In Bielefeld hat das Ensemble Los Gitarreros ein Zuhause auf Zeit gefunden
Die Bartholomäuskirche als Probenraum

Bielefeld (WB). „Selbstbewusst ansetzen, nicht pennen“, sagt Nicole Schipplick, und ihre Gitarreros beugen sich über ihre Instrumente. Mit dem Fuß gibt die Dirigentin den Takt vor. Das Gitarrenensemble vertieft sich in die Musik. Im Hintergrund werden Stehtische und Blumendekorationen hereingetragen für eine Hochzeit am nächsten Tag, aber das stört die Musiker nicht.

Dienstag, 08.09.2020, 16:41 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 16:44 Uhr
„Los Gitarreros“ an ihren Instrumenten (von links): Christine Köhne, Fabienne Apenbrink, Ensembleleiterin Nicole Schipplick, Jonas E., Annika Schreier und Achim Jung proben seit Mai in der Brackweder Bartholomäuskirche. Foto: Kerstin Panhorst
„Los Gitarreros“ an ihren Instrumenten (von links): Christine Köhne, Fabienne Apenbrink, Ensembleleiterin Nicole Schipplick, Jonas E., Annika Schreier und Achim Jung proben seit Mai in der Brackweder Bartholomäuskirche. Foto: Kerstin Panhorst

Für sie ist ihr aktueller Probenraum ein wahrer Glücksfall. Seit Mai schon treffen sich „Los Gitarreros“ zweimal monatlich in der Brackweder Bartholomäuskirche und spielen dort mit Blick auf den Altar ihre spanischen und lateinamerikanischen Rhythmen.

1993 hatte Nicole Schipplick das Ensemble gegründet. Während der frühen Jahre probte sie mit den Mitgliedern in der Musikschule Kanngießer, wo sie damals als Gitarrenlehrerin tätig war. Seit zwei Jahren ist das Altenzentrum Johann-Heermann-Haus das Zuhause des Orchesters. Dessen Einrichtungsleiter Achim Jung spielt selbst bei den Gitarreros mit. Wegen der Corona-Pandemie musste das Ensemble dort aber pausieren.

Aufgrund der Ansteckungsgefahr waren während des Shutdowns generell Besuche in Senioreneinrichtungen verboten und somit auch die Proben dort. Inzwischen dürfte man zwar wieder hinein, aber da die Bewohner der Risikogruppe angehören, möchten die Musiker auf keinen Fall irgendein Risiko eingehen. „Außerdem müssen auch wir beim Proben die Abstandsregeln einhalten und brauchen dafür einen entsprechend großen Raum“, sagt Nicole Schipplick. Den Unterricht mit ihren Einzelschülern führt sie seit Pandemie-Beginn online fort. Für ein Zusammenspiel in größerer Gruppe ist das allerdings keine Lösung.

Umso glücklicher sind die Musiker über das Angebot der Bartholomäusgemeinde, die Brackweder Kirche nutzen zu dürfen. Zustande gekommen ist es, weil Nicole Schipplick schon lange der Gemeinde und der Diakonie verbunden ist. Seit 1997 ist die Diplom-Sozialpädagogin im Sozialdienst des Ernst-Barlach-Hauses tätig, das zum Diakonieverband Brackwede gehört. Und in zahlreichen Konzerten trat sie schon als Gitarristin und auch als Sängerin in der Brackweder Kirche auf. Momentan singt sie dort einmal im Monat beim sonntäglichen Gottesdienst.

Natürlich müssen sie und ihre Musiker konsequent alle Abstands- und Hygiene-Regeln beachten und können nur zu Zeiten üben, in denen die Kirche sonst leer stünde. Aber das nimmt das Ensemble gerne in Kauf. „Das ist total schön hier von der Akustik her. Und es ist so cool, hier spielen zu können. Ich wurde sogar in dieser Kirche konfirmiert“, erzählt Fabienne Apenbrink. Die 31-Jährige gehört zu den derzeit zwölf Mitgliedern des Ensembles, in dem völlig unterschiedliche Menschen gemeinsam musizieren. Die jüngste Musikerin ist 13 Jahre alt, der älteste schon 65. Die meisten sind oder waren früher Schüler von Nicole Schipplick. „Wir sind dankbar dafür, dass wir uns wieder treffen können, denn das Zusammenspiel ist das Entscheidende. Aus den unterschiedlichen Stimmen Musik zu schaffen, das mitzuerleben und selbst einen Beitrag dazu zu leisten, das ist wunderbar“, sagt Achim Jung.

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