Krankenhausmuseum zeigt die Entwicklung der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Vom Riechen, Hören und Schlucken

Bielefeld (WB). Mundsperre, Knochenmeißel, Nasenspekulum, Kehlkopfspiegel und Zungen-Fass-Zange flößen dem Betrachter gehörigen Respekt ein – um nicht zu sagen, dass sie für Beklemmung sorgen. Aber es sind wichtige Geräte für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Wozu sie dienten und dienen und wie sie eingesetzt werden, zeigt das Krankenhausmuseum Bielefeld in seiner neuen Ausstellung.

Mittwoch, 16.09.2020, 05:00 Uhr
Claus-Henning Ammann ist in die Rolle des Arztes geschlüpft, Christa Zimmermann assistiert und sorgt dafür, dass das Licht genau auf seinen Stirnreflektor (mit Loch zum Durchschauen) strahlt. So wird das Operationsfeld ideal ausgeleuchtet. Foto: Bernhard Pierel
Claus-Henning Ammann ist in die Rolle des Arztes geschlüpft, Christa Zimmermann assistiert und sorgt dafür, dass das Licht genau auf seinen Stirnreflektor (mit Loch zum Durchschauen) strahlt. So wird das Operationsfeld ideal ausgeleuchtet. Foto: Bernhard Pierel

„Vom Ohr zur Nase in den Hals und zurück“ heißt sie Schau, die an diesem Sonntag, 14 Uhr, eröffnet wird. Sie schildert die Entwicklung der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Konzipiert und zusammengestellt wurde sie von Claus-Henning und Angelika Ammann sowie Christa Zimmermann, den Initiatoren und „Machern“ des Museums und Vorsitzenden des Trägervereins.

Das Leiden Beethovens

Was man am Ohr so alles erleiden kann, wird gleich eingangs am Beispiel Beethovens – mit Hörrohr, Hörgeräten und Kopfhörern – verdeutlicht. Die Schilderung seines tief empfundenen Leidens wird erläutert durch die Namen, die man heute dafür hat: Der Meister litt an Schwerhörigkeit, Tinnitus, Hochtonverlust, Sprachverständlichkeitsverlust und Hyperakusis. „Wenn er laute Geräusche wahrnahm, waren die für ihn wiederum quälend laut“, erläutert Claus-Henning Ammann. denn das Innenohr war an sehr große Lautstärke nicht mehr gewöhnt. Wie gut ein Mensch hört, wird heute mit einem „Audiometer“ gemessen – auch das ist ausgestellt.

Das Ohr ist aber auch Sitz des Gleichgewichtssinnes. Ist der gestört, plagen den Patienten oft Schwindel. Das kann der HNO-Arzt diagnostizieren: mittels Nystagmus- oder Frenzel-Brille. „Bei Schwindel zittern die Augen hinter der Brille“, erklärt Ammann.

Ballon, Trokar und Meißel

Häufig sind es Erkältungskrankheiten, die den Menschen zum HNO treiben. Ob die Ohrtrompete, die Verbindung zwischen Nase und Mittelohr, frei ist, kann der Facharzt mit dem „Politzer-Ballon“ leicht feststellen. Sollte die Erkältung sich zu einer Kiefernhöhlenvereiterung ausgewachsen haben, hilft ein Trokar, das durch die Nase in die Höhle geschoben wird, um das Sekret ablaufen zu lassen. Und ist gar eine Mittelohrentzündung verschleppt worden und der Warzenfortsatz, ein Knochen, in Mitleidenschaft gezogen, bleibt nur die OP, bei der der Knochenmeißel zum Einsatz kommt. Ballon, Trokar, Meißel gehören zu den Exponaten.

Wie gut aber, dass es Hausmittel gibt – wie etwa die berühmte Heimsonne, die durch den Wechsel der Birne blaues, weißes, gelbes oder ultrarotes Licht abstrahlte. „Bei einer Bronchitis fing man mit weiß an, gefolgt von gelb und schließlich ultrarot“, erklärt Ammann. Ohne Schutzbrille für die Augen ging das aber nicht. Und als „meistgekaufter Apparat für die Familie“ und unverzichtbar für die Hausapotheke wurde das „Tetra-Hochfrequenzgerät angepriesen. Es diente der Sauerstoffanreicherung bei Kopfschmerz und Schwindelgefühl und so manchem mehr. „Belebend wie eine Frottage“, verhieß der Hersteller.

Eiskrawattte zum Kühlen

Als alternative Behandlungsmethode bei Asthma, Bronchitis, Mumps und Nasennebenhöhlenentzündung (aber auch bei Prostatatentzündung oder Magenproblemen) galt Ende der 50er Jahre die Intra-Schall-Therapie, bei der ein kleiner, vibrierender Schallkopf aufgelegt wurde. „Mittels eines kleinen Trichters konnte der auch ins Ohr übertragen werden“, sagt Ammann. „Da musste man schon vertrauen haben...“

Nicht ausgespart bleibt in der Ausstellung die Operation. Wie die Rachenmandeln entfernt wurden (und werden) ist im Film zu verfolgen und am Modell erlebbar. Nach der OP gibt es dann die Eiskrawatte oder den Halseisbeutel zum Kühlen und gegen Nachblutungen. Manchmal aber war (und ist) es schon mit dem Einpinseln getan: Mittels Watteträger oder Halspinselchen werden Mittelchen aufgetragen. Mittels Pulverbläser oder Zerstäuber finden desinfizierende oder schmerzlindernde Pülverchen und Flüssigkeiten ihren Weg in den Rachen. Und Ätzstifte helfen bei kleinen Wucherungen. Was es nicht alles gibt...

Wer mag, kann am Modell versuchen, zu intubieren. Und wer sich einen guten Geruchssinn zutraut, an 25 Pröbchen schnuppern, um den Duft von Apfel, Grapefruit, Ananas oder (ganz leicht!) Lakritze zu erkennen.

Die neue Schau im Krankenhausmuseum, Eduard-Windhorst-Straße 23, wird bis Ende Juli 2022 zu sehen sein. Sie ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (o521/581-2267, mit Anrufbeantworter) geöffnet.

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