Unicef-Aktion am Weltkindertag – neue Kampagne im Oktober
Gewalt gegen Kinder beenden

Bielefeld (WB). „Jeder hat die Verantwortung dafür, dass es jedem Kind gut geht. Und auch hier in Deutschland ist noch genug Handlungsbedarf.“ Nele Krämer engagiert sich für das Kinderhilfswerk Unicef in der Hochschul-Gruppe. Gemeinsam mit Wolfgang Seidensticker, Leiter der Unicef-Arbeitsgruppe Bielefeld, und vielen anderen ehrenamtlichen Helfern hat sie am Sonntag eine Aktion auf dem Kesselbrink initiiert: Die Kinderrechte standen dabei im Vordergrund.

Montag, 21.09.2020, 06:00 Uhr
Deniz (links) und Rishan (beide 8 Jahre) haben den Kesselbrink mit Straßenkreide verschönert. Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren waren am Weltkindertag aufgefordert, auf dem Pflaster ihre Wünsche aufzumalen. Neben der Unicef-Aktion gab es auch viele Angebote für Kinder in anderen Stadtteilen der Leineweberstadt. Foto: Bernhard Pierel
Deniz (links) und Rishan (beide 8 Jahre) haben den Kesselbrink mit Straßenkreide verschönert. Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren waren am Weltkindertag aufgefordert, auf dem Pflaster ihre Wünsche aufzumalen. Neben der Unicef-Aktion gab es auch viele Angebote für Kinder in anderen Stadtteilen der Leineweberstadt. Foto: Bernhard Pierel

Schon länger setzt sich das Kinderhilfswerk dafür ein, dass Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden. „Kinder müssen stärker an politischen und kulturellen Entscheidungen beteiligt sein“, betont Wolfgang Seidensticker. Sie seien keine kleinen Erwachsenen, sondern bräuchten ganz eigenständige Rechte. Eingebunden müssten sie zum Beispiel werden, wenn es um Verkehrsführung oder die Einrichtung von Spiel- und Sportplätzen geht, meint Seidensticker und verweist darauf, dass es in Gütersloh bereits ein Jugendparlament gebe.

Misshandlungen und sexuelle Übergriffe

Wie dramatisch wichtig es sei, Kinderrechte stärker ins Visier zu nehmen, das hätten die zurückliegenden Monate in Pandemiezeiten gezeigt, meint Seidensticker. Kinder seien stärker Misshandlungen und sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen. Seidensticker verweist auf eine Unicef-Kampagne, die im Oktober starten wird und „End Violence“ (beende Gewalt) titelt. Die Vorfälle in Lügde, Münster und Bergisch Gladbach seien nur die Spitze des Eisbergs, ist Seidensticker sicher. Mit der „End Violence“-Aktion sollen die Menschen sensibilisiert werden für das Thema, nichts dürfe mehr unter den Teppich gekehrt werden. Weiterbildung zum Thema Missbrauch auf vielen Ebenen, in den Behörden, aber auch zum Beispiel in den Schulen fordert Britta Haßelmann. Die Bundestagsabgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) besuchte den Stand auf dem Kesselbrink als Vorstandsmitglied von Unicef Deutschland. Sie betont, dass gerade erst die Forschungen zu den psychischen Belastungen von Kindern in Coronazeiten angelaufen seien.

Jedes fünfte Kind lebt in Armut

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebe in Armut. Und durch die Pandemie sei diese Unwucht noch viel größer geworden. Kinder aus ärmeren Familien seien beim digitalen Lernen abgehängt worden. Viele, die auf ein warmes Mittagessen in der Schule angewiesen waren, seien in den letzten Monaten leer ausgegangen. In der Krise blieben die Kinder lange unsichtbar. „So richtig kritisch fand ich, als in NRW in der Hochphase die Möbelhäuser wieder öffnen durften, aber die Spielplätze gesperrt blieben“, sagt Haßelmann.

Während die Erwachsenen auf dem Kesselbrink vollen Einsatz zeigten, griffen Kinder nur vereinzelt zu Kreide, um den Platz zu verschönern. Das mag am sonnigen Ausflugswetter gelegen haben. Zudem gab es anlässlich des Weltkindertages auch in anderen Ortsteilen Angebote – als Ersatz für das zentrale Spielfest auf dem Klosterplatz, das coronabedingt ausfiel.

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