Fehler im Klinikum Bielefeld-Mitte: Mann (26) stirbt – Medizin war für anderen Patienten bestimmt
Medikament vertauscht: Zwei falsche Tabletten führten zum Tod

Bielefeld (WB). Ein Patient (26) liegt wegen eines Routineeingriffs im Krankenhaus. Die Operation verläuft gut. Wenige Tage vor seiner Entlassung bekommt er zwei Tabletten, die eigentlich für seinen Zimmernachbarn bestimmt sind. Kurze Zeit später ist der junge Mann tot .

Donnerstag, 27.08.2020, 03:00 Uhr
Der verstorbene Patient Mohammad S. Foto: privat
Der verstorbene Patient Mohammad S. Foto: privat

Nach ersten Hinweisen soll der 26 Jahre alte Deutsche mit syrischen Wurzeln im Bielefelder Klinikum-Mitte den Drogenersatzstoff Methadon erhalten haben. Das hat gestern Staatsanwalt Christopher York bestätigt. Die zwei Tabletten waren für seinen Zimmernachbarn gedacht, einen drogenabhängigen Patienten zwischen 20 und 30 Jahren, der Krebs hat. Gerade bei Menschen, die keine Drogen konsumiert und somit auch keine Resistenzen haben, wirkt Methadon unberechenbar und kann zum Tod führen.

Beide Männer wurden im Klinikum Bielefeld-Mitte in der Klinik für Plastische Chirurgie behandelt. Hier hat Mohammad S. die falschen Medikamente erhalten. Der 26-Jährige lag wegen eines unkomplizierten Eingriffs im Brustbereich im Krankenhaus.

Patient fiel ins Koma

Als sich sein Zustand nach der Verabreichung der zwei Tabletten verschlechterte und er ins Koma fiel, wurde er ins Evangelische Klinikum Bethel auf die Neurologie verlegt. Grund: Das Klinikum-Mitte verfügt nicht über eine solche klinische Abteilung. Nach Angaben eines Sprechers kam der junge Mann in einem lebensbedrohlichen Zustand nach Bethel. Dort konnte er nicht mehr gerettet werden. Er verstarb am Donnerstag. Da er eines unnatürlichen Todes gestorben sei, habe das Klinikum Bethel die Kriminalpolizei verständigt, hieß es.

Der Leichnam wurde daraufhin beschlagnahmt, die Obduktion erfolgte gestern. Sie ergab Hinweise auf falsche Medikamente. Die genaue Todesursache muss aber noch geklärt werden. Mit Ergebnissen ist in den nächsten Wochen zu rechnen.

Wie es zu dem tragischen Fehler im Klinikum Bielefeld-Mitte kommen konnte, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Medizin für die Patienten wird in Krankenhäusern in der Regel nach festen Abläufen und Medikamentenplänen verabreicht. Tabletten werden meist morgens in Plastikschachteln sortiert, auf denen die jeweiligen Namen der Patienten stehen. Diese Arbeit sollte nicht vom Nachtdienst erledigt werden, sondern vom meist ausgeruhteren Frühdienst. Bei den vorbereitenden Arbeiten zur Medikamentenvergabe könnte der Fehler passiert sein. Die Sortierung der Medikamente und auch die Verteilung darf nur von examinierten Krankenpflegekräften erfolgen. Wer die Tabletten an dem Morgen sortiert hat und wie genau der Fehler passiert ist, müssen die Ermittlungen zeigen. Die Mitarbeiter der Station stehen unter Schock, werden zum Teil psychologisch betreut.

Verdacht der fahrlässigen Tötung

Die Bielefelder Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. „Es werden Krankenakten ausgewertet, Vernehmungen mit dem diensthabenden Personal durchgeführt und auch Verantwortliche des Klinikums befragt“, sagt Staatsanwalt Christopher York. Darüber hinaus werden weitere Fragen geklärt, zum Beispiel, wie viele Mitarbeiter an dem Tag im Dienst waren.

Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Zu dem tragischen Todesfall hat sich der Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld-Mitte, Michael Ackermann, wie folgt geäußert: „Wir sind bestürzt über diesen tragischen Todesfall. Wir trauern mit der Familie des verstorbenen Patienten. Ihr gehört unser tiefes Mitgefühl.“

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hat das Klinikum eine umfassende interne Untersuchung eingeleitet, um den Vorgang vollständig aufzuklären. Dieses im Klinikum etablierte, standardisierte Verfahren diene dazu, Fehler zu erkennen und zu analysieren und insbesondere der Prävention vergleichbarer Fälle, heißt es.

Das Klinikum Bielefeld verfügt über ein Fehlermanagementsystem, in dessen Rahmen anonym sicherheitsrelevante Risiken jederzeit gemeldet werden können.

Mohammad S. war ledig. Er befand sich in einer Ausbildung als Lokführer und hinterlässt einen Bruder (29). Heute wird Mohammad S. auf dem Sennefriedhof beigesetzt.

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