Britta Padberg wechselt vom ZiF im Grünen zur Akademie der Wissenschaften in Berlin
Büro mit Blick auf den Gendarmenmarkt

Bielefeld (WB). Zwölf Jahre war Dr. Britta Padberg Geschäftsführerin des Zentrums für interdisziplinäre Forschung der Universität. Zum 1. Oktober übernimmt sie eine neue Aufgabe: Sie geht nach Berlin und wird Generalsekretärin der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften – eine Top-Adresse. Und doch geht sie mit einem weinenden Auge. „Das ZiF ist schon ein außergewöhnlicher Ort. Darauf können Stadt und Universität stolz sein“, sagt die 55-Jährige.

Donnerstag, 17.09.2020, 05:00 Uhr
Auch wenn sie geht: Die Jahre am ZiF waren für Britta Padberg eine schöne Zeit. Wer ihr nachfolgt, steht noch nicht fest. Foto: Bernhard Pierel
Auch wenn sie geht: Die Jahre am ZiF waren für Britta Padberg eine schöne Zeit. Wer ihr nachfolgt, steht noch nicht fest. Foto: Bernhard Pierel

Am Rande des Waldes, oberhalb der Universität, liegt das ZiF, eine thematisch ungebundene Forschungseinrichtung, die Wissenschaftler zu Forschungsgruppen zusammenbringt. Der Blick von Padbergs Schreibtisch geht ins Grüne, frühmorgens sind dort Rehe und Hasen zu sehen. Künftig wird sie am Berliner Gendarmenmarkt ihr Büro haben, mit Blick auf einen der schönsten Plätze der Hauptstadt. „Ich tausche etwas Schönes gegen etwas Schönes“, sagt sie selbst lachend.

ZiF bietet Gestaltungsspielraum

Rückblickend schätzt Britta Padberg das ZiF als einen Ort, der große Gestaltungsspielräume bietet und den Blick weitet. Den sie auch konzeptionell weiterentwickeln und an dem sie wissenschaftliche Projekte auf den Weg bringen konnte. Zudem als eine Einrichtung, die sich öffnet: „Wir haben dafür eine Reihe neuer Formate etabliert“, sagt Padberg. Dazu gehören etwa die ZiF-Konferenzen, die das Ziel haben, Diskussion anzustoßen, dazu gehören weiterhin die Kunstaktivitäten und öffentliche Vorträge.

Das digitale ZiF war schon „vor Corona“ ein Projekt, es ist in den vergangenen Monaten forciert worden. Auch öffentliche Vorträge fanden online statt, ein Blog findet 3000 internationale Teilnehmer. Wissenschaft in die Gesellschaft zu tragen und umgekehrt Fragen aus der Gesellschaft aufzugreifen – auch das sieht Padberg als eine Aufgabe an. „Das ZiF will verzahnen und Transmissionsriemen in die Gesellschaft sein.“ Das erachtet sie gerade in der heutigen Zeit für wichtig: Nicht Elfenbeinturm, sondern Leuchtturm zu sein. „Die Wissenschaft lehrt, rational mit Unsicherheiten umzugehen und Erkenntnisse zu gewinnen.“

Lokales und Globales verwoben

Reizvoll war für die scheidende Geschäftsführerin stets, dass am Bielefelder ZiF Lokales und Globales miteinander verwoben sind, „dass die Welt hierher geholt wird“. Ein neues Stipendienprogramm, möglich dank der Volkswagen-Stiftung, soll künftig dazu beitragen, hervorragende Leute, die nicht in die internationalen Netzwerke eingebunden sind, hierher zu holen. Zum Auftakt kommen im Herbst etwa zwei Wissenschaftlerinnen aus Nigeria und Südafrika, um an einer Forschungsgruppe teilzunehmen.

Britta Padberg tauscht aber nicht nur den einen schönen Blick aus dem Büro gegen den anderen: Sie tauscht auch eine mit 52 Jahren vergleichsweise junge Einrichtung gegen eine gut 300 Jahre alte Akademie, die Traditionsnachfolgerin der Preußischen Akademie der Wissenschaften ist. Deren Verzeichnis ehemaliger Mitglieder umfasst Namen wie Wilhelm und Alexander von Humboldt, Lise Meitner, Theodor Mommsen, Albert Einstein oder Max Planck. Künftig ist sie zudem für 300 Mitarbeiter verantwortlich. „Ich tausche eine wendige Jacht gegen einen Tanker“, schmunzelt sie selbst. Eine reine Gelehrtenakademie, betont Padberg, sei die „BBAW“ aber keineswegs: Sie ist auch eine Arbeitsakademie, fördert Gruppen mit langlebigen Projekten (wie die seit 200 Jahren betriebene Sammlung griechischer Inschriften) und solchen mit kürzerer Laufzeit, publiziert und berät die Politik.

Brücken bauen

Eines hat sich die künftige Geschäftsführerin vorgenommen: „Ich möchte etwas vom ZiF-Geist mit einbringen: Neugierde, Innovationsfreude und Offenheit.“ Und sie möchte Brücken nach Bielefeld bauen. Denn das ZiF, betont die 55-Jährige, muss sich nicht verstecken. „Zu den Höhepunkten hier gehörte für mich eine Reise um die Welt zu anderen ‘Institutes for advanced studies’. Da habe ich die besondere Rolle des ZiF als erster universitärer Einrichtung dieser Art in der Welt gesehen: Es war Pionier und prägend für Ähnliche Institutionen in China, Australien, Brasilien und vielen anderen Ländern.“

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