentrum auf dem früheren Firmengelände von Kahmann & Ellerbrock an der Eckendorfer Straße in Betrieb. Hier können städtische Räume genutzt werden. Die Abstriche werden von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes unter Mithilfe des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) gemacht. Mit ersten Testergebnissen wird frühestens am Freitag gerechnet. Aktuell kann es zwei bis fünf Tage dauern, bis Ergebnisse vorliegen.

Arbeit am Limit

Bei der Pressekonferenz im Rathaus hat es niemand so deutlich angesprochen. Aber es ist klar: Das Gesundheitszentrum befindet sich am Limit. Neben den Coronafällen an Schulen muss noch das restliche Infektionsgeschehen bewältigt werden. Insbesondere die Arbeit im Zusammenhang mit zum Teil täglich mehr als 100 Reiserückkehrern stellt eine besondere Herausforderung dar. Ebenso groß ist die Belastung an den betroffenen Schulen. Da auch Lehrer in Quarantäne müssen, mussten Stundenpläne umgeschrieben werden – die Coronazeiten verlangen allen Beteiligten sehr viel ab. Vorbereitend auf solche Szenarien liegen Sitzpläne mit Namen der Schüler vor, damit die Kontaktpersonen sehr schnell nachzuvollziehen sind.

Situation an den Schulen

Am Max-Planck-Gymnasium ist ein Fünftklässler positiv getestet worden. Das Kind hatte nach der Einschulungsfeier am Anfang der vergangenen Woche die typischen Symptome. Der Hausarzt machte daraufhin einen Abstrich. Sein älterer Bruder, der die 9. Klasse besucht, wurde negativ getestet. Wäre auch er positiv gewesen, hätten rund weitere 100 Nachverfolgungen mit Quarantänemaßnahmen erfolgen müssen. In der Realschule Heepen ist eine Schülerin der 10. Klasse betroffen. Bei dem Schüler des Berufskollegs Bethel handelt es sich um einen jungen Schüler aus Herford. Bei allen soll es sich nicht um Urlaubsrückkehrer handeln.

Test-Statistik

Vom 1. bis 17. August sind in Bielefeld 2239 Menschen getestet worden. Darunter waren 2145 negativ und 94 Menschen positiv. Die Quote beträgt 4,4 Prozent und liegt circa im Bundesdurchschnitt.

Eltern

Amtsleiterin Georgia Schönemann bezeichnet die Situation an den Schulen als „sachorientiert“. Auch wenn manche Eltern nervös seien, halte sich die Aufregung der allermeisten in Grenzen, sagt sie. Gibt es weitere Infektionen an Schulen, werden die Betroffenen und auch die Eltern der Kontaktpersonen direkt informiert. Aktuelle Informationen erfolgen fortan auf den jeweiligen Internetseiten der Schulen. Die schriftliche Anordnung der Quarantäne ist überarbeitet worden. Eltern hatten sich darüber beklagt, dass das Formular zu scharf formuliert war.

Die aktuellen Coronazahlen

Am Montag sind keine neuen Coronafälle dazugekommen. Somit sind bisher 685 Bielefelder positiv auf das Coronavirus getestet worden. Aktuell infektiös sind 80 Menschen und damit einer weniger als am Sonntag. Die Zahl der positiv getesteten Reiserückkehrer ist unverändert (45). Von den positiv Getesteten sind 599 Menschen genesen, also einer mehr als am Vortag. In Quarantäne befinden sich 412 Menschen, das sind 21 weniger als am Vortag. Die Neuinfektionsrate in den vergangenen sieben Tagen liegt nun bei 15,0 pro 100.000 Einwohner, das entspricht 51 Neuinfizierten.

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