Ausstellung im Historischen Museum zeigt 125 Jahre Kinogeschichte(n) – Sonntag Eröffnung
„Die große Illusion“

Bielefeld (WB). Dass ein Bielefelder den Tonfilm in die Welt gebracht hat, ist wohl die größte Überraschung, aber längst nicht die einzige, mit der die neue Ausstellung im Historischen Museum aufwarten kann. „Die große Illusion – Bielefelder Kinogeschichte(n) aus 125 Jahren“ titelt die Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird und zu einer Zeitreise durch die Welt des Kinos einlädt.

Freitag, 04.09.2020, 06:00 Uhr
Die Niedernstraße 1955: Das Kino Atrium eröffnet und ganz Bielefeld will dabei sein. Foto: Archiv Rothschild
Die Niedernstraße 1955: Das Kino Atrium eröffnet und ganz Bielefeld will dabei sein. Foto: Archiv Rothschild

Gleich im Eingangsbereich wird es nostalgisch: Das original Kassenhäuschen aus dem Bielefelder Kino Atrium empfängt die Besucher und erinnert an Zeiten, in denen es Eintrittskarten von der Abreißrolle und Platzanweiser gab. Erzählt wird vor allem die Geschichte Bielefelds als Kinostadt, die schon 1896, ein Jahr nach der Filmpremiere der Brüder Lumière in Paris, begann.

Ausstellungsmacher ist die Stiftung Tri-ergon Filmwerk, hinter der Frank Bell, Holger Schettler und Michael Wiegert-Wegener stehen. Das Trio kennt sich seit Jahrzehnten und genauso lange forschen und sammeln die drei Cineasten zum Thema. „Dieses Knowhow hätte das Historische Museum niemals aufbringen können. Das Schöne ist, dass man auch als Laie die Kino-Hintergründe versteht, aber auch viele Dönnekes aus Bielefeld erfährt“, lobt Museumsleiter Dr. Wilhelm Stratmann den unglaublichen Fundus.

Menschenauflauf zur Eröffnung des Atrium

Die Ausstellung dokumentiert alles rund ums Kino: Architektur, Stars und Sternchen, Menschen, die mit ihren Visionen und Investitionen die Kinosäle stets auf den neuesten technischen Stand brachten. Stadtgeschichte erzählt sie mit den Fotos, auf denen alle Lichtspielhäuser in Bielefeld zu sehen sind: Von der Central-Halle am heutigen Kesselbrink, wo ab 1906 Filme gezeigt wurden, über das Roxi in Brake und das Atrium, das 1955 bei seiner Eröffnung einen Menschenauflauf in der Niedernstraße verursachte, bis hin zum aktuellen Cinemaxx.

Mit viel Liebe für Details zeigen Bell, Schettler und Wiegert-Wegener alle Facetten des Phänomens Kino in fünf Bereichen: Technik des Kinos, Menschen im Kino, Kulturgeschichte des Kinos und Geschichte der Bielefelder Kinos. Den beiden wichtigen Kino-Wegbereitern aus Bielefeld ist ein eigener Bereich gewidmet: Friedrich Wilhelm Murnau (1888– 1931), dem bedeutendsten deutschen Stummfilm-Regisseur, und eben Joseph Massolle (1889–1957), den Ausstellungsmacher Frank Bell als „genialen Techniker“ beschreibt, der es vom Schlosserlehrling zum Konzernchef schafft. Triergon nennt sich die Erfindergruppe um Massolle, die 1921 der erste Bildtonfilm gelingt.

Eröffnen am Sonntag die Kino-Ausstellung (von links): Michael Wiegert-Wegener, Frank Bell, Holger Schettler und Museumsleiter Dr. Wihelm Stratmann.

Eröffnen am Sonntag die Kino-Ausstellung (von links): Michael Wiegert-Wegener, Frank Bell, Holger Schettler und Museumsleiter Dr. Wihelm Stratmann. Foto: Kerstin Sewöster

Die Namen Murnau und Massolle stehen für Filmkunst und Filmtechnik – und genau darauf soll der Fokus der Ausstellung liegen. „Der Filmregisseur ist nichts ohne die Filmkamera und umgekehrt“, erklärt Holger Schettler das Ausstellungskonzept, mit dem die Besucher auch für die technische Seite des Kinos begeistert werden sollen.

Neben den vielen Exponaten gibt es zur Ausstellung auch mehr als 60 Filme. Die Besucher können Platz nehmen in roten Kinosesseln und zum Beispiel dem Interview mit einer ehemaligen Platzanweiserin oder mit Carl Aul lauschen, der in den 50-er Jahren das Kamera gründete.

Mehr als 60 Filme in der Ausstellung

Begleitend zu Ausstellung bietet das Historische Museum Interviewbeiträge unter anderen mit Professor Werner Plumpe, einem Enkel Murnaus, sowie mit den Leitern deutscher Filmmuseen. Die Beiträge können über die Internetseite des Museums heruntergeladen werden. Frank Bell kündigt die Aufführung von Filmen im Lichtwerk an, die einen Bezug zur Ausstellung haben. Die Feinabstimmung ist coronabedingt noch nicht abgeschlossen.

Der Pandemie ist geschuldet, dass die Ausstellungseröffnung nur mit geladenen Gästen gefeiert wird. Öffentlich ist die Ausstellung „Die große Illusion“ von Sonntag an ab 14 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum Tag der Nachansichten am 29. April zu sehen. „Wir haben dann 3000 bis 4000 Besucher, das wäre ein toller Schlussakkord“, hofft Stratmann.

Die Ausstellung „Die große Illusion“ ist ein „Blockbuster“ (Stratmann) unter den bisher gezeigten Schauen im Historischen Museum. Es fanden sich zahlreiche Sponsoren, um die Kosten von 300.000 Euro zu finanzieren. Die Ausstellungsmacher hoffen auch auf Sponsoren, um ihren großen Traum umzusetzen: Ein Museum für alle ihre Exponate, das die Bedeutung Bielefelds für das Kino zeigt.

www.diegrosseillusion.de

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