Amtsgericht Bielefeld fällt Urteil wegen fahrlässiger Körperverletzung
Beißvorfall bei Schleppjagd: Geldstrafe

Bielefeld (WB). Schleppjagden sind ein Kulturgut und haben eine lange Tradition in der Senne. Dass die Jagden in Bielefeld Geschichte sind und nicht mehr stattfinden dürfen, ist Beißvorfällen zwischen Jagdhunden und zwei anderen Hunden geschuldet, die mit ihren Haltern der Meute zu nahe gekommen waren. Die Zwischenfälle, die sich am 1. September jährten, hatten jetzt ein juristisches Nachspiel vor dem Amtsgericht.

Freitag, 11.09.2020, 12:24 Uhr aktualisiert: 11.09.2020, 14:58 Uhr
Schleppjagden mit Hundemeute, wie auf dem Symbolfoto zu sehen, sind seit den Beißvorfällen in Bielefeld verboten. Foto: dpa
Schleppjagden mit Hundemeute, wie auf dem Symbolfoto zu sehen, sind seit den Beißvorfällen in Bielefeld verboten. Foto: dpa

Gleich zweimal war die Meute mit 25 Hunden der Rasse Foxhounds an jenem Sonntag von der für sie gelegten Duftspur abgewichen. Bei der ersten Beißerei wurde Labrador Joe so schwer verletzt, dass er notoperiert werden musste; Halterin Simone F. erlitt eine Beinbisswunde. Kurze Zeit später wurde Rüde Siro von der Meute eingekreist und einmal gebissen. Die betroffenen Hundehalter waren zuvor von den Schlepplegern auf Zuruf über die nahende Meute informiert worden. In beiden Fällen konnten die Pikeure, so werden die Hundeführer bei einer Schleppjagd genannt, die Meute wieder auf Spur bringen.

Unfreundlich und hektisch

Zu den Beißvorfällen wurden am Donnerstag ein Dutzend Zeugen vor Gericht gehört. Richterin Tina Rüdiger ließ sich detailliert über das Wesen der Schleppjagd informieren und ließ sich den Ablauf der Jagd an jenem September-Sonntag schildern. Sie verurteilte Friedel S. (67), der als Vorsitzender der ausrichtenden Ostwestfalen Meute verantwortlich zeichnete, wegen fahrlässiger Körperverletzung an Hundehalterin Simone F. zu einer Geldstrafe von 1500 Euro (30 Tagessätze).

Damit blieb die Richterin deutlich unter den 45 Tagessätzen, die Oberamtsanwalt Nils Wennemann für die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Dass 45 Jahre lang nichts bei Schleppjagden passiert sei, entlaste den Angeklagten Friedel S. nicht, begründete der Oberamtsanwalt seine Forderung. Es hätte dazu gehört, zusätzliche Reiter einzusetzen, um die Passanten informieren zu können. Die Schleppleger hätten dazu keine Zeit, was Wennemann durch Zeugen bestätigt sah, die deren Ton als unfreundlich und hektisch beschrieben. Erschwerend wertete Wennemann, dass Friedel S. die Jagd trotz der Vorfälle fortgesetzt hatte.

Mangelnde Kommunikation

Richterin Rüdiger betonte in ihrer Urteilsverkündung, dass Friedel S. für eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen den Jagdteilnehmern hätte sorgen müssen. Des Weiteren hätten ein bis zwei Leute vorgeschickt werden oder Streckenposten entlang der Jagdstrecke aufgestellt werden müssen. Allein der Zuruf der Schleppleger zu Pferde reiche nicht, „einen Kindergeburtstag mit Vierjährigen“ hätte man auch nicht so schnell von der Strecke bekommen.

Ebenfalls auf der Anklagebank saß Mareen B. aus Melle, die als Pikeurin die Meute begleitete, und Ansprechpartnerin für die beiden betroffenen Hundehalter war. Ihr wurde fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen, da sie sich nicht um die verletzte Simone F. und ihren schwer verletzten Hund gekümmert, sondern nur Kontaktdaten mitgeteilt habe.

Die examinierte OP-Schwester beteuerte, dass sie den Rettungsdienst oder einen Tierarzt informiert hätte, wenn für sie der Grad der Verletzungen ersichtlich gewesen wäre. Richterin Rüdiger wertete dies als Missverständnis und sah keine Grundlage für eine Verurteilung. Das Verfahren wurde eingestellt. Die Kosten für den Rechtsanwalt muss die 26-Jährige selbst tragen.

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