Dieb stiehlt in Halle zwei Getränkedosen und greift Bielefelder Ladendetektiv an
Sieben Monate Haft für 6,28 Euro Beute

Bielefeld (WB/hz). Ladendiebstahl ist entgegen einer weit verbreiteten Meinung kein Kavaliersdelikt. Das Bielefelder Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Astrid Salewski schickte am Montag einen Täter (29) ohne Bewährung für sieben Monate hinter Gittern.

Dienstag, 25.08.2020, 04:00 Uhr
Symbolbild Justitia Foto: dpa/Daniel Reinhardt
Symbolbild Justitia Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Der arbeitslose Angeklagte mit polnischer Staatsbürgerschaft hatte in einem Supermarkt zwei kleine Dosen mit einem Spirituosen-Cola-Gemisch im Wert von 6,28 Euro gestohlen. Bei der Flucht mit der Beute attackierte der Mann mehrfach einen Ladendetektiv (31) und fügte ihm ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Hüftverletzung zu. Der Verletzte, dem das Gericht 500 Euro Schmerzensgeld zusprach, war danach fast zwei Wochen lang krank geschrieben.

Die Tat ereignete sich am 18. November 2019 in einem Supermarkt an der Langen Straße in Halle. Der aus Bielefeld stammende Ladendetektiv beobachtete, wie der Pole sich mit den beiden 0,33-Liter-Dosen in den Jackentaschen an den vor der Kasse wartenden Kunden vorbei in Richtung Ausgang schlängelte.

Er habe den Ladendieb mit einem Griff an den Arm gestellt und sich ausgewiesen, berichtete der Vater von zwei Kleinkindern im Zeugenstand vor Gericht. Der 29-Jährige, der seinerzeit in Hilter am Teutoburger Wald bei seiner Mutter wohnte, dachte nicht daran, kampflos aufzugeben.

Es kam zur Rangelei zwischen den beiden Männern, die sich vor den Supermarkt verlagerte. „Ich habe das Handy genommen und wollte die Polizei rufen“, schilderte der Detektiv den Moment, als es zum ersten Angriff kam. Der Dieb schubste den 31-Jährigen gegen die Brust, dieser schlug mit dem Kopf gegen eine Wand.

„Dann ist der Angeklagte weggelaufen“, berichtete der Detektiv weiter. Er habe erneut versucht, den Täter zu fassen. Der 29-Jährige mit der Figur eines japanischen Sumoringers schnappte sich den körperlich deutlich unterlegenen Verfolger und schmiss ihn auf den nassen Parkplatz. „Da war ich kurz weg“, erinnerte sich der Detektiv.

Noch ein drittes Mal setzte der 31-Jährige hinterher, um den Dieb zu fassen. Dieser saß inzwischen bei einem polnischen Freund in dessen Auto auf dem Beifahrersitz und trat gegen die Hände des Detektivs, der die Beifahrertür offen hielt. In seiner Not flitzte der hartnäckige Verfolger zum Heck des Autos, riss dort das Kennzeichen ab und eilte damit in Richtung seines Büros davon.

Damit hatte der Detektiv den Dieb da, wo er ihn haben wollte. Der Pole folgte dem 31-Jährigen ins Büro und forderte die Herausgabe des Kennzeichens. Dazu kam es nicht mehr – inzwischen war die Polizei eingetroffen. Der Verfolger musste ins Krankenhaus, um sich behandeln zu lassen.

Die Verteidigerin des Ladendiebs warf dem Detektiv vor, übermäßig aggressiv gegen den Polen vorgegangen zu sein. Dieser bestritt wiederum vehement, gewalttätig geworden zu sein.

Die Vorstrafen des 29-Jährigen sprechen dagegen eine andere Sprache. Der Bewährungsversager, der zurzeit eine widerrufene Haftstrafe von 13 Monaten absitzt, ist wegen Körperverletzungen und Diebstählen mehrfach verurteilt worden. „Das Leben holt einen immer wieder ein“, lautete die Feststellung von Richterin Salewski bei der Urteilsverkündung.

 

 

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